Segregated Witness trennt Basistransaktion und Zeugendaten und legte 2015 den Grundstein für mehr Platz im Bitcoin-Block. Der Vorschlag entstand im Umfeld von Blockstream, das ein Jahr zuvor mit dem Ziel gegründet wurde, Sidechains für Bitcoin zu entwickeln.
Blockstream und der Sidechain-Ansatz
Blockstream wurde 2014 von einer Gruppe früher Bitcoin-Entwickler gegründet, darunter Adam Back, Gregory Maxwell und Pieter Wuille. Ziel war die Entwicklung von Sidechains, verbundenen Nebenketten für Experimente, ohne die Bitcoin-Basisschicht selbst zu verändern. Der Ansatz stand bewusst im Gegensatz zu alternativen Blockchains mit eigenem Sicherheitsmodell und eigenem Coin.
Im Whitepaper Enabling Blockchain Innovations with Pegged Sidechains beschrieb das Team einen Pegging-Mechanismus, der Werte zwischen Bitcoin und einer Sidechain verschiebt, ohne neue Coins zu erzeugen. Die Sicherheit der Sidechain blieb dabei an Bitcoin gekoppelt. Dieser Gedanke der modularen Erweiterung prägte spätere Skalierungs-Diskussionen, auch wenn Sidechains nie zur zentralen Lösung wurden.
Segregated Witness: Trennung von Basisdaten und Zeuge
2015 stellte Pieter Wuille auf einer Entwicklerkonferenz in Hongkong einen anderen Vorschlag vor: Segregated Witness. Im Kern trennt der Vorschlag die Basistransaktion von den Zeugendaten, also Signaturen und Skripten. Diese Zeugendaten werden aus dem Transaktionskörper entfernt und in eine separate Struktur ausgelagert.
Segregated Witness schafft dadurch zusätzlichen Platz im Block, ohne die Blockgrößen-Grenze formal zu verändern. Gleichzeitig behebt der Vorschlag das Problem der Transaktions-Malleabilität, bei dem sich die Transaktions-ID nachträglich manipulieren lässt. Eine ausführliche technische Beschreibung liefert learnmeabitcoin.com. Umgesetzt wurde Segregated Witness als Soft Fork, blieb also abwärtskompatibel.
Skalierung als Ergebnis vieler unabhängiger Vorschläge
Zwischen 2014 und 2015 entstanden mehrere konkurrierende Vorschläge zur Skalierung von Bitcoin, von Sidechains bis Segregated Witness. Keiner dieser Vorschläge wurde zentral verordnet, sie entstanden aus offenen Diskussionen unabhängiger Entwickler.
Genau dieser Prozess veranschaulicht ein Prinzip der Österreichischen Schule. Friedrich August von Hayek beschrieb, wie sich Ordnung ohne zentrale Planung aus dem Zusammenspiel vieler Akteure mit jeweils nur lokalem Wissen bildet. Kein einzelner Entwickler und kein Unternehmen wie Blockstream konnte im Alleingang festlegen, welche Lösung sich durchsetzt. Segregated Witness setzte sich durch, weil es das bestehende Regelwerk von Bitcoin am wenigsten veränderte und dennoch technische Probleme löste.
Diese spontane Ordnung ist eine Folge des Bitcoin-Protokolls selbst: Niemand kontrolliert zentral, welche Software-Änderungen übernommen werden. Jeder Knoten entscheidet eigenständig. Bitcoin unterscheidet sich darin von vielen anderen Kryptowährungen, bei denen einzelne Teams oder Stiftungen deutlich mehr Einfluss auf Protokolländerungen behalten. Fest steht: Segregated Witness wurde 2015 vorgeschlagen und veränderte die Struktur von Transaktionen dauerhaft. Ob Sidechains langfristig eine größere Rolle spielen, bleibt offen und ist eher Theorie als etablierte Praxis.
Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Variable Kosten bei Bitcoin: Warum Gebühren mit der Zeit schwanken.





