Bitcoin Forks sind der schärfste Praxistest für die Frage, was ein Geldnetzwerk im Kern ausmacht. Der Bitcoin-Quellcode ist offen einsehbar und beliebig kopierbar, doch die Geschichte zeigt: Eine Kopie reicht nicht, um das Original zu verdrängen. Die Block Size Wars zwischen 2015 und 2017 lieferten dafür den entscheidenden empirischen Beleg. Wer Bitcoin verstehen will, kommt an dieser Episode nicht vorbei.

Block Size Wars: Anatomie eines gescheiterten Putschversuchs

Die Block Size Wars waren ein offener Konflikt darüber, ob die Blockgröße von 1 Megabyte erhöht werden soll. Eine Gruppe um Mike Hearn und Gavin Andresen brachte 2015 den Vorschlag BIP101 ein, der die Blockgröße per Hardfork auf 8 Megabyte anheben wollte, mit weiteren Verdopplungen alle zwei Jahre. Daraus wurden in Folge die alternativen Implementierungen Bitcoin XT, Bitcoin Classic und Bitcoin Unlimited, die jeweils am fehlenden Konsens scheiterten.

Im August 2017 spaltete sich Bitcoin Cash als Hardfork vom Bitcoin-Netzwerk ab; ein Jahr später teilte sich Bitcoin Cash erneut und brachte Bitcoin SV hervor. Das geplante SegWit2x-Update wurde im November 2017 mangels Konsens kurz vor der Aktivierung abgesagt.

Am Ende blieb Bitcoin bei 1 Megabyte, und die Skalierung erfolgte über die Soft-Fork-Lösung SegWit, die rückwärtskompatibel war. Die Auseinandersetzung markierte einen Bruchpunkt:

Sie zeigte, dass Bitcoin sich nicht durch Mehrheiten von Unternehmen, Entwicklern oder Minern umschreiben lässt.

Eine ausführliche technische Chronik findet sich im Bitcoin Wiki.

Bitcoin Forks und die Mechanik des Hardforks

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Ein Hardfork ist eine Regeländerung, die nicht abwärtskompatibel ist und damit zwei separate Netzwerke entstehen lässt. Wer Bitcoin Forks erzeugen will, benötigt nichts weiter als den offenen Quellcode und einen veränderten Parameter. Was sich aber nicht kopieren lässt, sind Rechenleistung, Knotenanzahl, Liquidität und das Vertrauen der Marktteilnehmer.

Bitcoin Cash startete mit einer Blockgröße von zunächst 8 Megabyte, später 32 Megabyte; Bitcoin SV hob das Limit auf 128 Megabyte an. Beide Netzwerke existieren bis heute, sind aber im Vergleich zum Original wirtschaftlich randständig. Bitcoins Hashrate liegt im Bereich von rund einem Zetta-Hash pro Sekunde, während Bitcoin Cash sich im niedrigen Exa-Hash-Bereich bewegt – ein Verhältnis von etwa 300 zu 1.

Die nachstehende Grafik zeigt die drastischen Unterschiede, welche die Rechenleistung von Bitcoin und Bitcoin Cash aufweisen. 

Bitcoin vs Bitcoin Cash Hashrate

Quelle: fork.lol – Hashrate

Die Tagesvolumina an Transaktionen unterscheiden sich um eine vergleichbare Größenordnung. Damit illustrieren Bitcoin Forks eine zentrale Lehre: Code ist Form, Konsens ist Substanz.

Hashrate als ökonomischer Wahrheitstest dezentraler Konsensbildung

Die Hashrate ist mehr als eine technische Kennzahl. Sie misst, wieviel ökonomische Energie Marktteilnehmer freiwillig in ein Netzwerk investieren, und damit ihre Zustimmung. Hashrate folgt dem Anreiz, und der Anreiz folgt der wahrgenommenen Werthaltigkeit.

Die Block Size Wars haben gezeigt, dass selbst ein Großteil der Mining-Industrie und der börsennotierten Bitcoin-Unternehmen das Originalnetzwerk nicht spalten konnte.

Diese Beobachtung führt direkt in das Zentrum der Österreichischen Schule. Friedrich August von Hayek beschrieb das Konzept der spontanen Ordnung: komplexe gesellschaftliche Strukturen entstehen nicht durch zentrale Planung, sondern emergent aus dezentralen Entscheidungen.

Bitcoin ist dafür ein digitales Anschauungsbeispiel. Niemand entscheidet, was Bitcoin ist; das Netzwerk entscheidet es täglich neu durch die Summe aller Mining-, Knoten- und Nutzungsentscheidungen. Wer Bitcoin durch einen Fork zentral verbessern will, übersieht, dass die Sicherheit und Härte des Geldes genau aus dieser Unveränderlichkeit folgt.

Saifedean Ammous hat dies im Bitcoin Standard zugespitzt formuliert: Das, was Bitcoin als Geld auszeichnet, ist gerade die Tatsache, dass es niemand einseitig ändern kann. Gleichzeitig ist die Debatte nicht abschließend entschieden, denn Befürworter alternativer Forks vertreten weiterhin die Position, ihre Variante sei näher an der ursprünglichen Idee eines digitalen Bargelds.

Die ökonomischen Daten sprechen jedoch eine deutliche Sprache: Hashrate, Liquidität und Adoption haben sich am Original gesammelt. Bitcoin Forks sind damit nicht nur ein technisches Phänomen, sondern eine empirische Bestätigung dessen, was Hayek über die Grenzen zentraler Planung schrieb.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über den Weg der Bitcoin-Monetarisierung vom Wertspeicher zum Tauschmittel.

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