Das Eurosystem hat am 21. September 2026 mit der EZB Tokenisierung das System Pontes gestartet: Tokenisierte Wertpapiere werden künftig direkt in Zentralbankgeld abgewickelt. 13 Banken und vier DLT-Anbieter sind zum Start dabei.

EZB startet Tokenisierungs-Pilotprojekt für Euro-Zahlungen

Das Eurosystem hat am Montag, 21. September 2026, mit der EZB Tokenisierung einen entscheidenden Schritt vollzogen: Mit dem System Pontes werden tokenisierte Wertpapiere und andere digitale Vermögenswerte künftig direkt in Zentralbankgeld abgewickelt. Es ist die erste konkrete Initiative unter dem strategischen Tokenisierungsprogramm der Europäischen Zentralbank.

An den Start gehen 13 Banken, darunter die Deutsche Bank, Santander und Société Générale, gemeinsam mit vier Anbietern von Distributed-Ledger-Technologie: Axiology, Cashlink, Clearstream und SWIAT. Nach Angaben der EZB sollen in den kommenden Monaten weitere Teilnehmer hinzukommen. Die vollständige Umsetzung ist bis 2028 vorgesehen.

Zentralbankgeld im digitalen Netzwerk-Format

Bei der EZB Tokenisierung verbindet Pontes die Netzwerke der Distributed-Ledger-Technologie mit dem bestehenden Zahlungssystem der Zentralbank. Wechselt ein tokenisierter Vermögenswert auf einem DLT-Netzwerk den Besitzer, sorgt das System für die gleichzeitige, risikofreie Abwicklung in Zentralbankgeld.

Diese Kopplung soll das Abwicklungsrisiko beseitigen, also die Gefahr, dass eine Seite eines Geschäfts liefert, ohne dass die Gegenleistung ankommt. Laut Pressemitteilung der EZB wird das Angebot schrittweise ausgebaut, mit erweiterten Funktionen und längeren Betriebszeiten.

Parallel arbeitet das Eurosystem unter dem Namen Appia an einer zweiten Schiene, an der auch die dänische Notenbank sowie weitere öffentliche und private Akteure beteiligt sind. Ein Blueprint dafür soll ebenfalls bis 2028 vorliegen.

Eurosystem bringt Blockchain-Infrastruktur in Zahlungsverkehr

Für die EZB Tokenisierung ist die Zentralbankgeld Kontrolle über den europäischen Finanzsektor ein Baustein von mehreren. Die EZB behält damit ihre Rolle als Abwicklungsstelle, auch wenn Handel und Verwahrung von Wertpapieren zunehmend auf Blockchain-Netzwerke wandern. Banken erhalten eine offizielle Anbindung, ohne auf private Abwicklungslösungen ausweichen zu müssen. Institute, die früh andocken, sichern sich Erfahrung mit einer Infrastruktur, die absehbar zum Standard für die Wertpapierabwicklung im Euroraum werden soll.

Wer als Sparer auf Selbstverwahrung setzt, bleibt von der Frage nach Vermittlern und deren Ausfallrisiko unberührt. Pontes ändert nichts daran, dass die Geldmenge im Euroraum politisch bestimmt bleibt, während das Bitcoin-Angebot fest auf 21 Mio. Einheiten begrenzt ist.

Offen bleibt, wie schnell weitere Banken und DLT-Anbieter dem System beitreten und ob der Zeitplan bis 2028 hält. Für die Marktstruktur zählt vorerst, dass Zentralbankgeld erstmals systematisch an tokenisierte Vermögenswerte gekoppelt wird.

Wir berichteten über den Start der Pontes-Pilotphase im dritten Quartal 2026.

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