Der Gold- und Silber-Standard zeigt, dass Geld nicht aus einem einzelnen Metall bestehen muss, sondern aus dem Gut mit der höchsten Marktfähigkeit hervorgeht. Edelmetalle besitzen neben ihrer Geldfunktion einen industriellen Gebrauchswert, weshalb das oft erhobene Argument der Verschwendung zu kurz greift. Gleichzeitig können Gold und Silber als parallele Geldformen nebeneinander bestehen. Dieser Artikel ordnet beide Punkte ein und führt zum Vergleich mit Bitcoin.

Warum Gold als Geld nicht verschwendet wird

Ein häufiger Einwand gegen Edelmetallgeld lautet, dass Förderung und Lagerung von Gold Ressourcen binden, die anderweitig produktiver eingesetzt werden könnten. Dieser Einwand übersieht, dass Gold neben seiner Geldfunktion einen realen industriellen Gebrauchswert besitzt.

Rund 14 Prozent der jährlichen Goldnachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen, etwa in der Elektronik, der Zahnmedizin und der Luft- und Raumfahrt. Gold leitet Strom hervorragend, korrodiert nicht und bleibt über lange Zeiträume verarbeitbar. Aus dieser Perspektive wird Gold nicht verschwendet, sondern erfüllt mehrere Funktionen zugleich.

Die Bewertung als Verschwendung bleibt allerdings eine geldtheoretische Position und kein objektiver Befund, weil sich Opportunitätskosten unterschiedlich gewichten lassen. Festzuhalten ist der Fakt, dass Gold über einen messbaren Gebrauchswert verfügt, der unabhängig von seiner Rolle als Geld existiert.

Der parallele Gold- und Silber-Standard

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Der Gold- und Silber-Standard musste historisch nicht auf ein einziges Metall festgelegt sein. Über lange Zeiträume liefen Gold- und Silbermünzen nebeneinander um, in Deutschland gesetzlich sogar bis 1907. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem fixierten und einem parallelen Standard. Beim fixierten Bimetallismus schrieb der Staat ein festes Tauschverhältnis vor, etwa 16 zu 1 in den Vereinigten Staaten.

Sobald dieses amtliche Verhältnis vom Marktpreis abwich, verdrängte das überbewertete Metall das unterbewertete aus dem Umlauf, ein Vorgang, der als Greshamsches Gesetz bekannt ist. Ein funktionierender paralleler Standard verzichtet daher auf eine staatliche Fixierung und lässt das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber frei am Markt schwanken.

Die Geschichte des Edelmetallgeldes zeigt diese Mechanik im Detail. Der Gold- und Silber-Standard belegt damit, dass mehrere Geldformen koexistieren können, solange kein zentraler Eingriff ihr Verhältnis verzerrt.

Der Gold-Silber-Standard und die Lehre der Österreichischen Schule

Der Gold- und Silber-Standard verdeutlicht ein Grundprinzip der Österreichischen Schule: Welches Gut sich als Geld durchsetzt, entscheidet nicht der Staat, sondern die Marktfähigkeit.

Carl Menger bezeichnete diese Eigenschaft als Absatzfähigkeit und beschrieb damit, wie leicht ein Gut über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg wieder veräußert werden kann. Edelmetalle setzten sich durch, weil ihre Absatzfähigkeit die anderer Waren übertraf, nicht weil eine Behörde sie dazu bestimmte.

Carl Menger beschreibt es so:

Das Geld ist kein Product des Uebereinkommens der wirthschaftenden Menschen, oder gar das Product legislativer Acte.

Aus dieser Logik ergibt sich auch der Bitcoin Gold Vergleich. Bitcoin tritt mit denselben Geldeigenschaften an, die Gold im Gold- und Silber-Standard erfüllte, und ergänzt sie um eine programmatisch fixierte Obergrenze von 21 Mio. Einheiten. Anders als Gold besitzt Bitcoin jedoch keinen industriellen Gebrauchswert, sondern beruht ausschließlich auf seiner Geldprämie und der durch Proof-of-Work gesicherten Knappheit.

Das verschiebt die Verschwendungs-Frage, denn Gold wird parallel in der Industrie genutzt, während Bitcoin seinen Wert allein aus Knappheit und Marktfähigkeit ableitet. Theoretisch ist Bitcoin damit das marktfähigere Geld, weil es teilbarer, leichter übertragbar und nicht beliebig vermehrbar ist.

In der Praxis ist diese Einordnung nicht abgeschlossen, denn Bitcoin wird derzeit überwiegend als Wertaufbewahrungsmittel gehalten und hat die Stufe eines allgemein akzeptierten Tauschmittels noch nicht erreicht. Ob sich Bitcoin langfristig gegen etablierte Geldformen durchsetzt, bleibt eine offene Frage, die der Markt und nicht die Theorie beantwortet. Festzuhalten ist, dass derselbe Mechanismus, der einst zwischen Gold und Silber entschied, auch über die Zukunft von Bitcoin entscheiden wird.

Im vorherigen Bildungsartikel haben wir erklärt, wie das Verhältnis von Geldangebot und Kaufkraft funktioniert und welche Antwort Bitcoin darauf gibt.

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