Die Europäische Zentralbank erklärt sinkende Inflation über einen rückläufigen Warenkorb. Medien greifen diese Sicht auf und sprechen von Entspannung bei den Preisen. Doch diese Darstellung beruht auf einer sehr engen Definition von Inflation. Sie misst Preisveränderungen ausgewählter Konsumgüter, nicht die Ausweitung der Geldmenge. Genau hier beginnt der Widerspruch zwischen offizieller EZB-Inflation und der tatsächlichen monetären Entwicklung.
In Kürze
- Warum die EZB Inflation anders misst als sie entsteht
- Welches Produkt aus dem Warenkorb fehlt und warum das entscheidend ist
- Warum sinkende EZB-Inflation kein Entwarnungssignal ist
Warum die EZB Inflation anders misst als sie entsteht
Die EZB definiert Inflation über den harmonisierten Verbraucherpreisindex. Dieser Warenkorb soll den durchschnittlichen Konsum abbilden und dient als Steuerungsgröße für die Geldpolitik. Aus dieser Perspektive gilt Inflation als unter Kontrolle, sobald der Index in Richtung zwei Prozent fällt.

Aus Sicht der Wiener Wirtschaftsschule ist das jedoch eine Verwechslung von Ursache und Wirkung. Inflation entsteht nicht durch steigende Preise, sondern durch die Ausweitung von Geld und Kredit. Preissteigerungen sind lediglich die zeitverzögerte Folge dieser Geldmengenausweitung.
In den letzten drei Jahren hat die EZB die Geldmenge massiv ausgeweitet, erst durch Anleihekäufe, später durch gezielte Liquiditätsprogramme. Auch nachdem die Verbraucherpreise offiziell zurückgingen, blieb die Geldmenge hoch und begann zuletzt erneut zu wachsen.
Nach der Definition von Mises ist Inflation damit nicht verschwunden, sondern lediglich noch nicht vollständig in allen Preisen angekommen.
Welches Produkt aus dem Warenkorb fehlt und warum das entscheidend ist
Ein zentrales Beispiel ist Wohneigentum. Die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum sind im HICP nicht enthalten. Steigende Immobilienpreise, Baukosten und Finanzierungskosten wirken daher nicht inflationssteigernd im offiziellen Index.
Genau in den Jahren, in denen die Geldmenge stark ausgeweitet wurde, stiegen Immobilienpreise in vielen Ländern zweistellig. Diese Preissteigerungen tauchen in der EZB-Inflation nicht auf, obwohl sie reale Kaufkraftverluste verursachen.
Während Mieten nur verzögert und unvollständig einfließen, bleiben Vermögenspreise vollständig außen vor. Das führt dazu, dass Inflation statistisch sinken kann, während die reale Belastung für Haushalte weiter steigt. Der Warenkorb bildet damit nicht die Geldentwertung ab, sondern nur einen politisch akzeptierten Ausschnitt davon.
Warum sinkende EZB-Inflation kein Entwarnungssignal ist
Aus österreichischer Sicht ist entscheidend, ob die Geldmenge schneller wächst als die reale Wirtschaftsleistung. Genau das war in den letzten Jahren der Fall.
Die offizielle Inflationsrate fiel, weil Energiepreise nachgaben und bestimmte Güter billiger wurden. Gleichzeitig blieb die monetäre Basis hoch und neue Liquidität floss in Vermögensmärkte und Staatsfinanzierung.
Die Aussage, Inflation sei unter Kontrolle, basiert daher auf einem engen Preisindex, nicht auf monetärer Stabilität. Sinkende HICP-Werte bedeuten nicht, dass die Kaufkraft stabil ist.
Sie bedeuten nur, dass sich die Preiswirkungen der Geldmengenausweitung aktuell anders verteilen. Nach der Logik von Mises ist Inflation damit nicht beendet, sondern lediglich zeitlich und sektoral verschoben.






