Der SegWit2x Hard Fork sollte 2017 einen jahrelangen Streit um Bitcoins Blockgröße beenden. Miner verlangten eine Verdopplung der Blockgröße als Gegenleistung für ihre Zustimmung zu SegWit.
Miner uneinig über SegWits Aktivierung
Bitcoin Core Entwickler einigten sich 2016 auf einen Zeitplan für die SegWit-Aktivierung nach dem BIP9-Verfahren. Ab dem 15. November 2016 konnten Miner über mehrere Monate per Signalisierung ihre Zustimmung anzeigen. Die überwiegende Mehrheit der Full Nodes im Netzwerk stellte früh auf SegWit-kompatible Software um. Ein erheblicher Teil der Mining-Pools verweigerte die Signalisierung jedoch monatelang.
Sie forderten, SegWit nur zu unterstützen, wenn im Gegenzug die Blockgröße per Hard Fork erhöht würde. Erst ein nutzeraktivierter Softfork-Druck und das Ausweichverfahren BIP91 brachten im Sommer 2017 Bewegung in die Blockade. SegWit erreichte im August 2017 das nötige Quorum und wurde aktiviert.
Der SegWit2x Hard Fork als Kompromissversuch
Parallel zur SegWit-Aktivierung verständigten sich zahlreiche Unternehmen und Miner auf einen zusätzlichen Schritt, der später als SegWit2x Hard Fork bekannt wurde. Der Plan sah vor, wenige Monate nach der SegWit-Aktivierung die maximale Blockgröße per Hard Fork von 1 MB auf 2 MB zu verdoppeln. Details zum Ablauf und den beteiligten Akteuren dokumentiert der SegWit2x-Wikieintrag.
Befürworter argumentierten, größere Blöcke würden mehr Transaktionen ermöglichen und Gebühren senken. Kritiker verwiesen darauf, dass ein Hard Fork Nodes gegen ihren Willen zu einem Software-Wechsel zwingt und Netzwerkregeln spaltet. Ein Großteil der Full-Node-Betreiber lehnte den Plan mangels breitem Konsens ab. Im November 2017 sagten die Initiatoren den geplanten Fork wegen fehlender Unterstützung ab.
SegWit2x Hard Fork und Bitcoins Geldordnung
Der SegWit2x Hard Fork zeigt, wie unterschiedlich sich technische Änderungen an einem dezentralen Geldnetzwerk durchsetzen lassen. Rechenleistung besitzen Miner zwar, Definitionsmacht über die Konsensregeln jedoch nicht; darüber entscheiden die Nodes der Nutzer. Diese Aufteilung der Kontrolle entspricht dem österreichischen Verständnis spontaner Ordnung: Regeln setzen sich durch freiwillige Übereinstimmung vieler unabhängiger Akteure durch, nicht durch Anordnung einer zentralen Instanz.
Friedrich August von Hayek beschrieb solche Ordnungen als Ergebnis dezentraler Anpassung statt zentraler Planung. Genau dieses Prinzip verhinderte den SegWit2x Hard Fork, weil ein Teil der Marktteilnehmer die vorgeschlagene Änderung nicht übernahm. Für Bitcoins Geldordnung ist diese Reibung kein Defekt, sondern ein Schutz gegen unabgestimmte Eingriffe in das feste Angebot von 21 Mio. Coins.
Die Debatte war zugleich Theorie und Praxis: Theoretisch ließe sich die Blockgröße beliebig anpassen, praktisch verhindert die verteilte Zustimmungspflicht genau das. Bitcoin unterscheidet sich damit von vielen anderen Kryptowährungen, bei denen Entwicklerteams oder Stiftungen Änderungen zentraler durchsetzen können. Wie belastbar dieser Konsensmechanismus bei künftigen Streitfragen bleibt, ist unter Entwicklern umstritten.
Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Bitcoin Blockgrößenlimit: Wie SegWit die Skalierungsfrage löste.





