Die Marktfähigkeit von Geld entscheidet darüber, welches Gut sich als Tauschmittel durchsetzt. Wer ein Gut anbietet, wählt jenes Tauschobjekt, von dem er weiß, dass es auch andere akzeptieren werden. Nicht Anordnung, sondern Wiederholung dieser Wahlentscheidung lässt aus einer normalen Ware ein Geld werden. Carl Menger lieferte dafür die theoretische Grundlage. Bitcoin lässt sich genau in diese Logik einordnen.
Marktfähigkeit von Geld als Auswahlkriterium
Marktfähigkeit beschreibt die Leichtigkeit, mit der ein Gut auf dem Markt verkauft oder getauscht werden kann. Sie hängt von mehreren Eigenschaften ab: Haltbarkeit, Teilbarkeit, Transportfähigkeit, Erkennbarkeit, Fungibilität und allgemeine Akzeptanz. Ein verderbliches oder schwer transportierbares Gut hat eine niedrige Marktfähigkeit, ein langlebiges und teilbares Gut eine hohe.
Salz, Muscheln oder Vieh dienten in frühen Tauschsystemen genau deshalb als Geld, weil sie diese Eigenschaften relativ besser erfüllten als andere Waren. Marktteilnehmer wählen das Tauschmittel nicht durch politische Vereinbarung, sondern subjektiv und auf Basis dieser Eigenschaften. Sie nehmen jenes Gut entgegen, von dem sie ausgehen, dass auch andere es im nächsten Schritt akzeptieren werden.
Geld ist damit die Ware, die im Vergleich zu allen anderen Waren überwiegend als Tauschmittel nachgefragt wird. Damit ist die Marktfähigkeit von Geld kein Zufallsergebnis, sondern das Resultat unzähliger einzelner Bewertungen.
Marktfähigkeit von Geld in Mengers Lehre
Carl Menger hat in „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ (1871) und im Aufsatz „Geld“ (1892) gezeigt, wie aus dieser Marktfähigkeit Geld entsteht. Er verwendete dafür den Begriff Absatzfähigkeit und beschrieb damit die Verkäuflichkeit eines Gutes über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg.
Edelmetalle wie Gold und Silber erfüllten diese Kriterien historisch am besten: Sie sind haltbar, teilbar, transportabel, erkennbar und in großen Mengen begrenzt. Daher setzten sie sich über lange Zeiträume und über viele Kulturen hinweg als Geld durch. Entscheidend ist der Selbstverstärkungseffekt: Sobald ein Gut von vielen akzeptiert wird, steigt seine Marktfähigkeit weiter, weil neue Marktteilnehmer es ebenfalls bereitwilliger annehmen.
Mengers These war klar: Geld ist seinem Ursprung nach keine staatliche, sondern eine gesellschaftliche Erscheinung. Diese Sicht bildet bis heute den Kern der Geldtheorie der Österreichischen Schule. Eine ergänzende Darstellung dieses Prinzips bietet Nick Szabo in seinem Aufsatz „Shelling Out: The Origins of Money“, abrufbar.
Bitcoin Marktfähigkeit im historischen Kontext
Bitcoin tritt in dieser Tradition als digitales Tauschmittel an. Seine Eigenschaften sind auf hohe Marktfähigkeit ausgelegt: Bitcoin ist in neun Dezimalstellen teilbar, weltweit übertragbar, programmatisch haltbar, fungibel und absolut knapp. Saifedean Ammous beschreibt diese Kombination als Marktfähigkeit über Raum, Zeit und Skalen, also die Fähigkeit, Werte über Distanzen, über lange Zeiträume und in beliebigen Größeneinheiten zu transportieren.
Damit übersetzt die Bitcoin-Brille Mengers Marktfähigkeitstheorie in das digitale Zeitalter. Edelmetalle erfüllten die Kriterien analog, Bitcoin erfüllt sie digital. Auch der Selbstverstärkungseffekt ist sichtbar: Mit zunehmender Nutzerzahl steigt die Liquidität, die Wechselrate sinkt, und der Tausch wird effizienter.
Theoretisch ist die Einordnung schlüssig, in der Praxis steht Bitcoin allerdings noch am Anfang. Aktuell wird Bitcoin überwiegend als digitaler Wertspeicher genutzt, nicht als alltägliches Tauschmittel. Die Marktfähigkeit als Tauschmittel ist noch in der Entwicklung, weil Akzeptanz, regulatorischer Rahmen und Infrastruktur erst aufgebaut werden.
Aus Sicht der Österreichischen Schule ist genau das aber zu erwarten: Geld entsteht nicht durch Verordnung, sondern in einem langen Prozess subjektiver Marktwahlentscheidungen. Bitcoin als Hard Money mit fixiertem Angebot tritt damit in einen langfristigen Wettbewerb mit Fiat-Währungen, deren Marktfähigkeit durch politische Eingriffe in die Geldmenge geschwächt werden kann.
Wichtig ist die saubere Trennung: Die Marktfähigkeit von Geld ist kein einmaliger Zustand, sondern ein laufender Prozess, der durch viele subjektive Entscheidungen entsteht. Wer Bitcoin in diese Tradition einordnet, sieht es nicht als Bruch, sondern als Verlängerung der Geldgeschichte mit modernen Mitteln. Ob Bitcoin seine Marktfähigkeit langfristig auf alle Geldfunktionen ausweitet, wird sich erst über Jahrzehnte erweisen.
Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Indirektes Tauschmittel und den Bitcoin-Ansatz zur Geldordnung.





