Wei Dais b-money Protokoll von 1998 beschreibt, wie Teilnehmer über eigene Datenbanken und Rechenaufwand dezentral Geld erzeugen, ganz ohne Zentralbank.
Eigene Datenbank für jeden Teilnehmer
Das b-money Protokoll entstand 1998, als der Informatiker Wei Dai einen Vorschlag für ein digitales Geldsystem auf einer Cypherpunk-Mailingliste veröffentlichte. Anders als bei einer Bank mit zentralem Kontobuch sollte jeder Teilnehmer eine eigene, vollständige Datenbank führen, in der alle Kontostände des Netzwerks vermerkt sind.
In dieser Datenbank steht, wie viele Geldeinheiten jeder Teilnehmer im Netzwerk besitzt. Findet eine Transaktion statt, tragen alle Teilnehmer die Änderung gleichzeitig in ihre eigene Kopie ein. Niemand muss einer einzelnen Instanz vertrauen, weil jeder die Kontostände selbst nachvollziehen und prüfen kann.
Diese Idee einer verteilten Buchführung ist einer der Kerngedanken, die das b-money Protokoll später für die Entwicklung digitalen Geldes so bedeutsam gemacht haben. Wer Geld senden wollte, musste seine Anweisung an alle anderen Teilnehmer verbreiten, damit jeder seine Datenbank aktualisieren konnte.
Geldschöpfung im b-money Protokoll
Neben der Kontoführung beschreibt das b-money Protokoll auch, wie neues Geld überhaupt entsteht. Die Grundregel ist einfach: Ein Teilnehmer löst ein rechenintensives Problem, das bisher ungelöst war, und veröffentlicht die Lösung samt Nachweis gegenüber den anderen Teilnehmern im Netzwerk.
Die Menge der neu erzeugten Geldeinheiten richtet sich dabei nach den Kosten des Rechenaufwands, der für die Lösung nötig war. Wer mehr Rechenleistung investiert, erzeugt mehr Geld. Wer weniger investiert, entsprechend weniger. Dieser Mechanismus sorgt für eine dezentrale Geldschöpfung, ohne dass eine Zentralbank oder ein Emittent über die Menge entscheidet.
Für das b-money Protokoll war das ein Weg, Knappheit ohne Institution herzustellen. Die Kosten der Rechenarbeit setzen der Geldmenge eine natürliche Grenze, da niemand beliebig viel Rechenleistung kostenlos zur Verfügung hat. Details zum ursprünglichen Vorschlag lassen sich im Originaltext von Wei Dai nachlesen, den er 1998 veröffentlichte.
Server und Sicherheiten als zweiter Weg
Wei Dai skizzierte im b-money Protokoll noch eine zweite Variante, weil die erste in der Praxis kaum umsetzbar war. Alle Teilnehmer müssten dafür permanent online sein und jede Transaktion jedes anderen Teilnehmers verarbeiten, was bei vielen Nutzern schnell an Grenzen stößt.
In der zweiten Variante übernehmen ausgewählte Teilnehmer mit eigenen Servern die Verarbeitung der Transaktionen. Damit diese Server nicht betrügen, mussten sie zuvor Geld als Sicherheit hinterlegen, die bei nachweisbarem Fehlverhalten verloren ging und an ehrliche Teilnehmer verteilt wurde.
Im Ergebnis blieb der Grundgedanke des b-money Protokolls erhalten: Jeder Teilnehmer kann durch eigene Arbeit Geld erzeugen, unabhängig davon, ob er über die einfache oder die serverbasierte Variante am Netzwerk teilnimmt. Beide Wege verzichten auf eine zentrale Ausgabestelle.
Wei Dais Entwurf blieb ein theoretisches Papier und wurde nie vollständig umgesetzt. Dennoch griffen spätere Konzepte zentrale Bausteine des b-money Protokolls auf, etwa die Kopplung von Geldschöpfung an nachweisbaren Rechenaufwand. Zuvor berichteten wir über Digitale Knappheit: BitGold und der Arbeitsnachweis.





