Das Gegenparteirisiko bei Finanzplattformen rückt in den Fokus: World Liberty Financial erhielt laut New York Times 100 Mio. US-Dollar von einem Investor, gegen den britische Behörden wegen Geldwäsche ermitteln. Die Untersuchung war laut Zeitung Ende Juli weiter aktiv.

Geldwäsche-Verdacht um World Liberty

Das Gegenparteirisiko bei Finanzplattformen bekommt durch eine Recherche der New York Times vom 9. August 2026 ein konkretes Beispiel: World Liberty Financial erhielt demnach 100 Mio. US-Dollar von einem Investor, gegen den britische Ermittler wegen Geldwäsche vorgehen. Die Summe floss über zwei Wallets in den WLFI-Token, das Governance-Token der Plattform.

Die Zeitung identifiziert den Käufer als Guren „Bobby“ Zhou, einen früheren Parkettboden-Händler aus Großbritannien. Zhou wurde 2021 wegen Geldwäsche-Verdachts festgenommen, aber bislang nicht angeklagt. Ein britisches Gerichtsdokument vom vergangenen November wirft ihm vor, mit fünf weiteren Personen an einem Geldwäsche-System beteiligt gewesen zu sein, das bis 2019 zurückreicht.

Britische Behörden untersuchen Kapitalquelle

Das Gegenparteirisiko bei Finanzplattformen verschärft sich zusätzlich: Die Ermittlungen der britischen Behörden gegen Zhou liefen laut Beamtenangaben gegenüber der Zeitung Ende Juli 2026 weiter. Die Analysefirma Arkham Intelligence ordnete zwei Wallets den beteiligten Firmen zu: Eine kaufte im Januar 2025 WLFI-Token im Wert von 20 Mio. US-Dollar, eine zweite im Juni 2025 weitere 80 Mio. US-Dollar. Firmenunterlagen zufolge wurde eine der beiden Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln kurz vor dem Kauf umbenannt.

Bis zu 75 Mio. US-Dollar der Summe flossen nach Angaben der Zeitung an Gesellschaften der Familie Trump und an Partner von Mitgründer Zach Witkoff. Patrick Prinz, Chief Operating Officer der Ermittlungsfirma Recoveris, erklärte gegenüber der New York Times, Zhous Profil hätte strengere Geldwäsche-Prüfungen auslösen müssen. Als Warnsignale nannte er das gescheiterte Geschäftsleben, den plötzlichen Kapitalzugang, die Höhe der Transaktion und das laufende Verfahren.

Gegenparteirisiko in Finanzplattformen-Netzwerken

Der Fall zeigt, wie schnell das Gegenparteirisiko bei Finanzplattformen wächst, wenn Kapitalherkunft und Nutzerprüfung nicht offengelegt werden. Wer Token wie WLFI hält, verlässt sich auf die Sorgfaltspflichten der ausgebenden Plattform und ihrer Partner, nicht auf eine eigene Prüfung der Geldflüsse. Eine dezentrale Finanzalternative unterscheidet sich genau darin: Transaktionen bleiben öffentlich nachvollziehbar, auch wenn die Identität der Beteiligten dahinter nicht automatisch geprüft wird.

Offen bleibt, ob die Ermittlungen zu einer Anklage führen und ob World Liberty Financial die Herkunft der übrigen Mittel nachträglich offenlegt. Bis dahin bleibt die Transaktion ein Beispiel dafür, wie wenig Transparenz über Kapitalquellen auch bei prominent besetzten Krypto-Projekten herrscht.

Wir berichteten über die Beschränkung des WLFI-Tokens auf zugelassene Investoren.

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