Das Bitcoin Quantencomputer Risiko ist laut einem neuen Whitepaper von ARK Invest und Unchained real, aber nicht akut. Die am 12. März veröffentlichte Studie mit dem Titel „Bitcoin and Quantum Computing” quantifiziert erstmals systematisch, welcher Anteil des Bitcoin-Angebots theoretisch anfällig wäre und in welchem Zeitrahmen eine tatsächliche Bedrohung entstehen könnte. Das Ergebnis: 65,4 % aller Bitcoin liegen bereits in quantenresistenten Adressformaten.

34,6 % des Bitcoin-Angebots theoretisch anfällig, ARK Invest quantifiziert das Risiko erstmals

ARK Invest und Unchained schlüsseln das Bitcoin Quantencomputer Risiko nach Adresstypen auf. Rund 5,2 Mio. BTC, also etwa 25 % des Gesamtangebots, liegen in wiederverwendeten Adressen, deren öffentliche Schlüssel on-chain sichtbar sind. Diese könnten auf sicherere Formate migriert werden, sobald die Community entsprechende Upgrades umsetzt.

Weitere 1,7 Mio. BTC, rund 8,6 %, befinden sich in frühen P2PK-Adressen und gelten als vermutlich verloren. Dazu gehören auch die vermutlichen 1 Mio. BTC von Satoshi Nakamoto, die damit das prominenteste Beispiel für das Bitcoin Satoshi Quantenrisiko darstellen.

Etwa 200.000 BTC in P2TR-Adressen vervollständigen die Kategorie der theoretisch exponierten Bestände. Zusammen ergibt das 34,6 % des Gesamtangebots. Die restlichen 65,4 % liegen in Adressformaten, die nach aktuellem Wissensstand auch einem Quantencomputer standhalten würden.

Fünf Stufen von kommerzieller Nutzung bis zur kryptografischen Bedrohung

Das Whitepaper entwickelt ein Fünf-Stufen-Modell, das die Entwicklung von Quantencomputern von der heutigen NISQ-Ära bis hin zu einem kryptografisch relevanten Quantencomputer (CRQC) kartiert. In der aktuellen ersten Stufe sind Quantencomputer kommerziell nutzbar, aber weit davon entfernt, die elliptische Kurvenkryptografie (ECC) von Bitcoin zu brechen.

Dafür wären laut ARK Invest mindestens 2.330 logische Qubits und Milliarden von Quantengates nötig. Erst ab Stufe 3 sieht das Modell ein reales Risiko für Bitcoin-Wallets, und erst in Stufe 4 könnte ein Quantencomputer einen privaten Schlüssel schneller ableiten als Bitcoins Zehn-Minuten-Blockzeit.

Die Autoren betonen, dass kein plötzlicher „Q-Day” zu erwarten sei, sondern eine graduelle Entwicklung über Jahre bis Jahrzehnte. Expertenschätzungen für den ersten kryptografisch relevanten Angriff reichen von vor 2030 bis mehrere Dekaden in die Zukunft.

Das Internet und Bankensysteme wären vor Bitcoin betroffen, nicht danach

Besonders relevant ist ein Punkt, den viele in der Debatte übersehen: Ein Quantencomputer, der Bitcoins ECC brechen könnte, würde zunächst die gesamte Internetinfrastruktur und das globale Bankensystem gefährden, nicht nur Bitcoin. TLS-Verschlüsselung, Online-Banking, militärische Kommunikation und staatliche Geheimdienste nutzen dieselben oder ähnliche kryptografische Verfahren.

ARK Invest argumentiert deshalb, dass ein Durchbruch in der Quantenberechnung koordinierte Reaktionen von Regierungen, Technologieunternehmen und Finanzinstitutionen auslösen würde, bevor Bitcoin überhaupt betroffen wäre. Michael Saylor kommentierte die Debatte im Dezember auf X mit den Worten, Quantencomputer würden Bitcoin nicht brechen, sondern härten.

Tatsächlich existieren bereits Post-Quantum-Kryptografiestandards wie ML-DSA und SLH-DSA, die vom NIST verabschiedet wurden. Auch innerhalb der Bitcoin-Community gibt es mit BIP-360 einen konkreten Vorschlag für quantensichere Adressformate.

Die Autoren des Whitepapers schließen mit der Einschätzung, dass die Post-Quantum-Kryptografie sich derzeit schneller entwickelt als die Quantencomputer selbst. Das Bitcoin Quantencomputer Risiko ist damit ein Thema, das Aufmerksamkeit verdient, aber keine Panik rechtfertigt.

Wir berichteten bereits über die Einschätzung der Bundesbank und des NIST zum Bitcoin Quantencomputer Risiko.

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