Bitcoin als Recheneinheit berührt eine Grundfrage der Geldtheorie: Erst eine gemeinsame Währung erzeugt Preise und damit die Wirtschaftsrechnung. Der Beitrag erklärt die Informationsfunktion der Preise und ordnet Bitcoin nüchtern ein.
Wie eine gemeinsame Währung Preise erzeugt
Bitcoin als Recheneinheit wirft die Frage auf, wie Geld überhaupt Preise erzeugt. Eine gemeinsame Währung macht ungleiche Güter in einer einzigen Einheit vergleichbar. Erst dadurch entsteht ein Preis, der zwei Dinge gegeneinander abwägbar macht.
Ohne ein gemeinsames Geld gäbe es nur einzelne Tauschverhältnisse, aber keinen gemeinsamen Nenner. Mit ihm lassen sich Aufwand und Ertrag in derselben Größe ausdrücken. Das ist die Voraussetzung, um Tätigkeiten zu vergleichen und sich sinnvoll zu spezialisieren.
Preise als Grundlage der Wirtschaftsrechnung und das Preissystem als Informationsaustausch
Ludwig von Mises nannte diese Fähigkeit Wirtschaftsrechnung. Sie verlangt Geldpreise auch für Produktionsgüter, denn nur so lassen sich Kosten bestimmen und Verfahren vergleichen. Fehlen solche Preise, wird rationale Produktion unmöglich. Ein Bäcker erkennt nur dann, ob sich seine Arbeit lohnt, wenn Mehl, Energie und Brot in derselben Einheit ausgedrückt sind. Das erklärt das Mises Institute unter https://mises.org/library/book/economic-calculation-socialist-commonwealth.
Preise leisten dabei mehr als Buchhaltung. Sie sind ein Informationsaustausch, denn jeder Preis verdichtet, wie knapp ein Gut relativ zu seinen Verwendungen ist. Steigt ein Preis, signalisiert er Knappheit und lenkt Ressourcen dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Ohne Preise ließe sich die eigene Tätigkeit nicht zur arbeitsteiligen Gesamtwirtschaft ins Verhältnis setzen. Spezialisierung setzt voraus, dass jeder die Signale der anderen lesen kann.
Hayek und das Wissensproblem sowie Bitcoin zwischen Wertaufbewahrung und Recheneinheit
Friedrich August von Hayek führte diesen Gedanken weiter. Das nötige Wissen liegt nie an einer Stelle, sondern verstreut bei unzähligen Menschen. Der Wert des Preissystems besteht darin, dieses verstreute Wissen zu übermitteln, ohne dass ein zentraler Planer es bündeln müsste.
Damit zeigt sich, warum die Recheneinheit zählt. Sie ist die Voraussetzung jeder Kalkulation, und ihre Qualität entscheidet, wie verlässlich die Signale sind. Unsolides Geld verzerrt über Inflation und den Cantillon-Effekt die Preise und trübt damit die Information. Ein verlässlicher Maßstab senkt die Kosten dieser Koordination, ein schwankender erhöht sie.
Hier ordnet sich Bitcoin ein. Ein festes Angebot soll die Signale vor Verwässerung schützen, weshalb die Frage naheliegt, ob Bitcoin als Recheneinheit dienen kann. In der Praxis dient Bitcoin jedoch überwiegend der Wertaufbewahrung; Güter werden wegen der Schwankungen kaum in BTC ausgepreist.
Bitcoin als Recheneinheit bleibt damit vorerst Anspruch, nicht gegenwärtige Praxis. Eine Wirtschaftsrechnung mit Bitcoin würde einen stabilen Maßstab erfordern, dem die heutige Volatilität entgegensteht. Als Einschränkung gilt zudem, dass die starke These von Mises und Hayek die sozialistische Rechnungsdebatte auslöste, der Oskar Lange und Abba Lerner mit dem Marktsozialismus widersprachen. Die Bedeutung der Preise als Informationsträger bleibt davon unberührt, ihre volle Tragweite ist aber Gegenstand der Theorie.
Im vorherigen Bildungsartikel haben wir Bitcoin gegen Gold verglichen, woran dieser Blick auf die Recheneinheit anschließt.





