Bitcoin BIP-110 soll Datenmüll in Transaktionen begrenzen, doch Strategy-Chef Michael Saylor sieht in dem befristeten Soft Fork einen Eingriff in die Neutralität des Netzwerks.

Dezentralität unter Druck: Das Konsens-Problem

Bitcoin BIP-110 ist ein Vorschlag für einen befristeten Soft Fork, der die Größe eingebetteter Daten in Transaktionen einschränken soll. Auslöser ist der wiederkehrende Streit um sogenannte Inscriptions, die seit 2023 immer wieder für überlastete Blöcke und höhere Gebühren gesorgt haben. Konkret sieht der Entwurf eine Kappung auf 34 Byte pro Output und eine Rückkehr zum alten 83-Byte-Limit für OP_RETURN vor. Damit sollen umfangreiche, nicht-monetäre Dateninhalte wie Bilder oder Inschriften aus der Blockchain gedrängt werden.

Aktiviert werden soll die Regel über ein modifiziertes Verfahren, das die Zustimmung von 1.109 der 2.016 Blöcke einer Schwierigkeitsperiode verlangt, umgerechnet 55 Prozent. Das Signal der Miner liegt bislang nahe null, weit unter der nötigen Schwelle.

110 Argumente im Bitcoin-Upgrade-Streit

Strategy-Gründer Michael Saylor hat Mitte Juli in einem langen Thread und Essay insgesamt 110 Einwände gegen Bitcoin BIP-110 veröffentlicht, eingereicht als Bitcoin Improvement Proposal. Er teile das Ziel, sogenannten Datenmüll einzudämmen, lehne aber das Mittel ab, so Saylor. Ein Konsens-Update, das Inhalte nach ihrer Art bewertet, verengt aus seiner Sicht dauerhaft, was auf der Blockchain als gültig gilt.

Bitcoin könne die Absicht hinter Bytes nicht erkennen, argumentiert er: Ob eine Dateikette ein Bild, einen Beweis, einen Vertrag oder eine künftige Anwendung darstellt, bleibe dem Protokoll verborgen. Gebühren, die Wahl der Miner und lokale Knotenregeln sollten entscheiden, welche Transaktionen um knappen Blockspace konkurrieren, nicht ein inhaltsbasiertes Verbot.

Konsens unter Druck: Das Upgrade-Dilemma

Der Streit um Bitcoin BIP-110 zeigt, wie schwer sich dezentrale Netzwerke mit Regeländerungen tun, die auf freiwilliger Zustimmung beruhen. Ein Soft Fork wirkt nur, wenn Miner, Node-Betreiber und Nutzer ihn tatsächlich mittragen. Das schwache Signal der Miner deutet bislang eher auf Skepsis als auf breite Zustimmung hin.

Wichtig bleibt die Unterscheidung zwischen einem eingereichten Vorschlag und einer aktivierten Regel: BIP-110 ist bislang Diskussion, keine beschlossene Änderung. Wer über künftige Konsensregeln entscheidet, bleibt eine Frage der Anreize vieler Beteiligter, nicht der Autorität einzelner Marktteilnehmer.

Genau darin liegt die Stärke des Systems: Kein Akteur, auch kein prominenter Bitcoin-Großanleger, kann allein über die Spielregeln bestimmen. Die feste Obergrenze von 21 Mio. Bitcoin und die programmatische Endlichkeit des Angebots stehen dabei nicht zur Debatte.

Wir berichteten über die Selbstregulierung des Bitcoin-Netzwerks gegen Machtkonzentration.

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