Ein vielbeachteter X-Post des Analysten ZynxBTC vergleicht Strategy mit der Bank of England. Die These: Beide akkumulieren ein Reserveaktivum und emittieren Verbindlichkeiten dagegen. Das Bitcoin Goldstandard Modell klingt überzeugend. Doch historisch betrachtet offenbart der Vergleich mehr Risiken als Stärken.

Die BoE emittierte Noten gegen Gold, Strategy emittiert Aktien gegen Bitcoin

Die Bank of England wurde 1694 als private Aktiengesellschaft gegründet, um der englischen Krone 1,2 Mio. Pfund für den Krieg gegen Frankreich zu leihen. Im Gegenzug erhielt sie das Recht, Banknoten auszugeben und Bankgeschäfte zu betreiben.

Über Jahrhunderte baute sie ihre Goldreserven aus und gab Noten gegen diese Reserven aus, ein frühes Bitcoin Goldstandard Modell auf Edelmetallbasis.

Strategy nutzt eine strukturell ähnliche Mechanik: Das Unternehmen emittiert Aktien, Wandelanleihen und Vorzugsaktien, um Bitcoin zu kaufen. Der Bestand liegt aktuell bei über 766.000 BTC.

ZynxBTC hat am 11. April auf X dazu erklärt (frei übersetzt):

Hört auf, Strategy als normales Unternehmen zu betrachten, das Umsätze im traditionellen Sinne braucht. Es ist eine Bitcoin-gestützte monetäre Institution. Das Geschäftsmodell war, so viel Gold wie möglich zu akkumulieren und dann Kredit gegen die Bilanzaktiva auszugeben, um mehr Gold zu erwerben. Strategy macht exakt dasselbe, aber auf einem Bitcoin-Standard.

Die Parallele ist real: Beide Modelle nutzen ein knappes Reserveaktivum als Bilanzfundament und emittieren Verbindlichkeiten dagegen. Doch genau hier beginnen die Unterschiede.

330 Jahre Kreditausweitung zeigen: Das Reserveaktivum war nie das Problem

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Die Geschichte der Bank of England ist eine Geschichte wiederholter Krisen, und jede einzelne entstand durch Bitcoin Teilreserve in ihrer historischen Form: zu viele Noten gegen zu wenig Gold.

1797 musste die BoE die Goldkonvertibilität aussetzen, weil die Kriegsfinanzierung die Reserven aufgezehrt hatte. 1825 rettete das Haus Rothschild die Bank mit physischen Goldsendungen vor dem Zusammenbruch. 1914 wurde die Konvertibilität erneut ausgesetzt, 1931 endgültig aufgegeben.

Das Muster war immer dasselbe: Die Verbindlichkeiten wuchsen schneller als die Reserven. Gold als Aktivum war dabei nie das Problem. Das Problem war die Hebelstruktur darüber. Strategy zeigt ein ähnliches Muster.

Die Gesamtverbindlichkeiten liegen bei rund 8,2 Mrd. US-Dollar. Dem steht ein Bitcoin-Bestand gegenüber, der diese Summe aktuell etwa sechsfach deckt. Doch die Deckung sinkt mit jedem Kursrückgang.

Das Bitcoin Goldstandard Modell funktioniert, solange der Wert des Reserveaktivums steigt. Fällt er, steigt der Hebel.

Von 1694 bis 2026: Zwei Bilanzen, ein Muster, verschiedene Absicherungen

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Reserveaktivum, sondern in der Absicherung. Die BoE hatte ein staatliches Monopol auf Notenausgabe, die Steuerkraft des britischen Imperiums als Rückendeckung und die Möglichkeit, per Parlamentsbeschluss die Konvertibilität auszusetzen.

Strategy hat nichts davon. Kein Monopol, keine Steuerkraft, keinen Lender of Last Resort. Wenn die Kapitalmärkte den Zugang schließen, kann Strategy weder neue Aktien noch neue Anleihen platzieren.

Die BoE wurde 1946 verstaatlicht, nach 252 Jahren als private Institution. Das private Modell hatte ausgedient, weil es die Krisen nicht mehr auffangen konnte. Bitcoin ist ein härteres Reserveaktivum als Gold: fixes Angebot, programmatische Endlichkeit, 21 Mio. Obergrenze, keine Produktionssteigerung möglich.

Aber Kreditausweitung gegen ein Reserveaktivum erzeugt Fragilität, unabhängig davon, wie hart das Aktivum ist. Das zeigen 330 Jahre Bank of England. Wer Strategy als neue BoE feiert, sollte die Geschichte der alten kennen.

Wir berichteten über den Tausch von Fremdkapital in Eigenkapital und die Bilanzrisiken von Strategy.

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