Der ISM Manufacturing PMI liegt seit Januar 2026 über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Krypto-Analyst Cryptotice argumentiert auf X, dass der Bitcoin PMI Zyklus aktuell eine Akkumulationszone signalisiert, wie sie historisch jeden großen Bitcoin-Kaufzeitpunkt markiert hat. Die Datenlage widerspricht Teilen dieser These.
Was der ISM Manufacturing PMI mit Bitcoin-Zyklen zu tun hat
Der ISM Manufacturing PMI misst die Aktivität im US-Industriesektor anhand monatlicher Befragungen von Einkaufsmanagern. Ein Wert über 50 signalisiert Expansion, ein Wert unter 50 Kontraktion. Die These lautet: In Kontraktionsphasen baut sich im Hintergrund Liquidität auf, Risikoassets bilden ihre Tiefs und echte Akkumulation beginnt.
Sobald der PMI in die Expansion dreht, fließt Liquidität in risikobehaftete Anlageklassen, Trends werden überlaufen und informiertes Kapital verkauft in die Stärke. Das zeigt Cryptotice in einer aktuellen Analyse auf X mit historischem Chart und Scale-In/Scale-Out-Zonen.

Der aktuelle Bitcoin PMI Zyklus zeigt dieses Muster in den vergangenen Zyklen tatsächlich grob: Die Bitcoin-Tiefs von 2015, 2019 und 2022 fielen jeweils in PMI-Kontraktionsphasen. Dabei lag der ISM Manufacturing PMI 26 Monate in Folge unter 50, bevor er im Januar 2026 auf 52,6 sprang und im Februar mit 52,4 bestätigte.
Die Korrelation existiert, aber sie ist grob, nicht exakt, und die Kausalität ist nicht belegt.
Wie Raoul Pal die PMI-Bitcoin-Korrelation populär gemacht hat
Makro-Investor Raoul Pal war der erste, der öffentlich argumentierte, Bitcoin sei kein Halving-Asset, sondern ein Liquiditäts-Asset. Seine zentrale These: Der Bitcoin PMI Zyklus folgt dem Konjunkturzyklus, nicht dem Vier-Jahres-Rhythmus der Blockhalbierungen.
Analysten wie Colin Talks Crypto und Lark Davis haben diese Idee weitergetragen und prognostizieren auf Basis der ISM-Korrelation einen Zyklus-Top erst Mitte 2026 statt Ende 2025. Julien Bittel von Global Macro Investor widerspricht allerdings der Aussagekraft des ISM selbst und bezeichnet ihn als nachlaufenden Indikator. Henrik Zeberg kritisiert den Index als reine Umfrage ohne direkte Prognosekraft.
Tatsächlich zeigt die Streuung der PMI-Werte vor historischen Rezessionen eine Spanne von 42,1 bis 66,2, was die Vorhersagekraft für konkrete Wendepunkte stark einschränkt. Analyst Brett merkt zusätzlich an, dass der ISM eher künftige Fed-Entscheidungen widerspiegelt als direkte Bitcoin-Preisbewegungen.
Warum die Bitcoin Akkumulationszone PMI laut eigener Logik bereits vorbei ist
Die These im X-Post von Cryptotice lautet: PMI kontrahiert, Liquidität baut sich auf, Bitcoin bildet Tiefs, echte Akkumulation beginnt. Doch der PMI liegt seit zwei Monaten über 50 und befindet sich damit laut eigener Logik bereits in der Expansionsphase, nicht mehr in der Akkumulationsphase.
Die Behauptung, man befinde sich noch in der frühen PMI-Phase, widerspricht den aktuellen Daten. Hinzu kommt die Preiskomponente: Der ISM-Preisindex sprang im Februar auf 70,5 Punkte, den höchsten Wert seit Juni 2022, getrieben durch Stahl-, Aluminium- und Zollpreise.
Steigende Inputpreise reduzieren die Wahrscheinlichkeit baldiger Zinssenkungen und damit die Liquiditätserwartung, die der Bitcoin PMI Zyklus als Treiber voraussetzt. Wer den PMI als einziges Signal betrachtet, ignoriert, dass Expansion und Inflationsdruck gleichzeitig auftreten können und sich gegenseitig neutralisieren.
Korrelation ist kein Beweis für Kausalität, und ein Indikator, der drei Zyklen grob passt, liefert keine statistische Gewissheit für den vierten. Wir berichteten über die Debatte um das Ende des klassischen Vier-Jahres-Zyklus.





