Die Bitcoin Umweltbilanz wird in einem viralen Chart auf 31:1 positiv beziffert. Verfasst hat ihn der australische Fund-Manager Daniel Batten am 27. April 2026 auf X. Sein Bild zeigt 263 positive gegen 8,4 negative Externalitäten mit der Botschaft, Bitcoin sei das wichtigste Klima-Asset unserer Zeit.

Daniel Batten verteidigt Bitcoin gegen das Klima-Narrativ

Batten ist Co-Gründer des CH4 Capital, eines auf Bitcoin-Mining und Methan-Mitigation spezialisierten Investmentfunds. Seine Behauptung: Wer als ESG-Investor Bitcoin nicht ins Portfolio aufnehme, handle grob fahrlässig. Den Beleg liefert er mit einer eigenen Due-Diligence-Studie aus dem Umfeld seines Funds.

Sein Vorgehen klingt sachlich: Interviews mit Netzbetreibern, Klimawissenschaftlern, Mining-Ingenieuren und Solar- und Wind-Installateuren. Daraus leitet er ein Verhältnis ab, das Bitcoin-Mining als Netto-Vorteil für die Umwelt darstellen soll.

Die Argumentationskette setzt auf Methan-Verbrennung von Flare-Gas, Stromnetzstabilisierung und die Monetarisierung sonst ungenutzter erneuerbarer Energie. Der virale Erfolg ist groß, der Tweet erreichte am Veröffentlichungsabend bereits 5.100 Impressionen.

21 positive, 5 negative Faktoren im Bitcoin-Mining

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Battens Methodik beruht auf einer einfachen Auflistung. Er identifiziert 21 mögliche Pluspunkte und 5 mögliche Minuspunkte des Bitcoin-Minings für die Umwelt. Auf der Plus-Seite stehen unter anderem die Verwertung sonst abgefackelten Methans aus Ölfeldern, das Demand-Response-Verhalten als flexibler Stromabnehmer und die Beschleunigung erneuerbarer Energieprojekte.

Negativpunkte sind Netzwerk-Emissionen, Elektroschrott und die Reaktivierung fossiler Energiequellen.

Diese Verhältnis-Argumentation ist nicht neu. Bereits Anfang 2023 publizierte Batten eine fast identische 31:1-Auswertung. Was damals als Tweet-Thread zirkulierte, kommt nun in aktualisierter Optik zurück.

Studie nicht peer-reviewt, Methodik öffentlich unverifiziert

Hier liegt das eigentliche Problem. Battens 31:1-Verhältnis ist kein wissenschaftliches Forschungsergebnis, sondern Output einer subjektiven Gewichtung im Auftrag seines eigenen Fonds. Die Faktoren wurden mit einer von ihm selbst definierten Impact-Gewichtung multipliziert. Diese Methodik wurde nie öffentlich offengelegt, nie unabhängig validiert, nie peer-reviewt.

Die Behauptung, 24 wissenschaftliche Papers hätten genau dieses Ergebnis bestätigt, lässt sich in dieser Form nicht belegen. Es existieren peer-reviewte Studien zu Teilaspekten, etwa zu Methan-Mitigation oder Grid-Stabilization, aber keine, die das aggregierte 31:1-Verhältnis stützt.

Was tatsächlich wissenschaftlich belegt ist, liefert der Cambridge Centre for Alternative Finance Digital Mining Industry Report 2025. Die Cambridge-Forscher kommen auf 52,4 % nachhaltige Energiequellen im Bitcoin-Mining, 138 TWh Jahresstromverbrauch und 39,8 Mt CO2 Netz-Emissionen. Das ist ein deutlicher Trend zu sauberer Energie, aber kein Beweis für eine 31:1 positive Netto-Bilanz.

Strukturell kollidiert Battens Geschäftsmodell direkt mit seiner eigenen Regel. Er postuliert, dass Quellen mit Vested Interest ignoriert werden sollten. Genau das ist sein eigener Status. Wer ein Mining-Investmentprodukt verkauft, hat ein direktes finanzielles Interesse an genau jener These, die er in den Tweet packt.

Die Bitcoin Umweltbilanz wird damit zum Marketing-Instrument der Branche, nicht zum unabhängigen Forschungsergebnis. Dabei zeigt die reale Datenlage einen grundsätzlich positiven Trend, nur eben ohne die Marketing-Zahl 31:1.

Wir berichteten über Battens Auswertung zum 56-Prozent-Anteil sauberer Energie im Bitcoin-Mining.

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