Bevor Satoshi Nakamoto 2008 das Bitcoin-Whitepaper veröffentlichte, legten Jahrzehnte kryptografischer Forschung und mehrere gescheiterte digitale Geldkonzepte den Grundstein.
Die kryptografischen Wurzeln von Bitcoin
Bitcoins Vorgeschichte beginnt nicht 2008, sondern reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Ohne bestimmte kryptografische Wurzeln aus den 1970er und 1980er Jahren hätte das Whitepaper keine Grundlage gehabt. Wer diese Zusammenhänge verstehen will, setzt deshalb zuerst bei der Kryptografie an.
Ein zentraler Baustein war die asymmetrische Kryptografie, die 1976 von Whitfield Diffie und Martin Hellman öffentlich beschrieben wurde. Sie zeigten, dass zwei Parteien ein gemeinsames Geheimnis austauschen können, ohne sich vorher zu kennen. Daraus entstanden Schlüsselpaare aus öffentlichem und privatem Schlüssel, wie sie später jede Bitcoin-Adresse nutzt.
Daneben spielten kryptografische Hashfunktionen eine zentrale Rolle. Sie wandeln beliebige Daten in eine feste, eindeutige Zeichenkette um, aus der sich die Ausgangsdaten nicht zurückrechnen lassen. Ralph Merkle trug mit Arbeiten zu Hashbäumen und digitalen Signaturen dazu bei, dass solche Funktionen praktisch nutzbar wurden.
Bitcoins Vorgeschichte im Überblick
In den 1980er und 1990er Jahren bildete sich rund um diese Werkzeuge die Cypherpunk-Bewegung. Ab 1992 tauschten sich ihre Mitglieder über eine Mailingliste aus und verfolgten das Ziel, mit Kryptografie Privatsphäre gegenüber Staaten und Banken zu stärken. Viele spätere Bitcoin-Ideen wurden dort zuerst diskutiert.
David Chaum entwickelte bereits 1983 ein Konzept für digitales Bargeld namens eCash, das auf blinden Signaturen beruhte. Zahlungen sollten anonym bleiben, ohne dass eine Bank den Käufer erkennen konnte. Das System blieb jedoch auf eine zentrale ausgebende Stelle angewiesen, die Doppelausgaben verhinderte.
Stuart Haber und W. Scott Stornetta veröffentlichten 1991 ein Verfahren, um Dokumente durch verkettete Hashwerte fälschungssicher mit einem Zeitstempel zu versehen. Jeder neue Eintrag verwies auf den vorherigen, sodass eine nachträgliche Änderung sofort auffiel.
Adam Back stellte 1997 mit Hashcash ein Verfahren gegen E-Mail-Spam vor. Der Absender musste vor dem Versand eine Rechenaufgabe lösen, deren Ergebnis leicht zu prüfen, aber aufwendig zu erzeugen war. Dieses Konzept des Arbeitsnachweises wurde später zur Grundlage des Bitcoin-Minings.
Vom Konzept zum funktionierenden System
Nick Szabo skizzierte 1998 mit Bit Gold ein digitales Geldsystem, das Rechenaufgaben mit einer dezentralen Kette von Eigentumsnachweisen verband. Wenig später beschrieb Wei Dai mit b-money ein verwandtes Konzept. Beide Entwürfe blieben theoretisch und wurden nie vollständig umgesetzt.
2004 baute Hal Finney mit RPOW, einem wiederverwendbaren Arbeitsnachweis, direkt auf Hashcash auf. Nutzer konnten digitale Werteinheiten untereinander weiterreichen. Auch dieses System benötigte weiterhin einen zentralen Server, der jede Übertragung bestätigte.
Genau hier blieb Bitcoins Vorgeschichte über Jahre stecken: Niemand fand eine Lösung dafür, wie ein Netzwerk aus fremden Teilnehmern ohne zentrale Instanz feststellen kann, welche Zahlung zuerst erfolgte. Das Problem der Doppelausgabe verlangte nach einem dezentralen Konsens.
Über das Konzept von Wei Dai, das eine der letzten Zutaten für dieses Konsensproblem lieferte, berichteten wir bereits gesondert im vorherigen Teil dieser Serie zu Bitcoins Vorgeschichte.





