Die deutschen Anleihen-Renditen haben am 18. Mai 2026 ein Niveau von 3,19 Prozent erreicht. Damit notiert die zehnjährige Bundesanleihe auf dem höchsten Stand seit Mai 2011. Mainstream-Kommentare verweisen auf den Iran-Konflikt und steigende Energiepreise, doch der Bewegung liegt eine tiefere Ursache zugrunde.
EZB hat acht Mal gesenkt, jetzt preisen Märkte drei Erhöhungen ein
Seit Juni 2024 hat die EZB ihren Leitzins acht Mal gesenkt, zuletzt auf 2,0 Prozent. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Markterwartung vollständig gedreht. Investoren preisen aktuell drei EZB-Zinserhöhungen für 2026 ein, die erste mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent für Juni.
Diese scharfe Umkehr ist kein Versehen, sondern Symptom einer Geldpolitik, die auf Symptome statt auf Strukturen reagiert. Die Stop-and-Go-Mechanik zwischen Lockerung und Straffung wiederholt sich, was den Anleihenmarkt verunsichert. Die deutschen Anleihen-Renditen folgen dieser Logik, indem sie eine Risikoprämie auf zukünftige Inflation einpreisen.
Externe Schocks bringen die Inflation zurück auf die Tagesordnung, schaffen sie aber nicht
Der Brent-Ölpreis nähert sich seinem Vier-Jahres-Hoch, getrieben vom anhaltenden Iran-Konflikt und der unklaren Lage an der Straße von Hormus. Steigende Energiepreise schlagen direkt in die Verbraucherpreise durch und ziehen die Inflationserwartungen wieder nach oben. Mainstream-Medien fokussieren auf diesen Auslöser, weil er klar messbar und politisch unstrittig ist.
Ein Auslöser ist jedoch kein Erzeuger. Energiepreise verstärken bestehende Inflation, sie schaffen sie nicht aus dem Nichts. Wenn die Geldmenge in den vergangenen Jahren konstant geblieben wäre, würde ein Ölpreisanstieg lediglich zu relativen Preisverschiebungen führen, nicht zu allgemeiner Preissteigerung.
Die EZB-Fehlallokation der letzten Jahre wird durch den Iran-Konflikt nicht erzeugt, sondern lediglich sichtbar. Den aktuellen Renditestand der zehnjährigen Bundesanleihe dokumentiert die Bundesbank in ihrer Übersicht der Staatsanleihen des Euroraums.
Deutsche Anleihen Renditen reagieren auf jahrelange Geldmengenausweitung und Stop-and-Go der EZB
Die EZB-Bilanz wuchs von rund 1,3 Bio. Euro im Jahr 2007 auf zeitweise 8,8 Bio. Euro und liegt aktuell bei rund 6 Bio. Euro. Die M3-Geldmenge der Eurozone hat sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Diese Geldmengenausweitung wirkt mit zeitlicher Verzögerung in die Realwirtschaft. Ein Teil der Inflation zeigte sich zunächst in Immobilien- und Aktienpreisen, ein Teil später in Verbraucherpreisen.
Die Schulden-zu-BIP-Quote der Eurozone steigt laut EU-Kommission bis 2027 auf 90,4 Prozent. Damit sind die Voraussetzungen für strukturell höhere Renditen angelegt, unabhängig vom Iran-Konflikt. Die deutschen Anleihen-Renditen spiegeln diese Lage durch eine höhere Risikoprämie wider. Wer 2020 eine zehnjährige Bundesanleihe bei null Prozent gekauft hat, hat real über 30 Prozent Kaufkraft verloren.
Die Annahme, Staatsanleihen seien risikofrei, basiert auf der Vorstellung, dass Emittenten in eigener Währung nicht ausfallen können. Sie können jedoch durch Geldentwertung defaulten. In einem Geldsystem, das auf permanenter Geldmengenausweitung beruht, ist Preisstabilität strukturell nicht erreichbar.
Bitcoin steht dem als programmatische Alternative gegenüber. Sein Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten begrenzt und kann von keiner Institution erweitert werden. Wer Knappheit als Geld-Eigenschaft voraussetzt, hat eine kalkulierbare Alternative.
Wir berichteten über die strukturellen Schwächen der EZB-Inflationsmessung.





