Der klassische Goldstandard einfach erklärt zeigt, wie festes, an Gold gebundenes Geld zwischen 1870 und 1914 feste Wechselkurse und einen Boom im Welthandel ermöglichte. Der Beitrag ordnet die Stärken und Schwächen dieser Geldordnung ein und vergleicht sie mit Bitcoin als digitalem Goldstandard.

Was der klassische Goldstandard war

Der klassische Goldstandard einfach erklärt bedeutet: Jede Währung war als feste Menge Gold definiert. Eine Geldeinheit entsprach einem bestimmten Goldgewicht, und Banknoten waren in dieses Gold einlösbar. Der Wert des Geldes war damit nicht politisch gesetzt, sondern an eine knappe, physische Größe gebunden.

Weil alle teilnehmenden Währungen in Gold definiert waren, ergaben sich die Wechselkurse zwischen ihnen fast automatisch aus dem Verhältnis ihrer Goldgewichte. Diese Kurse lagen praktisch fest, was Handel und Kapitalverkehr über Grenzen hinweg berechenbar machte.

Die Jahre 1870 bis 1914

Als internationale Ordnung bestand der klassische Goldstandard vor allem zwischen 1870 und 1914. Großbritannien band sein Geld schon 1821 an Gold, doch die meisten Länder folgten erst in den 1870er Jahren, etwa Deutschland 1871 und die USA 1879. Davor waren Silber und der Bimetallismus weit verbreitet, die Aussage „ab 1815 nutzten alle Länder Gold“ trifft so nicht zu.

In dieser Zeit wuchs der internationale Handel stark, weshalb sie als erste Globalisierung gilt. Der Goldstandard war dabei ein begünstigender Faktor, aber nicht der einzige: Sinkende Transportkosten, der Telegraf und Freihandelsverträge trugen den größeren Teil bei. Den Vergleich von Gold und Bitcoin als knappe Wertspeicher vertieft River Learn unter https://river.com/learn/bitcoin-vs-gold/.

Hartes Geld, seine Starrheit und Bitcoin als digitaler Goldstandard

Aus Sicht der Österreichischen Schule war der Goldstandard ein Beispiel für hartes Geld. Weil sich Gold nicht beliebig vermehren lässt, begrenzte die Bindung die Geldschöpfung und die Finanzierung von Staatsdefiziten. Saifedean Ammous beschreibt diese Disziplin als Kern eines funktionierenden Geldsystems.

Die Kehrseite ist die Starrheit. Die feste Goldbindung ließ wenig Spielraum bei Rezessionen, Kriegen oder Finanzpaniken, und es gab lange Phasen fallender Preise, etwa zwischen 1873 und 1896. Viele Wirtschaftshistoriker sehen in der Goldbindung später eine Mitursache für die Verschärfung der Großen Depression. Das Bild vom reinen goldenen Zeitalter ist daher zu relativieren.

Bitcoin lässt sich als digitaler Goldstandard lesen, weil es dieselbe Grundidee aufnimmt: ein knappes, apolitisches Geld, das keine Instanz beliebig vermehren kann. Der entscheidende Unterschied liegt im Angebot. Golds Menge wächst durch Bergbau langsam weiter, während Bitcoins Obergrenze von 21 Mio. programmatisch feststeht.

Damit ist Bitcoin in der Knappheit härter als Gold, erbt aber auch dessen offene Frage: Ein starres Angebot bringt Disziplin, nimmt einem Geldsystem aber die Möglichkeit, in Krisen flexibel zu reagieren. Ob diese Härte langfristig die bessere Geldordnung ergibt, ist eine theoretische Position der Österreichischen Schule und keine empirisch bewiesene Tatsache. Die Geldgeschichte liefert dafür Argumente in beide Richtungen.

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