Der Murray Rothbard Anarcho-Kapitalismus zählt zu den radikalsten Strömungen der Österreichischen Schule. Er begründet, warum staatliche Macht und Geldordnung untrennbar verbunden sind. Eine Einordnung seiner Geld- und Staatskritik.

Warum Rothbard den Staat ablehnt

Der Murray Rothbard Anarcho-Kapitalismus geht weiter als das Denken seines Lehrers Ludwig von Mises. Rothbard war ein US-amerikanischer Ökonom, der das Werk von Mises systematisch fortführte. In einem Punkt aber brach er mit ihm.

Mises akzeptierte einen Minimalstaat für Recht, Polizei und Verteidigung. Rothbard lehnte den Staat als solchen ab. Sicherheit, Recht und Verteidigung könnten, so seine These, auch privat und marktwirtschaftlich erbracht werden. Diese Position nannte er Anarcho-Kapitalismus.

Seine Begründung ist naturrechtlich. Ausgangspunkt ist das Selbsteigentum: Jeder Mensch verfügt über sich selbst und das, was er rechtmäßig erwirbt. Daraus leitete Rothbard ab, dass staatlicher Zwang ein Eingriff in Eigentum sei. Es ist eine philosophische Position, kein neutraler Befund.

Die Kritik an der Zentralbank

Im Zentrum von Rothbards Geldkritik steht die Zentralbank. In seinem Werk „What Has Government Done to Our Money?“ von 1963 beschreibt er, wie der Staat sich das Geldmonopol aneignete. Schritt für Schritt sei das Warengeld wie Gold und Silber durch staatliches Fiat-Geld ersetzt worden. Erst damit habe der Staat die Hoheit über die Geldmenge erlangt.

Sein Argument: Banken können über ein Teilreserve-System Geld schaffen, das über ihre Einlagen hinausgeht. Die Zentralbank, gestützt auf staatliche Macht, lasse diese Praxis zu. Rothbard deutete das als systematische Umverteilung zugunsten weniger. Diese Lesart ist eine Position der Österreichischen Schule, der Mainstream-Ökonomen widersprechen. Die Funktionsweise wird im Beitrag zum Fiat-Geld ausführlicher erklärt.

Anarcho-Kapitalismus und das Prinzip des Selbsteigentums

Der Murray Rothbard Anarcho-Kapitalismus verbindet zwei Ebenen. Das Selbsteigentum begründet, warum staatlicher Zwang als unrechtmäßig gilt. Die Geldkritik zeigt, wie der Staat über die Zentralbank in die Wirtschaft eingreift.

Aus Sicht der Österreichischen Schule sind beide Ebenen Ausdruck von Anreizsystemen. Geld entsteht nicht neutral, sondern erreicht zuerst jene Akteure, die nah an der Quelle der Geldschöpfung sitzen. Wer Geld früh erhält, profitiert auf Kosten derer, die es später bekommen, wenn die Preise bereits gestiegen sind. Dieser Cantillon-Effekt erklärt, warum die Geldordnung nie wertneutral ist. Rothbard machte daraus ein grundsätzliches Argument gegen staatliche Geldmonopole.

Für Bitcoin ist diese Einordnung aufschlussreich. Bitcoin entzieht das Geld der staatlichen Kontrolle, denn niemand kann die Geldmenge willkürlich ausweiten. Das Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten begrenzt und folgt einem festen, vorab bekannten Ausgabeplan. Gesichert wird diese Knappheit durch Proof-of-Work, also durch realen Energieaufwand statt durch ein staatliches Versprechen. Damit entfällt der Cantillon-Effekt in der Form, die Rothbard für das Fiat-Geld beschrieb.

Bitcoin verwirklicht jedoch nicht den Anarcho-Kapitalismus als politisches Programm. Es ersetzt keine Rechtsordnung und schafft keinen staatenlosen Raum, sondern verändert allein die Geldordnung. Rothbards staatskritische Schlüsse bleiben eine umstrittene These, die viele Ökonomen nicht teilen. Festzuhalten bleibt: Der Murray Rothbard Anarcho-Kapitalismus liefert das Rahmenwerk, um zu verstehen, warum Macht und Geld zusammenhängen, und macht nachvollziehbar, warum ein knappes, nicht kontrollierbares Geld als Gegenentwurf gedacht wird.

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