Eine Stanford Studie dokumentiert Bitcoin Kursmanipulation an den Fünf-Minuten-Wettmärkten von Polymarket. 821 Wallets sollen dabei 8,2 Mio. US-Dollar von Kleinanlegern erzielt haben.

Stanford Studie belegt Bitcoin Kursmanipulation an fünf Wettmärkten

Eine Bitcoin Kursmanipulation rund um kurzlaufende Wettmärkte steht im Zentrum einer neuen Untersuchung von Forschern der Stanford University und der Singapore Management University. Das Arbeitspapier analysiert rund 16.000 Fünf-Minuten-Kontrakte auf der Plattform Polymarket über einen Zeitraum von zwei Monaten.

Bei diesen Kontrakten wetten Nutzer, ob der Bitcoin-Kurs nach fünf Minuten über oder unter einer festgelegten Marke liegt. Polymarket führte die kurzlaufenden Kontrakte im Juli 2024 ein. Die Autoren identifizieren 821 Wallets, die zusammen etwa 8,2 Mio. US-Dollar erzielt haben sollen, überwiegend zulasten von Kleinanlegern. Die Abrechnung erfolgt über einen Chainlink-Orakel-Kurs, der den Bitcoin-Preis zu einem exakten Zeitpunkt erfasst.

Wie Fünf-Minuten-Märkte Anreize zur Bitcoin Kursmanipulation schaffen

Der Mechanismus setzt an genau diesem Abrechnungszeitpunkt an. Wer eine große Position hält, kann kurz vor Ablauf gezielt am Spotmarkt handeln und den Referenzkurs in die gewünschte Richtung schieben. Die Studie zeigt kurz vor der Abrechnung sprunghaft steigende Handelsvolumen, gefolgt von einer schnellen Kursumkehr nach dem Fünf-Minuten-Fenster.

Laut dem Arbeitspapier stimmte der Abrechnungskurs in rund 85 Prozent der Fälle mit dem Preis der Börse Binance überein. Die Anreizstruktur ist damit klar verteilt: Kapitalstarke Akteure profitieren von der Bitcoin Kursmanipulation, während die Liquidität der übrigen Wettteilnehmer den Gewinn finanziert. Zugleich leidet die Preisbildung am zugrunde liegenden Spotmarkt.

Einordnung der Bitcoin Kursmanipulation zwischen Studie und Marktrealität

Bei der Untersuchung handelt es sich um ein Arbeitspapier, das noch kein abgeschlossenes Begutachtungsverfahren durchlaufen hat. Beobachtete Muster im Handelsverlauf belegen eine statistische Auffälligkeit, keine gerichtsfeste Absicht einzelner Adressen. Die Teilnahme an den Wettmärkten bleibt freiwillig, nicht jeder Kontrakt ist betroffen.

Als Gegenmaßnahme nennen die Autoren längere Laufzeiten: Bei Fünfzehn-Minuten-Kontrakten verschwand der Effekt weitgehend. Alternativ schlagen sie einen über einen längeren Zeitraum gemittelten Abrechnungskurs vor. Polymarket kündigte an, einzelne Märkte auf solche gemittelten Verfahren umzustellen.

Der Fall zeigt, dass eine Bitcoin Kursmanipulation nicht am Protokoll ansetzt, sondern an einer zentralen Sollbruchstelle darüber: der Abrechnung über einen einzelnen Zeitstempel. Wo eine kleine Zahl kapitalstarker Adressen einen Referenzpunkt bestimmen kann, verschiebt sich Kontrolle weg von der breiten Masse der Marktteilnehmer.

Für Anleger zählt die Unterscheidung zwischen dem Bitcoin-Netzwerk mit seinem festen Angebot und den darauf aufgesetzten Wettprodukten. Wer den Referenzpunkt eines Marktes bewegen kann, verschafft sich einen Vorteil, den ein festes Regelwerk nicht zulässt.

Wir berichteten über die Prognosemärkte von Polymarket.

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