Die Telegram-Marktplatz-Sperre des US Secret Service erfasst 52,8 Mio. US-Dollar in Stablecoins aus 52 Wallets des Handelsplatzes Xinbi. Das US-Finanzministerium stufte Xinbi am selben Tag als kriminelle Organisation ein.

Xinbi-Telegram: Wie der Scam-Marktplatz lief

Die Telegram-Marktplatz-Sperre des US Secret Service, der in den USA auch Finanzdelikte verfolgt, traf am Dienstag, 8. September 2026, 52,8 Mio. US-Dollar in Tether, einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin. Betroffen sind 52 Wallets des chinesischsprachigen Handelsplatzes Xinbi Guarantee. Die Ermittler stützten sich auf Daten der Blockchain-Analysefirma Elliptic, die Xinbis Wallet-Infrastruktur seit mehreren Jahren beobachtet. Am selben Tag stufte das US-Finanzministerium Xinbi als transnationale kriminelle Organisation ein.

Xinbi arbeitete als Treuhand-Marktplatz: Ein Garantiedienst hielt Zahlungen zwischen Anbieter und Käufer bis zur Lieferung. Über die Plattform wurden nach Angaben von Elliptic Erlöse aus Anlagebetrug, Geldwäschedienste, gestohlene Daten und Ausrüstung für Betrugszentren in Südostasien gehandelt. Seit 2022 setzten Xinbi und seine Händler mindestens 24 Mrd. US-Dollar um.

Damit ist Xinbi der zweitgrößte bekannte illegale Online-Marktplatz. Nur Huione Guarantee lag mit 31 Mrd. US-Dollar davor, bevor Telegram den Kanal im Mai 2025 sperrte.

Telegram-Kanal als zentraler Marktplatz-Knotenpunkt

Der Marktplatz lief nicht über eine eigene Webseite, sondern über Telegram-Gruppen und -Kanäle. Dort liefen Angebot, Bewertungssystem und Streitschlichtung zusammen. Diese Bündelung macht den Betreiber angreifbar: Fällt der Kanal weg oder werden die Wallets identifiziert, bricht das Geschäft zusammen.

Genau hier setzte die Telegram-Marktplatz-Sperre an. Weil die Gelder in nur 52 Adressen lagen, konnte der Emittent von Tether die Bestände nach dem Hinweis der Ermittler einfrieren. Die zugrunde liegende Datenbank der Stablecoin wird zentral geführt, Guthaben lassen sich auf Anweisung sperren. Die Sanktionsbekanntmachung veröffentlichte das US-Finanzministerium auf seiner Liste der jüngsten Maßnahmen.

Die zuständige US-Justizeinheit Scam Center Strike Force beziffert die seit November 2025 sichergestellten Werte nun auf 938 Mio. US-Dollar. Xinbi nannte das Einfrieren unrechtmäßig.

Zentralisierte Verwahrung in dezentralem Gewand

Der Fall zeigt, wie weit die behördliche Kontrolle über Krypto-Bestände reicht, sobald diese bei einem Emittenten liegen. Ein Stablecoin wie Tether wird über öffentliche Netzwerke übertragen, seine Deckung und seine Sperrfunktion liegen aber bei einem Unternehmen. Wer solche Einheiten hält, trägt ein Gegenparteirisiko wie bei einem Bankguthaben.

Die Telegram-Marktplatz-Sperre erreichte kriminelle Erlöse, weil dieselbe zentrale Technik jedes Guthaben auf Anweisung einfrieren kann. Bitcoin kennt keine solche zentrale Sperrstelle, dafür fehlt die feste Bindung an einen US-Dollar-Wert, und die Menge bleibt auf 21 Mio. Einheiten begrenzt.

Ob die Sperre dauerhaft Bestand hat, hängt von den laufenden Verfahren ab; die bislang 938 Mio. US-Dollar sind Sicherstellungen, keine rechtskräftigen Einziehungen.

Wir berichteten über die Sperrung von Huione Guarantee im Mai 2025.

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