Inflation bei Fiat-Währungen ist kein Ausnahmezustand, sondern ein strukturelles Merkmal. Fiat-Währungen wie der Euro oder der US-Dollar haben keine natürliche Obergrenze. Zentralbanken können die Geldmenge jederzeit erhöhen, was umgangssprachlich als Gelddrucken bezeichnet wird. Für Sparer hat das direkte Konsequenzen, denn jede zusätzliche Geldeinheit verwässert den Wert der bestehenden.
Der Mechanismus hinter dem Kaufkraftverlust
Inflation bei Fiat-Währungen entsteht, wenn die Geldmenge schneller wächst als die verfügbare Menge an Gütern und Dienstleistungen. Wenn mehr Geld im Umlauf ist, aber nicht proportional mehr produziert wird, steigen die Preise. Jede einzelne Geldeinheit verliert an Kaufkraft.
Der US-Dollar hat seit Gründung der Federal Reserve im Jahr 1913 über 96 % seiner Kaufkraft eingebüßt. Für einen Dollar konnte man 1913 rund 30 Tafeln Schokolade kaufen, heute reicht derselbe Betrag kaum für eine.
Dieser Prozess verläuft schleichend und wird oft erst sichtbar, wenn Ersparnisse über Jahrzehnte an realem Wert verlieren. Sparer, die ihr Geld in Fiat-Währungen halten, tragen die Kosten der Geldmengenausweitung, ohne davon zu profitieren. Das Mises Institute analysiert die österreichische Perspektive auf Inflation und Geldmenge ausführlich.
Geldmengenausweitung seit Ende des Goldstandards
Bis 1971 war der US-Dollar über das Bretton-Woods-System an Gold gebunden. Jeder Dollar entsprach einem festen Gegenwert in Gold, was die Geldmenge physisch begrenzte. Als Präsident Nixon diese Bindung aufhob, entfiel die letzte natürliche Begrenzung. Seitdem können Zentralbanken die Geldmenge ohne materiellen Anker ausweiten.
Die US-Geldmenge M2 stieg von rund 600 Mrd. US-Dollar im Jahr 1971 auf über 21 Bio. US-Dollar. Allein im Jahr 2020 wurden rund 20 % aller jemals existierenden US-Dollar geschaffen.
Diese Ausweitung diente der Finanzierung staatlicher Ausgaben, der Rettung von Banken und der Stimulierung der Wirtschaft. Die Kosten tragen nicht diejenigen, die das neue Geld zuerst erhalten, sondern diejenigen, die es zuletzt erreicht.
Diesen Effekt beschreibt die Ökonomie als Cantillon-Effekt.
Warum mehr Geld weniger Wert bedeutet
Das Grundprinzip ist einfach: Wenn die Menge eines Gutes steigt, sinkt sein Wert pro Einheit. Das gilt für Rohstoffe, für Aktien und auch für Geld. Inflation bei Fiat-Währungen ist deshalb kein Nebeneffekt, sondern eine direkte Folge der Geldmengenausweitung.
Wer spart, verliert real an Kaufkraft, solange die Zinsen unter der Inflationsrate liegen. Dieses Phänomen wird als finanzielle Repression bezeichnet.
Die Österreichische Schule betrachtet Inflation nicht als Preisanstieg, sondern als Ausweitung der Geldmenge selbst. Ludwig von Mises definierte Inflation als Erhöhung der Geldmenge, die zu einem Rückgang der Kaufkraft führt.
Aus dieser Perspektive ist Inflation bei Fiat-Währungen kein technischer Fehler, sondern ein systemisches Merkmal: Wer das Geldmonopol kontrolliert, hat den Anreiz, die Geldmenge zu seinen Gunsten auszuweiten. Murray Rothbard formulierte diesen Gedanken als strukturelle Umverteilung von der Bevölkerung zum Staat und seinen bevorzugten Empfängern.
Bitcoin setzt dieser Logik ein programmatisches Gegenmodell entgegen. Die Obergrenze von 21 Mio. BTC ist im Protokoll verankert und kann von keiner Institution verändert werden. Ob Bitcoin damit das Problem der Fiat-Inflation löst, ist eine offene Frage, denn Bitcoin wird derzeit überwiegend als Wertaufbewahrungsmittel genutzt und hat die Stufe eines allgemein akzeptierten Tauschmittels nicht erreicht.
Was jedoch feststeht: Das Anreizsystem von Bitcoin schließt eine willkürliche Geldmengenausweitung strukturell aus. Das unterscheidet es fundamental von jeder Fiat-Währung.
Im vorherigen Artikel haben wir erklärt, welche Eigenschaften ein Gut erfüllen muss, um als Geld zu funktionieren.





