Die EU-Stablecoin-Regulierung lässt laut mehreren Emittenten eine Lücke offen: Dollar-gebundene Token sind bisher kaum vorgesehen, obwohl Unternehmen für den globalen Zahlungsverkehr Dollar-Liquidität brauchen.
EU Stablecoin Regulierung unter Druck: Emittenten fordern Dollar-Tokens
Europäische Stablecoin-Emittenten machen aktuell öffentlich Druck: Die bestehende EU-Stablecoin-Regulierung reiche nicht aus, weil sie den Bedarf an Dollar-gebundenen Token kaum berücksichtige. Nach Marktdaten liegt der Anteil MiCA-konformer Euro-Stablecoins bei rund 0,22 Prozent der weltweiten Stablecoin-Marktkapitalisierung, während Dollar-Stablecoins zusammen auf rund 300 Mrd. US-Dollar kommen. Mehrere Emittenten argumentieren laut Cointelegraph, Europa könne die Nachfrage nach Dollar-Liquidität für internationale Zahlungen nicht länger ignorieren.
Hintergrund ist die Markets in Crypto-Assets-Verordnung (MiCA), die seit 2024 schrittweise in Kraft tritt und Stablecoin-Emittenten in der EU erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen gibt. Emittenten, die bereits Euro-Token unter der EU-Stablecoin-Regulierung zugelassen haben, wollen dieses Modell nun auf Dollar-Token ausweiten, stoßen dabei aber auf regulatorische und praktische Hürden.
Zahlungsverkehr ohne Dollar-Stablecoins: Wettbewerbsnachteil für Europa
Für die Emittenten geht es um einen konkreten Wettbewerbsnachteil. Europäische Unternehmen, die international Rechnungen stellen oder Lieferketten finanzieren, griffen zunehmend auf Dollar-Stablecoins zurück, wenn Handelspartner außerhalb der Eurozone auf Dollar-Abwicklung bestehen. Ohne ein in der EU zugelassenes Dollar-Produkt müssten diese Firmen auf Anbieter aus den USA oder aus Drittstaaten ausweichen.
Das betrifft vor allem Handelsfinanzierung und grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung, wo der Dollar seit Jahrzehnten Referenzwährung ist. Die MiCA-Verordnung schließt Dollar-Token nicht grundsätzlich aus, verlangt von EU-Emittenten aber Reserven überwiegend in der jeweiligen Bezugswährung, was bei Dollar-Produkten zusätzliche Dollar-Liquidität außerhalb des Euroraums voraussetzt.
USD-Stablecoins als Geschäftsfaktor: Emittenten sehen praktischen Bedarf
Die Emittenten betonen, es gehe ihnen nicht um eine Abkehr vom Euro, sondern um ein zusätzliches Angebot neben bestehenden Euro-Token. Ein eigenes, in der EU reguliertes Dollar-Produkt würde Unternehmen erlauben, Dollar-Liquidität zu halten, ohne auf Anbieter außerhalb der europäischen Aufsicht angewiesen zu sein.
Die Debatte um die EU-Stablecoin-Regulierung zeigt vor allem, wie wenig Spielraum eine Währungsunion hat, die nicht selbst die globale Reservewährung stellt: Selbst EU-Emittenten wollen Dollar-Liquidität anbieten, statt sich allein auf den Euro zu verlassen. Für Sparer bleibt dabei die Grundfrage bestehen, wessen Geldpolitik über den Wert eines gehaltenen Token-Bestands entscheidet, Euro oder Dollar.
Ob die EU-Stablecoin-Regulierung angepasst wird, ist offen. Die Emittenten fordern Klarstellung, keine neue Verordnung, und die Aufsichtsbehörden haben sich öffentlich bislang nicht festgelegt.
Wir berichteten über das Wachstum MiCA-konformer Euro-Stablecoins.





