Adam Back nennt BIP-110 technisch fehlerhaft und ohne Konsens. Der Bitcoin BIP-110 Streit zeigt, wie das Netzwerk mit umstrittenen Änderungsvorschlägen umgeht.
Warum Adam Back BIP-110 als „tot bei Ankunft“ bezeichnet
Der Bitcoin BIP-110 Streit beschäftigt die Entwicklergemeinschaft seit Monaten. Blockstream-Chef Adam Back bezeichnet den Vorschlag als technisch fehlerhaft und ohne ausreichenden Rückhalt im Netzwerk. Am 3. Juli bekräftigte er erneut, dass Bitcoins Kerneigenschaften nicht offen für Änderungen ohne breiten Konsens seien.
BIP-110 will laut der offiziellen BIP-Spezifikation für ein Jahr die Größe bestimmter Datenfelder in Transaktionen einschränken, etwa den OP_RETURN-Grenzwert auf 83 Bytes zurücksetzen. Ziel ist es, die Speicherung beliebiger Daten wie Bildern auf der Bitcoin-Blockchain einzudämmen.
Zur Einordnung: BIP-110 ist bislang ein Entwurf, kein aktiviertes Protokoll-Update. Die Aktivierungsschwelle liegt bei 55 Prozent der Mining-Signalisierung, deutlich unter dem historisch üblichen Wert von 95 Prozent für dauerhafte Konsensänderungen.
Warum nur ein Bruchteil der Nodes den Vorschlag unterstützt
Die tatsächliche Unterstützung im Netzwerk bleibt gering. Zuletzt signalisierten rund 2,4 Prozent der Bitcoin-Nodes Zustimmung zu BIP-110, ein kleiner Bruchteil der insgesamt aktiven Knoten. Diese Diskrepanz zwischen niedriger Schwelle und geringer tatsächlicher Unterstützung ist ein zentraler Kritikpunkt.
Der Vergleich mit SegWit: Warum Back einen entscheidenden Unterschied sieht
Back stellt BIP-110 wiederholt SegWit gegenüber, dem bislang letzten großen Konsens-Update aus dem Jahr 2017. SegWit hatte laut Back sowohl technischen als auch ökosystemweiten Rückhalt, während BIP-110 an beidem fehle. Ein User-Activated Soft Fork ohne Minerkonsens würde aus seiner Sicht keine echte Netzwerk-Aktualisierung schaffen, sondern lediglich eine wirtschaftlich isolierte Minderheiten-Chain erzeugen.
Diese Auseinandersetzung reiht sich in eine lange Geschichte gescheiterter Versuche ein, Bitcoin gegen den Willen der breiten Marktteilnehmer zu verändern. Schon die Block Size Wars zwischen 2015 und 2017 zeigten, dass sich das Netzwerk nicht durch einzelne Unternehmen, Entwicklergruppen oder Kapitalgeber umschreiben lässt, selbst wenn diese über erhebliche Ressourcen verfügen.
Genau darin liegt der strukturelle Kern von Backs Aussage: Bitcoins Regeln sind bewusst nicht zur Disposition einzelner Interessengruppen gestellt. Diese Unveränderlichkeit ist kein Zufall, sondern ergibt sich aus einem Anreizsystem, in dem jeder Vollknoten die Regeln unabhängig durchsetzt und keine zentrale Instanz existiert, die eine Änderung erzwingen könnte. Wer versucht, eine Regel ohne breite Zustimmung durchzusetzen, verlässt damit faktisch das Hauptnetzwerk, unabhängig von der eigenen Marktmacht.
Wir berichteten bereits über die Block Size Wars und die ökonomische Lehre daraus.





