Über 140 Konzerne wie Visa, Mastercard und Coinbase haben mit Open USD einen Stablecoin angekündigt, der Circles Geschäftsmodell direkt angreift. Die Circle-Aktie brach daraufhin zweistellig ein.
Warum 140 Konzerne plötzlich an einem Tisch sitzen
Ein Konsortium aus mehr als 140 Unternehmen hat am 30. Juni 2026 den Open USD Stablecoin vorgestellt, kurz OUSD. Getragen wird das Projekt von der neuen Organisation Open Standard, an der sich Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Google, Samsung, Coinbase und Ripple beteiligen.
Das bisherige Stablecoin-Modell folgt einer einfachen Logik: Ein Emittent wie Circle nimmt Dollar entgegen, gibt dafür USDC aus, kauft davon US-Staatsanleihen und behält die Zinserträge. Bei rund 73 Mrd. US-Dollar USDC im Umlauf ist das ein Milliardengeschäft für einen einzigen Emittenten.
Open USD dreht dieses Prinzip um: Fast alle Reserve-Erträge sollen nach kleiner Verwaltungsgebühr an die Partnerfirmen fließen statt an einen zentralen Emittenten. Gründungs-CEO Zach Abrams erklärte, Unternehmen benötigten für den Einsatz im großen Maßstab ein offenes, kostengünstiges System.
Wer bei Open USD wirklich die Kontrolle behält
Open USD wird ohne Gebühren für Ausgabe und Rücknahme angeboten, zusätzlich entfallen Volumenlimits. Ein Vorstand aus Partnervertretern trifft strategische Entscheidungen statt eines einzelnen Unternehmens. Das unterscheidet das Modell fundamental von USDC und USDT, wo ein Emittent allein über Reserven und Rücknahme bestimmt.
Bemerkenswert ist die Rückkehr von Coinbase in ein Konsortialmodell: 2018 Mitgründer des inzwischen aufgelösten Centre Consortium mit Circle, jetzt Partner bei Open USD. Auch Ripple ist dabei, obwohl RLUSD in denselben Zahlungsmärkten konkurriert.
Ein Investmentanalyst von Dragonfly bezeichnete die Partnerliste als echte Bedrohung für Circles Geschäft, warnte jedoch, dass Konsortien schwierig zu steuern seien und leicht zerbrechen, weil sich die Anreize von 140 Firmen selten vollständig decken.
Visa, Mastercard und Google als neue Stablecoin-Architekten
Die Marktreaktion war unmittelbar: Die Circle-Aktie brach am Ankündigungstag um über 17 Prozent ein, da mehrere neue Partner wie BlackRock zugleich zu Circles Kernpartnern zählen. Open USD ist bislang nur angekündigt, nicht implementiert. Ein festes Startdatum über 2026 hinaus gibt es nicht, der Start erfolgt zunächst nativ auf Solana.
Circle, Tether und PayPal, die drei größten Dollar-Stablecoin-Emittenten, sind nicht Teil des Konsortiums. Zur Einordnung: Paxos startete 2024 mit dem Global Dollar Network ein ähnliches Modell, das bislang nur auf rund 3 Mrd. US-Dollar Marktvolumen kam, verglichen mit Circles 73 Mrd.
Ein Stablecoin bleibt an den US-Dollar gekoppelt und unterliegt dessen Geldpolitik, unabhängig von seiner Governance. Auch ein geteiltes Reserve-Modell ändert nichts an der Anreizstruktur: Mehr Token-Menge bedeutet mehr Erträge für die Konzerne, unabhängig vom Nutzen für Endnutzer. Bitcoin kennt dagegen keinen Emittenten und keine Behörde, die Ausgabe oder Reserven kontrolliert. Die Obergrenze von 21 Mio. Einheiten lässt sich von keinem Konsortium verändern.
Wir berichteten darüber, wie die FDIC mit dem GENIUS Act bereits den regulatorischen Rahmen für Bank-Stablecoins in den USA festgezurrt hat.





