Die Schweizer Bitcoin Initiative hat ihre Unterschriftenkampagne vor Fristende abgebrochen. Das Komitee teilte gegenüber Reuters mit, dass nur etwa die Hälfte der erforderlichen 100.000 Unterschriften gesammelt wurde. Ziel war eine Verfassungsänderung, die die Schweizerische Nationalbank zum Halten von Bitcoin-Reserven verpflichtet hätte.
50.000 von 100.000 Unterschriften: Schweizer Bitcoin Initiative endet vor Fristablauf
Die offizielle Volksinitiative „Für eine finanziell starke, souveräne und verantwortungsvolle Schweiz (Bitcoin-Initiative)” wurde im Dezember 2024 zugelassen. Den Initiatoren standen 18 Monate Zeit zur Verfügung, um 100.000 gültige Unterschriften bis zum 30. Juni 2026 zu sammeln. Erreicht wurden nach eigenen Angaben rund 50.000.
Konkret sollte Artikel 99 Absatz 3 der Bundesverfassung um die Worte „und in Bitcoin” ergänzt werden. Damit hätte die SNB ihre Reserven nicht mehr nur in Gold, sondern auch in Bitcoin halten müssen. Den genauen Anteil hätte die Zentralbank selbst bestimmen können.
Der offizielle Initiativtext und der Verfahrensstand sind bei der Schweizer Bundeskanzlei abrufbar. Mit dem Ablauf der Sammelfrist wird das Vorhaben in seiner aktuellen Form nicht zur Volksabstimmung kommen.
Bennaïm und Meisser geben nach 18 Monaten auf
Initiatoren waren Yves Bennaïm, Westschweizer Bitcoin-Aktivist und Gründer des Think-Tanks 2B4CH, sowie Luzius Meisser, Verwaltungsratsmitglied von Bitcoin Suisse. Gegenüber Reuters bezeichnete Bennaïm das Vorhaben rückblickend als „Long Shot”. Die Kampagne habe dennoch Fortschritte erzielt, um das Ziel langfristig zu erreichen.
Eine teure Last-Minute-Kampagne sei nicht geplant. Stattdessen lässt das Komitee die Initiative auslaufen. Bennaïm verwies darauf, dass das tägliche Transaktionsvolumen von Bitcoin in zweistelliger Milliardenhöhe gegen das SNB-Argument der mangelnden Liquidität spreche.
Bereits eine 2021 lancierte erste Bitcoin-Initiative war an derselben Hürde gescheitert. Das Schweizer Quorum von 100.000 Unterschriften innerhalb von 18 Monaten erweist sich für technologisch enge Themen weiterhin als hoch.
75 Prozent SNB-Reserven in Dollar und Euro, dazu 50.000 MSTR-Aktien im Bestand
SNB-Präsident Martin Schlegel lehnt Bitcoin als Reserveanlage ab. Die Begründung folgt der Linie seines Vorgängers Thomas Jordan: Volatilität und unzureichende Marktliquidität. Rund drei Viertel der SNB-Devisen sind in auf Dollar und Euro lautenden Anlagen gebunden.
Bemerkenswert ist die indirekte Position der SNB. Die Zentralbank hält rund 50.000 MSTR-Aktien im Wert von etwa 100 Mio. US-Dollar zum 31. März 2026. Strategy ist der weltweit größte Unternehmenshalter von Bitcoin. Indirekt ist die SNB damit Bitcoin-Exposure ausgesetzt, das sie öffentlich ablehnt.
Strukturell zeigt das Scheitern, dass direktdemokratische Hebel allein die etablierten Zentralbank-Anreize nicht verschieben. Geldhüter sind institutionell darauf festgelegt, Risiken in bekannten Reservewährungen abzubilden, deren Wert sich politisch verändern lässt. Ein Asset mit fester Obergrenze von 21 Mio. Einheiten passt nicht in dieses Anreizsystem, solange die offizielle Geldordnung auf Dollar und Euro fußt.
Andere Zentralbanken bewegen sich dennoch langsam: Die Tschechische Nationalbank investierte im Oktober 2025 testweise eine Million Dollar in Bitcoin, Kasachstan plant einen Krypto-Reserve-Fonds. Die Schweiz bleibt damit vorerst außen vor, während die Frage nach digitalen Reserven international weiter an Gewicht gewinnt.
Wir berichteten über die Lancierung der Bitcoin Volksinitiative.





