Bitcoin als Recheneinheit ist die nächste Stufe seiner Geldfunktion und stellt die Frage, ob ein indirektes Tauschmittel auch zum Maßstab ökonomischer Berechnung werden kann. Geld ist nicht nur ein Mittel des Tauschens, sondern auch das Werkzeug, mit dem Knappheit, Preise und wirtschaftliche Ergebnisse messbar werden. Ohne eine einheitliche Recheneinheit lässt sich der Erfolg unternehmerischen Handelns nicht beurteilen. Genau hier setzt die Theorie der Österreichischen Schule an. Dieser Artikel zeigt, wie Preise aus Knappheit entstehen und welche Rolle Geld dabei spielt.
Knappheit als Ursprung der Preisbildung
Knappheit ist die ökonomische Grundbedingung jeden Wirtschaftens. Wer zwei Güter gegeneinander tauscht, bewertet sie subjektiv unterschiedlich, und die Knappheit beider Seiten bestimmt die Tauschverhältnisse. Ein simples Beispiel: Wenn auf einem Markt zehn Brote gegen ein Huhn getauscht werden, ergibt sich daraus ein implizites Austauschverhältnis.
Diese Verhältnisse sind frühe Vorformen von Preisen, sie entstehen aus dem subjektiven Handeln vieler Marktteilnehmer unter Bedingungen der Güterknappheit. Solange direkter Warentausch dominiert, bleiben diese Verhältnisse jedoch partiell und unübersichtlich, weil jedes Tauschpaar einen eigenen Wechselkurs bildet.
Es fehlt ein gemeinsamer Bezugspunkt, in dem sich alle Werte ausdrücken lassen. Erst ein indirektes Tauschmittel schafft genau diesen Bezugspunkt und verwandelt unzählige Tauschverhältnisse in eindeutige Preise. Damit wird sichtbar, dass Preise nicht willkürlich entstehen, sondern ein Spiegel realer Knappheitsverhältnisse sind.
Bitcoin als Recheneinheit moderner Märkte
Eine Recheneinheit ist mehr als ein bloßes Tauschmittel. Sie ist das Maß, in dem alle anderen Güter ausgedrückt werden. Mit ihr lassen sich heterogene Werte vergleichen, von Maschinen über Arbeitsstunden bis zu Rohstoffen, und damit erst sinnvolle Berechnungen anstellen. Bitcoin verfügt über alle technischen Voraussetzungen einer Recheneinheit: feines Maß der Teilbarkeit, weltweite Übertragbarkeit, fungible Einheiten und ein absolut begrenztes Angebot.
In der Bitcoin-Brille wird Bitcoin als Maßstab gedacht, in dem Preise einer hartgeldbasierten Wirtschaft ausgedrückt werden können. In der Praxis ist Bitcoin allerdings noch nicht zur dominierenden Recheneinheit geworden. Die meisten Preise weltweit werden weiterhin in Fiat-Währungen angegeben, weil Akzeptanz, Kontinuität und regulatorischer Rahmen darauf ausgerichtet sind.
Bitcoin als Recheneinheit bleibt damit eine Funktion in Entwicklung, deren Reichweite vom Adoptionsgrad und der Wertstabilität abhängt.
Preisbildung durch Geld in der Mises-Theorie
Ludwig von Mises hat in seinem Aufsatz „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen“ (1920) den Zusammenhang zwischen Geld und Wirtschaftsrechnung systematisch beschrieben. Eine detaillierte Darstellung des Originalgedankens findet sich auf misesde.org. Mises zeigte, dass ohne einen freien Markt keine Preise und damit keine rationale Wirtschaftsrechnung möglich sind.
Die Preisbildung durch Geld entsteht aus dem freiwilligen Tauschverkehr und verdichtet die subjektiven Bewertungen vieler Akteure zu einer für alle zugänglichen Information. Geld ist dabei der gemeinsame Nenner, der unvergleichliche Güter vergleichbar macht. Ohne diesen Nenner bleibt jede Kalkulation Stückwerk. Gewinn und Verlust eines Unternehmers ergeben sich erst dann, wenn Einnahmen und Kosten in einer einheitlichen Geldeinheit gemessen werden.
Damit wird das indirekte Tauschmittel zur ökonomischen Maßeinheit der Gesellschaft. Die Bitcoin-Brille knüpft genau hier an: Bitcoin als programmatisch knappes, fungibles Geld könnte langfristig die Funktion der Recheneinheit übernehmen, wenn seine Wertstabilität wächst. In einem Bitcoin-Standard würde die Preisbildung unmittelbar an einer harten Geldeinheit erfolgen, was Verzerrungen durch Geldmengenausweitung und Cantillon-Effekt reduzieren würde.
Theoretisch ist diese Einordnung schlüssig, in der Praxis fehlt Bitcoin bislang die Reichweite und Akzeptanz, um diese Funktion vollständig zu übernehmen. Auch Mises selbst hat das Konzept eines digitalen Geldes nicht gekannt, doch seine Argumentation über die Notwendigkeit eines einheitlichen Geldes als Grundlage rationaler Wirtschaft trifft auf Bitcoin sinngemäß zu. Die Frage ist nicht, ob Bitcoin als Recheneinheit theoretisch funktionieren könnte, sondern ob der Markt diese Rolle im Laufe der Zeit annimmt.
Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir überdie Marktfähigkeit von Geld und warum Bitcoin in diese Tradition gehört.




