Bitpanda gegen Klingbeil: Eric Demuth, Mitgründer der österreichischen Krypto-Plattform, hat Klingbeils Steuerpläne öffentlich als „extrem dumme Entscheidung” bezeichnet. Hintergrund ist die Erfahrung aus Österreich, das die Krypto-Haltefrist bereits 2022 abgeschafft hat. Die dortigen Steuereinnahmen blieben weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.
Klingbeil verspricht 2 Milliarden Euro durch Krypto Steuer im Haushalt 2027
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat am 29. April 2026 auf der Bundespressekonferenz die geplante Anpassung der Krypto-Besteuerung im Eckwertebeschluss zum Haushalt 2027 bestätigt. Zusammen mit der Bekämpfung von Finanz- und Steuerkriminalität soll die Reform rund 2 Mrd. Euro pro Jahr einbringen.
Details bleiben bis zur Etatreife Anfang Juli 2026 offen. Die naheliegendste Form ist die Abschaffung der einjährigen Haltefrist nach §23 EStG, nach der Bitcoin-Gewinne nach zwölf Monaten steuerfrei sind. Eine nachvollziehbare Hochrechnung der Mehreinnahmen liefert die Bundesregierung bisher nicht.
Bitpanda gegen Klingbeil: Mitgründer kontert mit klarer Position
Eric Demuth, Mitgründer der Krypto-Plattform Bitpanda, hat sich am 12. März 2026 auf X mit deutlichen Worten gegen die deutschen Pläne positioniert. Bitpanda ist Krypto-Anbieter mit Sitz in Wien und führt seit Januar 2024 die österreichische Kapitalertragsteuer auf Krypto-Gewinne automatisch ab.
Die Grundlage dafür ist im Steuerinformationsbereich des österreichischen Finanzministeriums dokumentiert. Das Unternehmen hat ein erkennbares Geschäftsinteresse am deutschen Markt und spendete im Bundestagswahlkampf 2025 rund 1,7 Mio. Euro an verschiedene Parteien.
Demuth schrieb am 12. März 2026 auf X:
Die Abschaffung der Haltefrist in Österreich war eine extrem dumme Entscheidung. Die Idee wurde damals massiv von Krypto-Tax-Startups und deren Consulting-Umfeld gepusht, die Politiker mit Fantasiezahlen und hohen Steuereinnahmen geblendet haben, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu stärken.
Die Positionierung von Bitpanda gegen Klingbeil ist damit nicht nur eine politische Position, sondern eine Branchen-Stellungnahme aus erster Hand. Die operative Umsetzung der KESt-Pflicht habe bei Bitpanda erhebliche Ressourcen gebunden und andere Produktentwicklungen verzögert.
Demuth zerlegt das 2 Milliarden Euro Versprechen mit Wiener Daten
Aus einer parlamentarischen Anfrage des österreichischen NEOS-Abgeordneten Christoph Pramhofer geht hervor, dass Österreich 2024 lediglich 33,8 Mio. Euro durch die Krypto-KESt eingenommen hat. Das entspricht rund 0,57 Prozent des gesamten österreichischen KESt-Aufkommens.
Die ursprüngliche Erwartung der österreichischen Regierung lag bei bis zu 300 Mio. Euro pro Jahr. Hochgerechnet auf die deutsche Marktgröße ergäbe das rund 100 Mio. Euro, weit entfernt von Klingbeils 2 Mrd. Euro. Damit verschiebt sich der Streit Bitpanda gegen Klingbeil von Rhetorik zu empirischer Argumentation. Bezeichnend ist, dass 2024 ein Bullenmarktjahr war, in dem überdurchschnittlich viele Gewinne realisiert wurden.
In schwächeren Marktphasen liegen Steuereinnahmen aus Krypto-Gewinnen noch niedriger. Die einjährige Haltefrist war über Jahre ein bewusster Anreiz für langfristiges Sparen, kein Steuerschlupfloch. Wer Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel hält, trifft eine Geldwahlentscheidung gegen ein elastisches Fiat-System.
Ein Steuersystem, das diesen Anreiz beseitigt, verschiebt die Beweislast zurück zum Halter und erhöht die Zeitkosten der Verwahrung, ohne die strukturelle Knappheit der 21 Mio. Einheiten zu verändern. Der Streit um die Haltefrist ist damit nicht nur fiskalisch, sondern eine Frage der Anreize, die das Steuerrecht setzt, und der Versprechen, die empirisch belegbar sein müssen.
Wir berichteten über die offizielle Ankündigung der Krypto-Steuerreform durch Klingbeil.





