Bitcoin Haltefrist Abschaffung: Klingbeil kündigt Steuerreform für 2027 offiziell an

Bitcoin Haltefrist Abschaffung: Klingbeil kündigt Steuerreform für 2027 offiziell an

Die Bitcoin Haltefrist Abschaffung ist beschlossen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat am 29. April 2026 auf der Bundespressekonferenz bestätigt, dass die einjährige steuerfreie Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowerte gekippt wird. Damit verliert Deutschland einen seiner letzten Standortvorteile für langfristige Bitcoin-Halter.

Klingbeil bestätigt Bitcoin Haltefrist Abschaffung auf Bundespressekonferenz

Klingbeil sagte wörtlich: „Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern.” Die Aussage fiel nach dem Kabinettsbeschluss zu den Eckwerten des Bundeshaushalts 2027. Auf Nachfrage zu Details verwies der Minister auf den finalen Regierungsentwurf, den das Kabinett am 6. Juli vorlegen wird.

Der Schritt kommt nicht überraschend, sondern als Bestätigung einer Entwicklung, die sich seit Monaten abzeichnete. Bereits im März 2025 wollte die SPD die Haltefrist in den Koalitionsverhandlungen abschaffen, scheiterte damals aber an der CDU/CSU. Im Oktober 2025 forderte der Seeheimer Kreis, dem Klingbeil angehört, die Aufhebung.

Bei der Koalitionsklausur am 12. April 2026 wurde laut Berichten die Einigung intern erzielt. Mit dem gestrigen Kabinettsbeschluss ist sie nun politisch festgeschrieben.

Bitcoin Haltefrist Abschaffung als Teil der neuen Einnahmepläne

Die Reform ist eingebettet in ein größeres Einnahmepaket. Der Haushaltsentwurf 2027 sieht 110,8 Mrd. Euro neue Schulden vor, hinzu kommen Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur. Bis 2030 klafft trotz aller Maßnahmen eine Lücke von rund 140 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben verdoppeln sich von 42,7 Mrd. Euro 2027 auf 78,7 Mrd. Euro 2030. Jeder fünfte Steuer-Euro fließt 2030 in Zinszahlungen.

Aus diesem Druck heraus entsteht das neue Steuerpaket: Plastikabgabe, Zuckerabgabe, Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuer und eben die Bitcoin Haltefrist Abschaffung. Die offizielle Pressemitteilung der Bundesregierung ist hier zu finden.

Die Krypto-Steuerreform soll allein 2 Mrd. Euro pro Jahr einbringen. Hintergrund: 2024 wurden in Deutschland laut Blockpit-Studie 47,3 Mrd. Euro Krypto-Gewinne erzielt, davon waren wegen der Haltefrist nur 17 Mrd. Euro steuerpflichtig.

CDU/CSU gibt Widerstand gegen Bitcoin Haltefrist Abschaffung auf

Bemerkenswert ist die Wende der CDU/CSU. Die Union hatte sich öffentlich monatelang für die Beibehaltung der Haltefrist ausgesprochen. Olav Gutting argumentierte im März 2026 noch, es gebe keinen „überzeugenden steuerpolitischen Grund” für eine Änderung. Mit dem Kabinettsbeschluss vom 29. April hat die Union diese Position fallen gelassen.

Klingbeil dazu wörtlich:

An diesen Leitplanken kommt keiner mehr vorbei.

Offen bleiben zentrale Punkte. Weder ist klar, ob die neue Regelung wie bei Aktien als Abgeltungsteuer mit 25 Prozent ausgestaltet wird oder mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz greift. Auch der Stichtag und die Behandlung von Altbeständen sind unklar.

In Österreich wurde 2022 ein Vertrauensschutz für vor dem Stichtag gekaufte Coins eingeführt, sodass Altbestände steuerfrei bleiben. Strukturell zeigt die Reform ein klares Anreizsystem. Ein Staat, der jedes Jahr neue Schulden in dreistelliger Milliardenhöhe aufnimmt und dessen Bonität strukturell vom Vertrauen in die eigene Geldordnung abhängt, muss am Ende auf jene zugreifen, die ihre Kaufkraft in härteres Geld verschoben haben.

Bitcoin mit seinem fixen Angebot von 21 Mio. Einheiten ist genau das. Die Bitcoin Haltefrist Abschaffung ist damit keine Steuergerechtigkeitsmaßnahme, sondern Symptom eines Fiat-Systems, das seine eigenen Verbindlichkeiten nicht mehr aus laufenden Einnahmen bedienen kann. Wer in einem unbegrenzt vermehrbaren Geld Schulden anhäuft, greift früher oder später auf jene zu, die ihr Kapital in das einzige programmatisch endliche Geld verschoben haben.

Die Logik dahinter ist nüchtern: Echte Vermögenswerte werden zur Reserve eines Schuldenstaats.

Wir berichteten noch im März über das vermeintliche Aus der Reformpläne.

Block Bitcoin Ökosystem führt 5 Prozent Bitcoin-Cashback bei Square-Händlern ein

Block Bitcoin Ökosystem führt 5 Prozent Bitcoin-Cashback bei Square-Händlern ein

Das Block Bitcoin Ökosystem startet eine Reihe neuer Funktionen rund um Bitcoin-Zahlungen, Self-Custody und Cashback. Block hat am 27. April 2026 angekündigt, Cash App, Square und Bitkey enger zu einem Bitcoin-Kreislauf zu verzahnen. Im Mittelpunkt steht ein neues 5-Prozent-Cashback-Programm in Bitcoin.

Cash App und Square rücken im Block Bitcoin Ökosystem zusammen

Block bündelt seine Bitcoin-Aktivitäten enger als bisher. Die neue Bitkey Hardware Wallet erhält einen Touchscreen, der Transaktionen direkt am Gerät bestätigt. Die Wallet bleibt bei der bekannten 2-of-3-Multisig-Struktur ohne Seed Phrase und behält die Vererbungsfunktion. Aktuell ist die neue Bitkey nur als Vorbestellung verfügbar.

Cash App führt mehrere neue Funktionen ein. Eingehende P2P-Zahlungen lassen sich automatisch in Bitcoin umwandeln. Bitcoin-Käufe über 2.000 US-Dollar laufen ohne Gebühren und Spreads. Direct Deposit in Bitcoin ist ohne Aufschlag möglich. Details zur neuen Bitkey-Hardware hat das Unternehmen veröffentlicht.

5 Prozent Bitcoin-Cashback im Block Bitcoin Ökosystem

Das neue „Bitcoin Back” Programm vergibt fünf Prozent in Bitcoin auf qualifizierende Cash-App-Zahlungen bei Square-Händlern. Der Bonus ist mit einem monatlichen Limit gedeckelt. Damit verbindet Block die Bezahlfunktion direkt mit einer automatischen Bitcoin-Akkumulation für jeden Kunden.

Parallel dazu plant Block eine NFC-Tap-Funktion für Square. Sie soll auf der Bitcoin Las Vegas 2026 demonstriert werden. Die NFC-Funktion läuft über das Lightning Network und braucht keinen QR-Code mehr. Der Rollout ist angekündigt, aber noch nicht erfolgt.

Block stellt zusätzlich ein Proof-of-Reserves-System vor, das den eigenen Bitcoin-Bestand sowie Kundenguthaben aus Cash App und Square on-chain prüfbar macht. Die Reserven werden laut Block aktiv verwaltet, nicht über statische Stichtagsaufnahmen.

Höhere Bitcoin-Withdrawal-Limits in Cash App

Cash App hebt die Bitcoin-Auszahlungsgrenzen deutlich an. Nutzer können künftig 10.000 US-Dollar pro Tag und 25.000 US-Dollar pro Woche an externe Bitcoin-Adressen versenden. Damit werden Self-Custody und Bewegung größerer Beträge praxistauglicher. Square Bitcoin, Lightning und Bitkey bleiben in New York unverfügbar.

Strukturell formt Block aus drei einzelnen Produkten einen geschlossenen Kreislauf. Cash App ist der Einstiegspunkt, Square der Zahlungsweg im Einzelhandel, Bitkey die Sparform in Eigenverwahrung. Das Anreizsystem dahinter ist klar: jede Konsumausgabe an einer Square-Kasse wird über das Cashback-Programm zu einer Mini-Bitcoin-Sparrate. Wer Dollar ausgibt, akkumuliert automatisch ein Asset mit fixem Angebot von 21 Mio. Einheiten.

Genau in dieser Logik verschiebt sich Kapital strukturell aus einem unbegrenzt vermehrbaren Geld in hartes Geld, ohne dass der Nutzer dafür eine bewusste Entscheidung treffen muss. Wichtig bleibt die Trennung zwischen bereits live geschalteten Funktionen und reinen Ankündigungen wie der NFC-Zahlung.

Wir berichteten über Squares automatische Aktivierung der Bitcoin-Zahlung bei Millionen Händlern.

Strategy Bitcoin Bestand nähert sich 4 Prozent des maximalen Supplys

Strategy Bitcoin Bestand nähert sich 4 Prozent des maximalen Supplys

Der Strategy Bitcoin Bestand erreicht 818.334 BTC nach einem weiteren Wochenkauf. Das Unternehmen erwarb zwischen dem 20. und 26. April 2026 weitere 3.273 Bitcoin für 255 Mio. US-Dollar. Damit hält Strategy nun rund 3,9 % des maximalen Bitcoin-Supplys von 21 Mio. Coins.

Strategy Bitcoin Bestand wächst seit März 2026 um 56.235 Coins

Die Akkumulation läuft kontinuierlich weiter, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Anfang März 2026 lag der Strategy Bitcoin Bestand noch bei 762.099 Coins, Mitte April bereits bei 815.061. Innerhalb von rund fünf Wochen wuchs die Position um 56.235 Bitcoin.

Der jüngste Wochenkauf von 3.273 BTC fällt im Vergleich zur Vorwoche deutlich kleiner aus. Damals hatte Strategy 34.164 Bitcoin auf einmal erworben, den drittgrößten Wochenkauf der Unternehmensgeschichte. Der Durchschnittspreis des aktuellen Zukaufs liegt bei 77.906 US-Dollar pro Bitcoin. Seit Beginn der Treasury-Strategie im August 2020 hat Strategy insgesamt 61,81 Mrd. US-Dollar in Bitcoin investiert.

Wechsel der Finanzierungsquelle: Strategy verzichtet auf Preferred Stock in dieser Woche

Bemerkenswerter als die Kaufgröße ist die Finanzierungsstruktur. Der gesamte Wochenkauf wurde ausschließlich über die Emission von Stammaktien finanziert. Strategy verkaufte 1.451.601 MSTR-Aktien für 255 Mio. US-Dollar Nettoerlös, wie aus dem Form 8-K bei der US-Börsenaufsicht hervorgeht.

Die vier Vorzugsaktien-Programme STRF, STRC, STRK und STRD blieben in dieser Woche ohne Emission. Das ist ein deutlicher Wechsel: In der Vorwoche stammten noch 2,18 Mrd. US-Dollar aus dem STRC-Programm. Die verbleibende Emissionskapazität für MSTR-Stammaktien liegt bei 26,47 Mrd. US-Dollar. Darin enthalten ist eine am 23. März 2026 angekündigte Erhöhung des MSTR-Programms um 21 Mrd. US-Dollar.

Strategy Bitcoin Bestand verteuert sich auf 75.537 Dollar Durchschnittspreis pro Coin

Mit jedem Zukauf oberhalb des bisherigen Durchschnitts steigt der Anschaffungspreis der Gesamtposition. Aktuell liegt der Strategy Bitcoin Bestand bei einer durchschnittlichen Cost Basis von 75.537 US-Dollar pro Bitcoin. Vor fünf Wochen lag der Wert noch bei 74.326 US-Dollar.

Strukturell zeigt das Modell ein klares Anreizsystem. Strategy gibt neue Aktien gegen US-Dollar aus, tauscht diese in Bitcoin und verschiebt damit Kapital aus einem unbegrenzt vermehrbaren Geld in ein Asset mit fixiertem Angebot von 21 Mio. Einheiten. Der Mechanismus funktioniert, solange der MSTR-Kurs einen Aufschlag zum inneren Bitcoin-Wert aufweist. Bricht dieser Aufschlag weg, kann Strategy nicht mehr akkretiv emittieren.

Gleichzeitig wirft die Konzentration von 3,9 % des Bitcoin-Supplys in einer einzigen Bilanz eine systemische Frage auf, was bei einem erzwungenen Verkauf passieren würde. Wer Bitcoin als härtestes Geld versteht, akkumuliert dennoch ohne Verkaufsoption.

Wir berichteten über den vorherigen Strategy-Kauf bei 815.000 BTC.

Bitcoin Cypherpunks: Vom Code zum globalen Geldsystem

Bitcoin Cypherpunks: Vom Code zum globalen Geldsystem

Die Bitcoin Cypherpunks bilden den ideellen Ausgangspunkt eines Geldsystems, das heute Staaten und Notenbanken beschäftigt. Aus einer kleinen kryptografisch arbeitenden Bewegung wurde in 17 Jahren ein global gehandelter Vermögenswert mit einem klar erkennbaren Adoptionspfad. Diese Entwicklung lässt sich in sechs Phasen ordnen, die jeweils eine größere Akteursgruppe einbeziehen. Wer die Bitcoin Adoptionsphasen versteht, erkennt die Logik hinter den vergangenen Marktzyklen.

Die Wurzeln in der Cypherpunk-Bewegung

Die Bitcoin Cypherpunks sind keine Bezeichnung für eine einzelne Person, sondern für ein Netzwerk von Kryptografen, Mathematikern und Entwicklern, das sich Anfang der 1990er-Jahre formierte. 1992 trafen sich Eric Hughes, Tim May und John Gilmore zu informellen Runden in der San Francisco Bay Area, kurz darauf entstand die Cypherpunks-Mailingliste, die schnell Tausende Teilnehmer erreichte.

Eric Hughes formulierte 1993 das Cypherpunk-Manifest, das den ideellen Kern der Bewegung beschrieb: Privatsphäre als Voraussetzung einer offenen Gesellschaft im digitalen Zeitalter; das Originaldokument findest du hier. Aus dieser Mailingliste kamen die direkten Vorläufer von Bitcoin: Adam Backs Hashcash von 1997 als Proof-of-Work-System, Wei Dais b-money von 1998, Hal Finneys Reusable Proof of Work von 2004 und Nick Szabos bit gold aus dem Jahr 2005.

Bitcoin verband diese Bausteine erstmals zu einem funktionsfähigen Gesamtsystem. Satoshi Nakamoto veröffentlichte das Whitepaper am 31. Oktober 2008 auf einer Cryptography-Mailingliste, der Genesis-Block folgte am 3. Januar 2009. Hal Finney erhielt wenige Tage später die erste Bitcoin-Transaktion außerhalb von Satoshi selbst und bildet damit die direkte Brücke zwischen Cypherpunk-Tradition und realer Bitcoin-Nutzung.

Der Durchbruch von 2013

Die zweite Phase ab 2009 bestand aus frühen Anwendern und ideologisch motivierten Investoren, die Bitcoin als Antwort auf zentralisierte Geldsysteme verstanden. Zum öffentlichen Marktphänomen wurde Bitcoin erst 2013. Anfang des Jahres notierte ein Bitcoin bei rund 13 US-Dollar, Ende November bei knapp 1.200 US-Dollar. Auslöser war die Zypern-Bankenkrise im März 2013, bei der erstmals breit sichtbar wurde, wie schnell Bankguthaben politisch eingefroren oder beschnitten werden können.

Bitcoin galt vielen Anlegern in dieser Phase als digitale Alternative zu staatlich kontrolliertem Geld. Die damals dominante Börse Mt. Gox wickelte zeitweise rund 70 Prozent des globalen Volumens ab und kollabierte Anfang 2014 nach einem schweren Diebstahl. Damit endete die erste massenhaft sichtbare Bitcoin Adoptionsphase, ohne dass die zugrunde liegende Idee gestoppt wurde.

Sechs Phasen einer Adoptionskurve

Auf 2013 folgten zwei weitere Wellen. Der Hype von 2017 brachte Bitcoin von rund 1.000 US-Dollar auf 19.783 US-Dollar im Dezember, getragen vom ICO-Boom und dem Einstieg breiterer Privatanlegerschichten. 2020 und 2021 traten Fonds, börsennotierte Unternehmen wie MicroStrategy und Tesla sowie mit El Salvador der erste Staat hinzu, der Spitzenkurs von 69.000 US-Dollar wurde im November 2021 erreicht.

Die sechste Phase, in der Staaten Bitcoin in größerem Umfang akkumulieren, hat sichtbar begonnen, ist aber nicht abgeschlossen: Die USA richteten im März 2025 eine strategische Bitcoin Reserve per Executive Order ein, El Salvador hält rund 6.100 BTC, Bhutan nutzt seine Wasserkraft für staatliches Mining. Damit zeichnet sich eine klare Logik wachsender Akteursgruppen ab.

Die Bitcoin Cypherpunks bilden den ideologischen Kern, gefolgt von Privatanlegern, Unternehmen und nun Staaten. Aus österreichischer Perspektive lässt sich diese Reihenfolge mit dem Regressionstheorem von Ludwig von Mises einordnen: Geld muss zunächst einen Tauschwert in einem freiwilligen Marktprozess erlangen, bevor es als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel funktioniert.

Bitcoin durchläuft genau diesen Prozess in den Stufen der Monetarisierung, vom Sammlerobjekt einer kleinen technischen Avantgarde über die Wertaufbewahrung bis hin zur potenziellen Reserveanlage. Saifedean Ammous beschreibt diesen Pfad in „The Bitcoin Standard“ als Übergang vom Sammlerobjekt zum Geld, wobei die Wertaufbewahrung der Tauschmittelfunktion vorausgeht.

Wichtig bleibt die Trennung von Theorie und Praxis: Die Adoptionskurve ist ein beobachtetes Muster, kein Naturgesetz, und ein abschließendes Endstadium ist offen. Bitcoin ist als alltägliches Zahlungsmittel weiterhin selten, der ETF-Zugang konzentriert Bestände in zentralisierten Strukturen, und Mainstream-Ökonomie bleibt mehrheitlich skeptisch. Die Einordnung als sechste Phase staatlicher Akkumulation ist daher eine These, die sich empirisch unterfüttern lässt, aber nicht als gesichertes Resultat verstanden werden darf.

Im vorherigen Artikel haben wir die ethische Dimension dezentraler Strukturen bei Bitcoin erklärt.

Dezentrale Strukturen bei Bitcoin: Die ethische Dimension einer Geldordnung

Dezentrale Strukturen bei Bitcoin: Die ethische Dimension einer Geldordnung

Dezentrale Strukturen Bitcoin sind mehr als eine technische Eigenschaft, sie verändern die Stellung des Individuums im Geldsystem. Aus dieser Architektur lassen sich vier ethische Prinzipien ableiten: Freiheit, Gleichheit, Gemeinschaft und Kontrolle. Jedes dieser Prinzipien beschreibt eine Folge der Tatsache, dass keine zentrale Instanz über das Netzwerk verfügt. Die ethische Frage ist daher nicht abstrakt, sondern direkt mit der Geldarchitektur verknüpft.

Freiheit ohne zentrale Kontrolle

Bitcoin ermöglicht den Transfer von Wert ohne Erlaubnis durch Banken, Behörden oder andere Mittelsmänner. Dabei ist eine Präzisierung notwendig: Bitcoin ist nicht anonym, sondern pseudonym. Adressen sind öffentlich einsehbar, jede Transaktion ist auf der Blockchain dauerhaft sichtbar, allerdings sind diese Adressen nicht direkt mit einer realen Identität verknüpft.

Die Verbindung zwischen Adresse und Person entsteht erst durch externe Datenpunkte wie KYC-Verfahren bei Börsen oder Chain-Analyse. Schutz vor Überwachung ergibt sich also nicht aus völliger Anonymität, sondern aus dem Zusammenspiel von Pseudonymität und dezentraler Infrastruktur. Aus den dezentralen Strukturen bei Bitcoin folgt eine weitere Konsequenz: Keine einzelne Instanz kann Konten sperren oder Zahlungen blockieren. Diese Eigenschaft wurde in der Praxis sichtbar, etwa bei Spendenkampagnen in Venezuela oder beim kanadischen Freedom Convoy 2022, als klassische Zahlungswege blockiert wurden, Bitcoin-Transaktionen jedoch weiter funktionierten.

Der Cantillon-Effekt und seine Folgen

Der Cantillon-Effekt beschreibt einen strukturellen Mechanismus jedes inflationären Geldsystems: Wer zuerst Zugang zu neu geschaffenem Geld erhält, profitiert von dessen Kaufkraft, bevor die Preise sich anpassen. In modernen Geldordnungen sind das vor allem Geschäftsbanken, Staaten und große Vermögen mit Zugang zu Vermögenspreisen. Lohnempfänger und Sparer stehen am Ende der Kette und zahlen die höheren Preise, ohne den Vorteil des frühen Zugangs gehabt zu haben.

Eine ausführliche Darstellung dieser Mechanik bietet das Mises Institute. Die Österreichische Schule ordnet diesen Effekt als wesentliche Ursache wachsender Vermögensungleichheit ein, insbesondere seit dem Ende des Goldstandards von Bretton Woods im Jahr 1971. Seit dieser Zäsur ist die Geldmenge in den großen Wirtschaftsräumen vielfach gestiegen, parallel dazu hat sich die Schere zwischen Vermögenspreisen und Reallöhnen geöffnet.

Die Frage einer Geldordnung ohne zentrale Steuerung gewinnt vor diesem Hintergrund an Gewicht, weil sie diesen Mechanismus an seiner Wurzel adressiert.

Hard Money und soziale Gerechtigkeit

Hard Money bezeichnet ein Geld, dessen Angebot nicht willkürlich ausgeweitet werden kann. Bei Bitcoin ist dieses Prinzip programmatisch festgelegt: Die Obergrenze von 21 Mio. Einheiten ist im Code verankert, die Ausgaberate halbiert sich alle 210.000 Blöcke. Proof-of-Work bindet jeden neuen Block an messbaren Energieaufwand und macht eine willkürliche Geldschöpfung ökonomisch unmöglich.

Damit lässt sich der ethische Kern dezentraler Strukturen Bitcoin in einem Punkt bündeln: Eine Geldordnung ohne zentrale Instanz neutralisiert systematisch jenen Mechanismus, der nach österreichischer Lesart die Schere zwischen Arm und Reich strukturell verstärkt. Der Cantillon-Effekt setzt die Möglichkeit voraus, dass eine Stelle die Geldmenge steuern kann. Entzieht man ihr diese Macht, entfällt der Effekt strukturell.

Saifedean Ammous beschreibt Bitcoin in „The Bitcoin Standard“ als technologische Realisierung dieses Prinzips: Hard Money in digitaler Form, programmatisch knapp und ohne politische Eingriffsmöglichkeit. Diese Architektur entspricht zugleich dem Prinzip der spontanen Ordnung, das Friedrich August von Hayek beschrieb: Komplexe Systeme können sich ohne zentralen Plan stabilisieren, wenn feste Regeln und individuelle Anreize aufeinander abgestimmt sind.

Daraus ergibt sich die ethische Einordnung der vier Prinzipien: Freiheit entsteht nicht aus dem Versprechen einer Institution, sondern aus der Unmöglichkeit von Eingriffen, Gleichheit entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch den Wegfall der Cantillon-Bevorteilung, Kontrolle wird nicht delegiert, sondern verteilt. Diese Einordnung beschreibt eine Theorie, keine empirische Tatsache. Bitcoin ist als alltägliches Zahlungsmittel nicht weit verbreitet, die Mining-Infrastruktur weist Konzentrationstendenzen auf, und an den Schnittstellen zu regulierten Börsen bleibt Zensur möglich.

Die ethische Argumentation ergibt sich damit aus der Architektur, nicht aus einer Garantie. Im vorherigen Artikel haben wir die zugrunde liegenden Fakten zu Bitcoin erklärt.

Bitcoin Quantum Risiko zwischen Demo und Realität: Project Eleven vergibt 1 BTC für umstrittenen Quantenangriff

Bitcoin Quantum Risiko zwischen Demo und Realität: Project Eleven vergibt 1 BTC für umstrittenen Quantenangriff

Das Bitcoin Quantum Risiko hat am 24. April 2026 eine neue Schlagzeile bekommen. Das Post-Quantum-Startup Project Eleven hat seinen Q-Day Prize über 1 BTC an den unabhängigen Forscher Giancarlo Lelli vergeben, der auf öffentlich zugänglicher IBM-Hardware einen 15-Bit-Schlüssel der elliptischen Kurvenkryptographie gebrochen haben soll. Bitcoin-Entwickler reagierten innerhalb von Stunden mit einem Gegenbeweis.

Project Eleven vergibt am 24. April 2026 ein Bitcoin an Giancarlo Lelli für 15-Bit-Schlüsselbruch

Lelli setzte eine Variante des Shor-Algorithmus auf den IBM-Quantum-Heron-r2-Prozessoren ibm_torino und ibm_fez ein. Code und Ausführungsprotokolle wurden auf GitHub veröffentlicht. Project Eleven bewertet den Bruch als 512-fachen Sprung gegenüber einer vorherigen Demonstration durch Steve Tippeconnic im September 2025, die einen 6-Bit-Schlüssel betraf.

Die Bounty entspricht beim aktuellen Kurs rund 78.000 US-Dollar. Das Unternehmen ist von Coinbase Ventures, Castle Island Ventures, Variant und Balaji Srinivasan finanziert und hat zuletzt 20 Millionen US-Dollar in einer Series A bei einer Bewertung von 120 Millionen eingesammelt. Es vermarktet eigene Post-Quantum-Lösungen.

Suchraum von 32.767 Schlüsseln zeigt das wahre Bitcoin Quantum Risiko in Zahlen

Ein 15-Bit-Schlüssel hat einen Suchraum von 32.767 möglichen Werten. Die secp256k1-Kurve, die Bitcoin tatsächlich nutzt, arbeitet mit 256 Bit. Der Abstand zwischen beiden Werten beträgt den Faktor 2 hoch 241. Project Eleven argumentiert in seiner offiziellen Pressemitteilung, die verbleibende Distanz sei zunehmend ein Engineering-Problem statt einer physikalischen Hürde.

Die Demo lief auf etwa 70 Qubits mit rund 98.000 Gates und einer Gate-Fidelity von 99,5 Prozent. Genau an diesen technischen Werten setzt die Kritik an.

Mainstream-Medien feiern Bitcoin Quantum Risiko-Schlagzeile, Bitcoin-Entwickler widerlegen sie binnen Stunden

Der Sicherheitsforscher Yuval Adam ersetzte den IBM-Quantum-Backend in Lellis Code durch /dev/urandom, den klassischen Linux-Zufallszahlengenerator. Das Ergebnis war identisch. Der ehemalige Bitcoin-Core-Maintainer Jonas Schnelli reproduzierte die Schlüsselrückgewinnung in rund 20 Zeilen Python ohne Quantencomputer. Coinkite-Gründer Rodolfo Novak sprach von klassischen Berechnungen im Quantenkostüm.

Project Elevens Ankündigung auf X trägt mittlerweile eine Community Note. Bei einem Suchraum von 32.767 möglichen Schlüsseln genügt klassisches Sampling, um die Lösung zu finden, ein messbarer Quantenvorteil existiert nicht.

Der eigentliche Befund liegt nicht in der Quantenphysik, sondern in den Anreizsystemen. Ein VC-finanziertes Startup, das Post-Quantum-Lösungen verkauft, hat einen direkten kommerziellen Nutzen aus der Wahrnehmung, dass das Bitcoin Quantum Risiko akut sei. Mainstream-Medien übernahmen die Pressemitteilung, ohne die technische Substanz zu prüfen.

Die offene Bitcoin-Entwicklergemeinschaft brauchte wenige Stunden, um den Befund öffentlich auseinanderzunehmen, weil Code, Daten und Hardware-Spezifikationen offenliegen. Genau diese Verifizierbarkeit ist die strukturelle Eigenschaft, die ein offenes Geldsystem von zentralen Erzählungen unterscheidet. Ein Anreiz, Angst zu verkaufen, kann in einem System mit offener Prüfung nicht lange bestehen.

Wir berichteten über Adam Backs Antwort auf Googles Q-Day-Paper.