Perpetual Futures: Wall Street nutzt Krypto-Märkte für unbefristete Derivate

Perpetual Futures: Wall Street nutzt Krypto-Märkte für unbefristete Derivate

Die Perpetual Futures Adoption an der Wall Street hat in den ersten fünf Monaten 2026 ein Handelsvolumen von 1,32 Billionen US-Dollar für traditionelle Vermögenswerte erreicht. Bitget, Binance und Coinbase bieten damit Aktien- und Index-Hebelprodukte ohne Fälligkeitsdatum an.

Wall Street nutzt Perpetual Futures als Leverage-Kanal

Die Perpetual Futures Adoption an der Wall Street hat in den ersten fünf Monaten 2026 ein Handelsvolumen von 1,32 Billionen US-Dollar erreicht, mehr als das Zwölffache des Vorjahreswerts von 104,21 Mrd. US-Dollar. Perpetual Futures sind Hebelprodukte ohne Fälligkeitsdatum, die Kursbewegungen eines Basiswerts abbilden, ohne dass Käufer ihn selbst besitzen. Kryptobörsen wie Bitget, Binance und Coinbase listen inzwischen Kontrakte auf Aktien, Indizes und Rohstoffe, die zuvor nur an traditionellen Terminbörsen gehandelt wurden.

Zwischen Januar 2025 und Mai 2026 kamen 360 traditionelle Vermögenswerte als Kontrakt hinzu, im Schnitt 75 Hebel-Listings je Plattform gegenüber 37 Spot-Listings. Im März 2026 lizenzierte S&P Dow Jones Indices seinen S&P 500 an die Plattform Trade XYZ auf der Hyperliquid-Blockchain, der erste offiziell lizenzierte onchain-Kontrakt auf den US-Leitindex.

Warum institutionelles Leverage zu schnellen Liquidationen führt

Die Perpetual Futures Adoption zeigt sich bei Bitget am deutlichsten: Vor einem Jahr lag der Anteil von Stock-Perpetuals am Handelsvolumen der Börse bei null, inzwischen sind es 28 Prozent. Perpetual Futures arbeiten mit Finanzierungsraten und Nachschusspflichten, die Positionen bei Gegenbewegungen automatisch verkleinern oder auflösen. Je höher der Hebel, desto kleiner die Kursbewegung, die zur vollständigen Liquidation führt.

Anders als an regulierten Terminbörsen läuft der Handel rund um die Uhr, auch wenn die Aktien- oder Indexmärkte geschlossen sind. Das erzeugt Kursreferenzen, die zeitweise unabhängig vom Handelsgeschehen entstehen. Wall-Street-Akteure können Positionen so außerhalb der regulären Handelszeiten absichern oder aufstocken.

Unbegrenzte Derivate konzentrieren Krypto-Märkte

Die Perpetual Futures Adoption konzentriert sich auf wenige Plattformen: Bitget, Binance, Coinbase und Trade XYZ vereinen den Großteil des Volumens auf sich. Anders als ein Terminkontrakt mit festem Verfallsdatum bleibt eine Perpetual-Position unbegrenzt offen, solange Finanzierungszahlungen geleistet werden und Sicherheiten ausreichen. Aktien-, Index- und Krypto-Hebelprodukte laufen damit über dieselbe Infrastruktur.

Wer Positionen bei einem Verwahrer statt in Selbstverwahrung hält, trägt zusätzlich das Ausfallrisiko der Plattform, ein Gewicht, das bei fremdfinanzierten Derivaten größer ist als beim Direktbesitz.

Offen bleibt, ob die CFTC die Aufsicht über diese Vermengung von Wall-Street- und Krypto-Hebelprodukten ausweitet. Wer Bitcoin in Selbstverwahrung hält, ist von Finanzierungsraten und einer Gegenpartei ohnehin unabhängig.

Wir berichteten über die regulatorische Öffnung des US-Marktes für Perpetual Futures.

Robinhood Chain: Tokenisierte Aktien zum Fünffachen angewachsen

Robinhood Chain: Tokenisierte Aktien zum Fünffachen angewachsen

Die tokenisierte Aktien Adoption auf der Robinhood Chain hat sich seit Mitte Juli 2026 verfünffacht, der Wert der gehaltenen Vermögenswerte stieg auf rund 70 Mio. US-Dollar. Allein GameStop-Token setzen täglich 26,6 Mio. US-Dollar um.

Fünftes Volumen tokenisierter Aktien

Die tokenisierte Aktien Adoption auf der Robinhood Chain hat sich innerhalb von weniger als zwei Wochen verfünffacht: Der Wert der auf der Chain gehaltenen Real-World-Assets stieg von niedrigen zweistelligen Millionenbeträgen auf rund 70 Mio. US-Dollar, wie am 25. Juli 2026 bekannt wurde. Ausgangspunkt war Mitte Juli, als Robinhood begann, tokenisierte Aktien in größerem Umfang handelbar zu machen.

Am stärksten gehandelt wird der GameStop-Token mit 26,6 Mio. US-Dollar täglichem Volumen, gefolgt von Nvidia mit 14 Mio. US-Dollar und SpaceX mit 6,4 Mio. US-Dollar. Insgesamt setzen zwölf tokenisierte Aktien täglich mehr als 500.000 US-Dollar um, fünf davon über 1 Mio. US-Dollar.

Dezentralisierte Börsen im Aufwind

Der Wertzuwachs bei der tokenisierten Aktien Adoption geht mit einem Anstieg des Handelsvolumens auf dezentralen Börsen einher. Tokenisierte Aktien erzeugen mittlerweile rund 55 Mio. US-Dollar täglichen DEX-Umsatz, die gesamte Robinhood Chain kommt auf knapp 600 Mio. US-Dollar DEX-Volumen pro Tag.

Auch der Total Value Locked, das in DeFi-Anwendungen gebundene Kapital, hat sich seit Mitte Juli auf rund 312 Mio. US-Dollar verdreifacht. Die Robinhood Chain ist ein Ethereum-Layer-2-Netzwerk auf Basis von Arbitrums Orbit-Technologie, live seit 1. Juli 2026.

Damit entsteht eine dezentralisierte Wertpapierinfrastruktur, über die Aktien-Token rund um die Uhr statt nur zu Börsenöffnungszeiten gehandelt werden. Noch dominieren Memecoins und Stablecoins das Gesamtvolumen der Chain, tokenisierte Aktien bleiben ein kleinerer Teil der Aktivität.

Blockchain-Infrastruktur für Wertpapiere

Wer ein Aktien-Token auf der Robinhood Chain hält, besitzt keine Aktie im rechtlichen Sinn, sondern einen Anspruch gegenüber Robinhood als ausgebender Stelle. Dessen Wert hängt von Solvenz und Verwahrung des Unternehmens ab, nicht von einem Eintrag im Aktienregister. Das unterscheidet tokenisierte Aktien von Bitcoin, dessen Eigentum ohne vermittelnde Instanz nachweisbar ist.

Das Wachstum zeigt, dass Nachfrage nach jederzeit handelbaren Aktien-Token besteht, losgelöst von klassischen Börsenöffnungszeiten. Damit verlagert sich ein Teil des Aktienhandels auf eine technisch dezentrale, rechtlich aber weiter zentral kontrollierte Infrastruktur.

Ob der Fünffach-Sprung bei der tokenisierten Aktien Adoption anhält oder eine kurzfristige Spitze bleibt, zeigen erst die Volumina der kommenden Wochen. Unverändert bleibt das Gegenparteirisiko der ausgebenden Plattform, ein Risiko, das bei selbstverwahrten Bitcoin-Beständen nicht existiert.

Wir berichteten über die Tokenisierung von SpaceX-Aktien über eine andere Handelsplattform.

Cardano Van Rossem Hard Fork: Smart Contract Kosten senken für Adoption

Cardano Van Rossem Hard Fork: Smart Contract Kosten senken für Adoption

Cardano hat mit dem Van Rossem Hard Fork die Smart Contract Kosten im Netzwerk gesenkt und damit den Weg für das Skalierungs-Upgrade Ouroboros Leios geebnet. Es ist der erste vollständig durch On-Chain-Governance beschlossene Hard Fork in der Geschichte des Netzwerks.

Cardano aktiviert Upgrade für Blockchain-Effizienz

Cardano hat den Van Rossem Hard Fork aktiviert und damit die Smart Contract Kosten im Netzwerk spürbar gesenkt. Der Hard Fork ist die erste vollständig durch On-Chain-Governance beschlossene Netzwerkaktualisierung in der Geschichte von Cardano. Delegierte Repräsentanten, Stake Pool Betreiber und das Verfassungskomitee stimmten im Juli 2026 gemeinsam darüber ab, nicht die Entwicklerfirma Input Output allein.

Benannt ist das Upgrade nach Max van Rossem, einem Community-Mitglied, das im Oktober 2025 verstarb. Die Cardano-Gemeinschaft entschied sich Anfang 2026 dafür, den Hard Fork ihm zu widmen. Für Nutzer und Entwickler bedeutet die Umstellung vor allem eines: Transaktionen und Smart Contracts laufen ab sofort günstiger und mit strengeren Sicherheitsvorgaben für die Ledger-Ebene. Das betrifft private wie institutionelle Entwickler gleichermaßen.

Van Rossem Hard Fork senkt Smart Contract Kosten

Der Kern des Upgrades liegt in der Plutus-Ausführung, der technischen Grundlage für Smart Contracts auf Cardano. Neue Kostenmodelle und kryptografische Funktionen senken die Rechenlast pro Transaktion und damit auch die Blockchain Transaktionsgebühren für Entwickler. Details zur Umsetzung hat die Cardano-Organisation Intersect in einem offiziellen Upgrade-Bericht veröffentlicht.

Damit reagiert Cardano auf ein bekanntes Problem vieler Smart-Contract-Plattformen: Hohe Ausführungskosten schrecken Entwickler und Nutzer gleichermaßen ab. Sinkende Smart Contract Kosten senken die Einstiegshürde für neue Anwendungen und machen häufige Interaktionen günstiger. Gleichzeitig verschärft das Upgrade die Ledger-Sicherheit vor der nächsten großen Erweiterung.

Gebühren sinken, Netzwerk-Kapazität steigt

Der Van Rossem Hard Fork ist ein Zwischenschritt und bereitet die nächste Cardano-Ära namens Dijkstra vor, in der das Skalierungsprotokoll Ouroboros Leios zum Einsatz kommen soll. Niedrigere Smart Contract Kosten und geringere Blockchain Transaktionsgebühren bilden dafür die Grundlage. Wichtig bleibt die Unterscheidung zwischen Ankündigung und Umsetzung: Leios ist noch nicht live, der Hard Fork schafft nur die Voraussetzungen dafür.

Governance-Entscheidungen wie diese verlagern Macht über Protokolländerungen von einzelnen Unternehmen auf die Gesamtheit der Token-Halter. Das ist eine Frage der Anreizsysteme, denn wer über Kosten und Regeln mitbestimmt, trägt auch die Verantwortung für die Folgen.

Bitcoin verfolgt bei Protokolländerungen den gegenteiligen Weg: Anpassungen erfordern breiten Konsens über Jahre statt einzelne Abstimmungsrunden. Diese Trägheit schützt die feste Obergrenze von 21 Mio. Bitcoin vor kurzfristigen Eingriffen und bildet den Unterschied zu experimentierfreudigeren Blockchains wie Cardano.

Wir berichteten über die vorherige Cardano-Hardfork und die Herausforderungen dezentraler Upgrade-Prozesse.

Bitcoin Hard Fork im August: Warum die eCash-Abspaltung Satoshis Coins neu verteilen will

Bitcoin Hard Fork im August: Warum die eCash-Abspaltung Satoshis Coins neu verteilen will

Paul Sztorc kündigt den Bitcoin Hard Fork eCash für den 21. August 2026 an. Die geplante Neuzuweisung von Satoshi-Coins sorgt für heftige Kritik. Ein neuer Bitcoin Hard Fork namens eCash soll am 21. August 2026 bei Block 964.000 stattfinden. Entwickler Paul Sztorc kündigte die Abspaltung Ende April an und verspricht allen BTC-Haltern einen 1:1-Airdrop. Umstritten ist vor allem die geplante Neuzuweisung von Coins, die Satoshi Nakamoto zugerechnet werden.

Sztorc kündigt Bitcoin Hard Fork eCash für Block 964.000 an

Paul Sztorc, langjähriger Bitcoin-Entwickler und Chef von LayerTwo Labs, will die Bitcoin-Blockchain kopieren und als eigenständiges Netzwerk neu starten. Die neue Chain übernimmt den Code von Bitcoin Core nahezu unverändert, nutzt weiter SHA-256 und startet mit reduzierter Mining-Difficulty. Wer zum Fork-Zeitpunkt BTC hält, erhält die gleiche Menge eCash auf der neuen Chain. Ein Coin-Splitter-Werkzeug soll die saubere Trennung beider Bestände ermöglichen.

Brisant ist die Finanzierung: Rund 600.000 neu erzeugte eCash-Einheiten auf Adressen, die dem sogenannten Patoshi-Muster und damit Satoshi Nakamoto zugerechnet werden, sollen an frühe Investoren gehen. Kritiker wie Podcaster Peter McCormack nennen das Diebstahl. Entwickler warnen zudem vor fehlender Replay-Protection, die Transaktionen ungewollt auf beiden Chains gültig machen könnte. Auch der Name kollidiert mit dem bestehenden Altcoin XEC.

Drivechains nach elf Jahren Ablehnung: BIP300 verlässt Bitcoin Core

Der eigentliche Zweck des Projekts sind Drivechains, eine Sidechain-Architektur, die Sztorc seit 2015 vorschlägt. Sieben solcher Sidechains sollen zum Start aktiv sein, darunter für Privatsphäre, Prognosemärkte und dezentrale Börsen. Der zugrunde liegende Vorschlag BIP300 trägt seit 2017 den Status eines Entwurfs und wurde nie aktiviert.

Weil der Konsens im Bitcoin-Netzwerk ausblieb, verlagert Sztorc das Experiment nun auf eine eigene Chain. Der eCash Fork August ist damit weniger ein technischer Zwang als eine Reaktion auf eine gescheiterte Governance-Debatte.

Bitcoin Hard Fork ohne Konsens: Eine Kopie sucht ihren Markt

Noch existiert der Fork nur als Ankündigung, nicht als implementiertes Netzwerk. Ob Börsen und Verwahrer den Airdrop unterstützen, entscheidet jede Plattform selbst. Erstmals treffen zudem ETFs und Firmenbilanzen wie die von Strategy auf ein Fork-Ereignis dieser Größenordnung, was Verwahrer und Emittenten zu Grundsatzentscheidungen zwingt.

Eigentumsrechte sind das Fundament jeder Geldordnung. Wer ruhende Coins per Entwicklerentscheid neu zuweist, ersetzt feste Regeln durch Ermessen und schwächt genau die Garantie, die Bitcoin wertvoll macht.

Der Markt stimmt über jeden Bitcoin Hard Fork mit Hashrate, Liquidität und Nutzung ab. Historisch sammelte sich diese ökonomische Energie stets beim Original, dessen fixes Angebot und Unveränderlichkeit niemand einseitig ändern kann.

Wir berichteten über die Block Size Wars und die ökonomische Lehre gescheiterter Bitcoin-Kopien.

 

Open USD Stablecoin: 140 Konzerne greifen Circles Milliardengeschäft an

Open USD Stablecoin: 140 Konzerne greifen Circles Milliardengeschäft an

Über 140 Konzerne wie Visa, Mastercard und Coinbase haben mit Open USD einen Stablecoin angekündigt, der Circles Geschäftsmodell direkt angreift. Die Circle-Aktie brach daraufhin zweistellig ein.

 

Warum 140 Konzerne plötzlich an einem Tisch sitzen

Ein Konsortium aus mehr als 140 Unternehmen hat am 30. Juni 2026 den Open USD Stablecoin vorgestellt, kurz OUSD. Getragen wird das Projekt von der neuen Organisation Open Standard, an der sich Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Google, Samsung, Coinbase und Ripple beteiligen.

Das bisherige Stablecoin-Modell folgt einer einfachen Logik: Ein Emittent wie Circle nimmt Dollar entgegen, gibt dafür USDC aus, kauft davon US-Staatsanleihen und behält die Zinserträge. Bei rund 73 Mrd. US-Dollar USDC im Umlauf ist das ein Milliardengeschäft für einen einzigen Emittenten.

Open USD dreht dieses Prinzip um: Fast alle Reserve-Erträge sollen nach kleiner Verwaltungsgebühr an die Partnerfirmen fließen statt an einen zentralen Emittenten. Gründungs-CEO Zach Abrams erklärte, Unternehmen benötigten für den Einsatz im großen Maßstab ein offenes, kostengünstiges System.

Wer bei Open USD wirklich die Kontrolle behält

Open USD wird ohne Gebühren für Ausgabe und Rücknahme angeboten, zusätzlich entfallen Volumenlimits. Ein Vorstand aus Partnervertretern trifft strategische Entscheidungen statt eines einzelnen Unternehmens. Das unterscheidet das Modell fundamental von USDC und USDT, wo ein Emittent allein über Reserven und Rücknahme bestimmt.

Bemerkenswert ist die Rückkehr von Coinbase in ein Konsortialmodell: 2018 Mitgründer des inzwischen aufgelösten Centre Consortium mit Circle, jetzt Partner bei Open USD. Auch Ripple ist dabei, obwohl RLUSD in denselben Zahlungsmärkten konkurriert.

Ein Investmentanalyst von Dragonfly bezeichnete die Partnerliste als echte Bedrohung für Circles Geschäft, warnte jedoch, dass Konsortien schwierig zu steuern seien und leicht zerbrechen, weil sich die Anreize von 140 Firmen selten vollständig decken.

Visa, Mastercard und Google als neue Stablecoin-Architekten

Die Marktreaktion war unmittelbar: Die Circle-Aktie brach am Ankündigungstag um über 17 Prozent ein, da mehrere neue Partner wie BlackRock zugleich zu Circles Kernpartnern zählen. Open USD ist bislang nur angekündigt, nicht implementiert. Ein festes Startdatum über 2026 hinaus gibt es nicht, der Start erfolgt zunächst nativ auf Solana.

Circle, Tether und PayPal, die drei größten Dollar-Stablecoin-Emittenten, sind nicht Teil des Konsortiums. Zur Einordnung: Paxos startete 2024 mit dem Global Dollar Network ein ähnliches Modell, das bislang nur auf rund 3 Mrd. US-Dollar Marktvolumen kam, verglichen mit Circles 73 Mrd.

Ein Stablecoin bleibt an den US-Dollar gekoppelt und unterliegt dessen Geldpolitik, unabhängig von seiner Governance. Auch ein geteiltes Reserve-Modell ändert nichts an der Anreizstruktur: Mehr Token-Menge bedeutet mehr Erträge für die Konzerne, unabhängig vom Nutzen für Endnutzer. Bitcoin kennt dagegen keinen Emittenten und keine Behörde, die Ausgabe oder Reserven kontrolliert. Die Obergrenze von 21 Mio. Einheiten lässt sich von keinem Konsortium verändern.

Wir berichteten darüber, wie die FDIC mit dem GENIUS Act bereits den regulatorischen Rahmen für Bank-Stablecoins in den USA festgezurrt hat.

 

Digitaler Euro Zeitplan: EU-Parlament ebnet den Weg, EZB entscheidet später

Digitaler Euro Zeitplan: EU-Parlament ebnet den Weg, EZB entscheidet später

Ein Ausschuss des EU-Parlaments hat mit 43 zu 14 für den digitalen Euro gestimmt. Was das für den digitaler Euro Zeitplan bedeutet und was noch aussteht.

Digitaler Euro Zeitplan: ECON-Ausschuss stimmt mit 43 zu 14, doch ein Gesetz ist es noch nicht

Der digitaler Euro Zeitplan hat eine erste parlamentarische Marke erreicht. Am 23. Juni 2026 stimmte der Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments mit 43 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung für die gesetzlichen Grundlagen. Beschlossen wurde damit eine Verhandlungsposition, kein fertiges Gesetz.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Ausschussvotum und eine in Kraft getretene Verordnung zwei verschiedene Dinge sind. Das Plenum des Parlaments muss die Position erst noch bestätigen, was im Juli erwartet wird. Erst danach beginnt die eigentliche Aushandlung mit den anderen EU-Institutionen.

Digitaler Euro Zeitplan: Vom Ausschussvotum bis zur Einigung Ende 2026

Nach der Plenumsabstimmung folgt der sogenannte Trilog, in dem EU-Parlament, EU-Rat und EU-Kommission den endgültigen Gesetzestext aushandeln. Der Rat der Mitgliedstaaten hatte sich bereits zuvor positioniert, sodass nun drei Parteien mit teils unterschiedlichen Vorstellungen an einen Tisch kommen. Eine Einigung ist bis Ende 2026 angestrebt.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt dabei bewusst offen. Die Obergrenze, wie viel digitales Zentralbankgeld eine Person halten darf, steht nicht im Gesetzestext. Stattdessen soll die EU-Kommission sie auf Empfehlung der EZB festlegen und regelmäßig überprüfen, wobei sich das Parlament ein Mitspracherecht sichert.

Als Leitplanken nennt die Ausschussposition einen ausdrücklichen Bargeldschutz und einen bargeldähnlichen Offline-Modus. Den genauen Wortlaut der Mitteilung dokumentiert das EU-Parlament auf seiner offiziellen Seite. Nach dem erklärten Ziel soll der digitale Euro das Bargeld ergänzen und nicht ersetzen.

Digitaler Euro Zeitplan: Pilot 2027, Ausgabe nicht vor 2029

Selbst wenn die Verhandlungen wie geplant Ende 2026 abgeschlossen werden, folgt keine sofortige Ausgabe. Vorgesehen ist zunächst eine zwölfmonatige Testphase ab 2027, in der die EZB die Technik unter realen Bedingungen mit Dienstleistern und Händlern prüft. Eine mögliche Ausgabe an Verbraucher gilt frühestens für 2029 als realistisch.

Die endgültige Entscheidung über die Ausgabe trifft am Ende die EZB, und zwar erst nach Verabschiedung der Verordnung. Bis dahin existiert ein Rechtsrahmen in Arbeit, aber kein ausgabefertiges Zahlungsmittel. Wer die einzelnen Stufen auseinanderhält, sieht, dass zwischen heutigem Votum und erster Zahlung noch mehrere Jahre und mehrere Hürden liegen.

Unabhängig vom Ausgang bleibt der digitale Euro ein zentral verwaltetes Geld, dessen Regeln, Haltegrenzen und Menge politisch festgelegt und später veränderbar sind. Genau hier liegt der Unterschied zu einem Geld, dessen Angebot programmatisch auf 21 Mio. Einheiten begrenzt ist und sich keiner nachtraeglichen Anpassung beugt. Wessen Wert von einer festen Knappheit statt von einer politischen Entscheidung abhaengt, folgt einer anderen Logik als jede Form von Zentralbankgeld.

Wir berichteten über die politischen Weichenstellungen beim digitalen Euro im Jahr 2026.