Inflation als Steuer: Wie der Staat über die Geldmenge kassiert

Inflation als Steuer: Wie der Staat über die Geldmenge kassiert

Inflation als Steuer beschreibt einen Wertverlust, der ohne Steuergesetz auskommt. Dieser Beitrag erklärt, wie der Staat über die Geldmenge Einnahmen erzielt und warum die Geldentwertung durch den Staat vor allem Sparer trifft.

Die verdeckte Steuer über die Geldmenge

Inflation als Steuer beschreibt einen Vorgang, der ohne Steuergesetz auskommt: Der Staat weitet die Geldmenge aus, die Preise steigen, und die Kaufkraft des vorhandenen Geldes sinkt. Dieser Wertverlust wirkt wie eine Abgabe, nur dass niemand einen Bescheid erhält.

Genau das macht die Inflation als Steuer so wirksam für den Fiskus. Sie ist indirekt, schwer zurechenbar und politisch bequemer als eine offen erhobene Abgabe.

Wie der Staat über Inflation Einnahmen erzielt

Historisch geschah diese Geldentwertung durch den Staat über die Münzverschlechterung. Regierungen verringerten den Edelmetallanteil der Münzen und behielten die Differenz zwischen Nennwert und Metallwert als Gewinn, die sogenannte Seigniorage. Der römische Denar wurde ab Nero schrittweise entwertet, und unter Heinrich VIII. sank der Silberanteil englischer Münzen bis auf rund ein Viertel.

Da jede Regierung ihr eigenes Geld unterschiedlich stark entwertet, driften nationale Währungen auseinander. Dieses national gesteuerte Geld nannte Friedrich August von Hayek monetären Nationalismus, ausführlicher in seiner Schrift von 1937. Zugleich profitiert der Staat als größter Schuldner, weil die Inflation den realen Wert seiner Schulden mindert.

Die stille Entwertung der Ersparnisse

Die Last tragen jene, deren Ansprüche nominal fixiert sind: Sparer, Bezieher fester Einkommen und langfristige Verträge. Ihr Vermögen verliert real an Wert, ohne dass formal etwas weggenommen wird. Die Österreichische Schule spricht hier von einer stillen Enteignung; das ist eine wertende Zuspitzung, kein juristischer Tatbestand.

Bitcoin ist der Gegenentwurf zu dieser Inflation als Steuer. Das Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten festgelegt, und es gibt keinen Emittenten, der den Gehalt senken oder die Menge nach Belieben ausweiten könnte. Da Bitcoin keiner Nation gehört und grenzüberschreitend gilt, steht er dem monetären Nationalismus entgegen.

Wichtig bleibt die Trennung von Theorie und Praxis. Bitcoin schließt diesen verdeckten Inflationskanal, beseitigt aber nicht die Besteuerung an sich. Ob ein festes Geldangebot langfristig die bessere Geldordnung ergibt, ist eine offene und umstrittene Frage.

Im vorherigen Bildungsartikel haben wir den Cantillon-Effekt behandelt.

Cantillon-Effekt einfach erklärt: Wer von neuer Geldmenge profitiert

Cantillon-Effekt einfach erklärt: Wer von neuer Geldmenge profitiert

Der Cantillon-Effekt einfach erklärt zeigt, dass neues Geld nicht alle gleich erreicht. Dieser Beitrag erklärt, warum die ersten Empfänger profitieren und welche Folgen der Geldausweitung Sparer und Lohnempfänger tragen.

Der Cantillon-Effekt einfach erklärt

Der Cantillon-Effekt einfach erklärt bedeutet: Neues Geld erreicht nicht alle Menschen gleichzeitig und nicht im gleichen Maß. Benannt ist er nach dem Ökonomen Richard Cantillon, der schon im 18. Jahrhundert beschrieb, dass die Folgen der Geldausweitung davon abhängen, wo das Geld zuerst in die Wirtschaft fließt.

Das widerspricht der verbreiteten Annahme, eine größere Geldmenge senke die Kaufkraft einfach gleichmäßig. Tatsächlich kommt es darauf an, wer das neue Geld zuerst in der Hand hält.

Warum Geld nicht neutral ist: Erstempfänger und Spätempfänger

Aus Sicht der Österreichischen Schule ist Geld nicht neutral. Wer es zuerst erhält, etwa Banken, große Institutionen oder der Staat, kann es noch zu alten Preisen ausgeben. Erst danach steigen die Preise nach und nach.

Die Spätempfänger tragen die Last. Lohnempfänger, Rentner und Sparer sehen höhere Preise, bevor ihr eigenes Einkommen nachzieht, und verlieren so an Kaufkraft. Den Mechanismus erklärt das Mises Institute ausführlicher. Häufig steigen dabei Vermögenspreise wie Aktien und Immobilien schneller als Löhne, was bestehende Vermögen begünstigt.

Cantillon, Hayek und Bitcoins regelbasiertes Angebot

Der Cantillon-Effekt zeigt, dass die Folgen der Geldausweitung weniger in einem höheren Durchschnittspreis liegen als in einer stillen Umverteilung. Friedrich August von Hayek baute diese Einsicht in seine Konjunkturtheorie ein: Verzerrte relative Preise lenken Produktion und Investitionen in die falsche Richtung.

Dass dabei gezielt die Staatsquote steigt, ist die Lesart der Österreichischen Schule, die den Staat als frühen Empfänger neuen Geldes über die Defizitfinanzierung sieht. Das ist ein Argument, kein mechanisches Gesetz, und sollte als solches verstanden werden.

Bitcoin setzt dem ein regelbasiertes Angebot entgegen. Die Ausgabe neuer Einheiten ist fest vorgegeben, sinkt planmäßig und endet bei 21 Mio.; keine Instanz kann die Geldmenge nach Belieben ausweiten oder Empfänger bevorzugen. Auch hier entsteht neues Angebot zwar an einem Punkt, nämlich bei den Minern, doch der Vorgang ist transparent, fix und auslaufend.

Wichtig bleibt die Trennung von Theorie und Praxis: Der Cantillon-Effekt beschreibt eine Tendenz, deren genaue Verteilung empirisch schwer messbar ist. Bitcoin verändert die Anreizlage, hebt einen Erstempfängervorteil aber nicht vollständig auf.

Im vorherigen Bildungsartikel haben wir Bankrun und Einlagensicherung behandelt.

Mehr als die Hälfte aller Bitcoin im unrealisierten Verlust: Was die On-Chain-Daten zeigen

Mehr als die Hälfte aller Bitcoin im unrealisierten Verlust: Was die On-Chain-Daten zeigen

Erstmals in diesem Zyklus liegen mehr Bitcoin im unrealisierten Verlust als im Gewinn. Die On-Chain-Daten beschreiben eine Stresszone, kein bestätigtes Bodensignal.

In Kürze

  • Rund 10,5 Mio. Bitcoin liegen im unrealisierten Verlust, mehr als die Hälfte aller Coins.
  • Erstmals in diesem Zyklus übersteigt der Verlust-Anteil die Coins im Gewinn (rund 9,8 Mio.).
  • Das Signal markiert eine Stresszone, keinen bestätigten Boden.

Mehr als die Hälfte aller Bitcoin wird derzeit im unrealisierten Verlust gehalten. Stand 4. Juni 2026 zeigen die On-Chain-Daten rund 10,5 Mio. Coins unter ihrer Kostenbasis. Erstmals in diesem Zyklus liegen damit mehr Bitcoin im Verlust als im Gewinn.

10,5 Mio. Coins im unrealisierten Verlust: was die On-Chain-Daten messen

Ein Coin gilt als im Verlust, wenn der aktuelle Preis unter dem Preis liegt, zu dem er zuletzt bewegt wurde. Bei rund 20 Mio. umlaufenden Bitcoin stehen etwa 10,5 Mio. unter Wasser, die Coins im Gewinn sind auf rund 9,8 Mio. gefallen.

Ausgelöst hat das ein Rückgang des Preises auf etwa 61.300 US-Dollar, womit Bitcoin den 200-Wochen-Durchschnitt berührte. Diese Marke wurde in jedem früheren Bärenmarkt erreicht. Die Daten stammen von Glassnode und sind dort einsehbar. Begleitet wird der Rückgang von Abflüssen aus den Bitcoin-ETFs an 13 Handelstagen in Folge.

On-Chain-Daten machen den unrealisierten Verlust für jeden nachprüfbar

Der unrealisierte Verlust ist keine Schätzung einer Behörde, sondern aus der Blockchain ablesbar. Jede Transaktion trägt einen Zeitstempel und einen Preis, daraus lässt sich für jeden Coin bestimmen, ob er über oder unter seiner Kostenbasis liegt.

Diese Transparenz unterscheidet Bitcoin von staatlichem Geld. Bei Fiat gibt es keine vergleichbare, offene Bilanz darüber, wie viele Einheiten unter welcher Kostenbasis gehalten werden. Beim Bitcoin kann jeder die Verteilung selbst nachrechnen, ohne auf eine zentrale Meldestelle angewiesen zu sein.

Unrealisierter Verlust bei Bitcoin in vier Zyklen unterschiedlich lang

Dass über die Hälfte der Coins im unrealisierten Verlust liegt, beschreibt einen Zustand, kein Timing. In früheren Zyklen trat diese Lage rund um die Tiefs von 2015, 2019, März 2020 und 2022 auf, die Dauer schwankte aber stark. 2015 hielt sie fast ein Jahr an, 2019 und 2022 jeweils etwa sechs Monate, im März 2020 nur rund einen Monat.

Ein Boden ist erst im Nachhinein erkennbar, das Überholen der Verlust-Coins beweist ihn nicht. Festhalten lässt sich nur die nüchterne Datenlage, die historische Deutung als Bodensignal bleibt eine Interpretation. Unverändert bleibt davon das Angebot. Bitcoin hat eine fest programmierte Obergrenze von 21 Mio. Einheiten, die kein Kursverlauf und keine zentrale Stelle verändern kann. Der unrealisierte Verlust spiegelt die Stimmung der Käufer, nicht eine Schwäche des Geldes selbst.

Wir berichteten über einen weiteren On-Chain-Indikator, der in der Vergangenheit jeden Zyklusboden markierte.

Bankrun und Einlagensicherung: Versprechen und Realität

Bankrun und Einlagensicherung: Versprechen und Realität

Bankrun und Einlagensicherung gehören zusammen: Der gesetzliche Schutz soll den Ansturm auf die Bank verhindern. Dieser Beitrag zeigt, wo das Versprechen endet und was im Ernstfall von der Einlagensicherung übrig bleibt.

Wie der gesetzliche Einlagenschutz funktioniert

Bankrun und Einlagensicherung gehören zusammen: Die Sicherung ist das Versprechen, das einen Ansturm auf die Bank verhindern soll. In Deutschland sind Einlagen gesetzlich bis 100.000 Euro je Kunde und Bank geschützt, in Sonderfällen für sechs Monate bis 500.000 Euro.

Wichtig ist die Natur dieses Schutzes. Es handelt sich um einen Rechtsanspruch gegen einen begrenzt gefüllten Sicherungsfonds, nicht um hinterlegtes Bargeld. Die Bedingungen erklärt die BaFin im Detail. Der Anspruch greift zudem erst im Entschädigungsfall, also nachdem die Bank geschlossen wurde.

Bankrun: Wenn alle gleichzeitig ihr Geld wollen

Da Banken nur einen Bruchteil der Einlagen als Reserve halten, kann keine Bank alle Kunden gleichzeitig auszahlen. Verlangen zu viele Sparer auf einmal ihr Guthaben, entsteht ein Bankrun, und die Sicherung muss das Versprechen einlösen.

Hier zeigt sich die Lücke zwischen Versprechen und Realität. Eine Garantie sichert den nominalen Betrag, sie schafft aber keine sofortige Liquidität. Geschützt bedeutet nicht verfügbar: Wer im Ernstfall nicht an sein Geld kommt, dem nützt der spätere Anspruch wenig.

Griechenland 2015: Die Einlagensicherung im Realitätstest

Der griechische Bankrun von 2015 führt das vor. Ende Juni schloss die Regierung die Banken und begrenzte Abhebungen per Dekret auf 60 Euro pro Tag und Karte; nach der Wiedereröffnung galt ein Wochenlimit von 420 Euro. Die Guthaben blieben nominal geschützt, der Zugriff war es nicht.

Damit ist die Trennung klar: In der Theorie steht ein voller Schutz, in der Empirie steht eine Obergrenze von 60 Euro am Tag. Die Österreichische Schule verweist auf das Gegenparteirisiko jeder Bankeinlage, denn eine Einlage ist eine Forderung gegen die Bank, kein Eigentum am Geld selbst.

Bitcoin ist der Gegenentwurf zu diesem Risiko. Das Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten begrenzt, und wer Bitcoin selbst verwahrt, hält das Gut unmittelbar, ohne Intermediär, der den Zugriff beschränken oder ein Abhebungslimit verhängen könnte. Ein Sicherungsfonds wird damit überflüssig.

Die Trennung von Theorie und Praxis bleibt wichtig: Eigenverwahrung verlagert die Verantwortung auf den Einzelnen, der seine Schlüssel sichern muss. Sie beseitigt das Gegenparteirisiko der Bank, ersetzt es aber durch die Pflicht zur sorgfältigen eigenen Verwahrung.

Im vorherigen Bildungsartikel haben wir den Fiat-Standard und die Geldschöpfung der Banken behandelt.

Euro-Stablecoin: 37 Banken planen tokenisiertes Fiat unter Lizenzvorbehalt

Euro-Stablecoin: 37 Banken planen tokenisiertes Fiat unter Lizenzvorbehalt

Das Konsortium Qivalis hat einen Euro-Stablecoin von 37 Banken angekündigt. Gestartet ist davon nichts, der Plan steht unter dem Vorbehalt einer behördlichen Lizenz.

In Kürze

  • 37 europäische Banken bündeln im Konsortium Qivalis einen geplanten Euro-Stablecoin.
  • Der Token ist noch nicht gestartet und braucht eine Lizenz der niederländischen Zentralbank DNB.
  • Als tokenisiertes Fiat erbt er die Eigenschaften des Euro, anders als das knappe Bitcoin.

Einen Euro-Stablecoin von 37 Banken hat das Konsortium Qivalis am 20. Mai 2026 angekündigt. Die Gruppe umfasst Institute aus 15 Ländern. Gestartet ist davon nichts, der Plan steht unter dem Vorbehalt einer behördlichen Lizenz.

37 Banken, ein Euro-Stablecoin, eine zentrale Aufsichtsstruktur

Hinter dem geplanten Euro-Stablecoin stehen Banken wie ABN Amro, Intesa Sanpaolo, ING und die Raiffeisen Bank International. Träger ist die in Amsterdam ansässige Gesellschaft Qivalis, die als E-Geld-Institut von der niederländischen Zentralbank DNB zugelassen werden will. Erst nach dieser Genehmigung soll der Token in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgegeben werden.

Der Token soll im Verhältnis 1:1 gedeckt sein, mindestens 40 % über Bankeinlagen, der Rest über liquide Anleihen. Das berichtet die beteiligte CaixaBank. Jeder Baustein, also Emittent, Lizenzgeber und Verwahrer, ist ein zentraler Punkt, an dem ein Konto gesperrt werden kann.

Euro-Stablecoin der Banken gegen die Dollar-Dominanz im Stablecoin-Markt

Das erklärte Ziel ist die Dollar-Dominanz im Stablecoin-Markt. Rund 98 % aller Stablecoins sind an den US-Dollar gekoppelt, der größte Euro-Stablecoin liegt bei nur etwa 434 Mio. US-Dollar. Mit dem Euro-Stablecoin der Banken will Europa diese Lücke schließen.

Eine Ankündigung von 37 Banken ist aber noch keine Akzeptanz im Markt. Der Token muss erst zugelassen, ausgegeben und tatsächlich genutzt werden. Der geplante digitale Euro der EZB ist davon zu trennen, denn er ist Zentralbankgeld und soll erst gegen Ende des Jahrzehnts kommen.

Euro-Stablecoin der Banken erbt jede Schwäche des Euro

Der Euro-Stablecoin der Banken erbt jede Eigenschaft des Euro, auf den er lautet. Ein Stablecoin ist tokenisiertes Fiat, eine digitale Hülle für staatliches Geld. Verliert der Euro an Kaufkraft, verliert auch der Token an Kaufkraft.

An der Geldmenge ändert die Tokenisierung nichts, die Zentralbank kann den Euro weiter ausweiten. Hinzu kommt die Kontrolle, denn wer den Token ausgibt und verwahrt, kann ihn sperren und Adressen ausschließen. Genau hier zeigt sich der Unterschied zu Bitcoin mit seinem fest programmierten Angebot von 21 Mio. Einheiten ohne zentrale Stelle. Ein Euro-Stablecoin digitalisiert das bestehende Geld samt seiner Schwächen, Bitcoin setzt dem ein knappes und erlaubnisfreies Geld entgegen.

Wir berichteten über die Forderung der Bundesbank nach Euro-Stablecoins gegen die Dollar-Dominanz.

Fiat-Standard und Geldschöpfung: Wie Banken die Geldmenge ausweiten

Fiat-Standard und Geldschöpfung: Wie Banken die Geldmenge ausweiten

Im Fiat-Standard entsteht der größte Teil des Geldes nicht in der Notenpresse, sondern in den Bilanzen der Geschäftsbanken. Dieser Beitrag erklärt die Geldschöpfung im Fiat-Standard, das Teilreserve-System und das daraus folgende Risiko eines Bankruns.

Der Fiat-Standard und die Ausweitung der Geldmenge

Die Geldschöpfung im Fiat-Standard folgt einer einfachen Grundlogik: Die Geldmenge ist nicht fix, sondern wird laufend ausgeweitet. Den größten Anteil daran haben nicht die Zentralbanken, sondern die Geschäftsbanken.

Anders als beim Gold- und Silber-Standard steht hinter jeder Geldeinheit keine knappe Ware mehr. Geld entsteht im Fiat-Standard durch Kreditvergabe, und genau das macht die Geldmenge politisch und unternehmerisch dehnbar.

Wie Banken im Teilreserve-System Geld schöpfen

Im Teilreserve-System hält eine Bank nur einen Bruchteil der Einlagen als Reserve und reicht den Rest als Kredit aus. Schon dadurch wächst die umlaufende Geldmenge über die ursprünglich eingezahlten Mittel hinaus.

Die Vorstellung, Banken würden die Ersparnisse der Sparer schlicht weiterverleihen, ist dabei ein vereinfachtes Modell. Die Bank of England hat 2014 klargestellt, dass es in der Praxis umgekehrt läuft: Vergibt eine Bank einen Kredit, schreibt sie dem Kreditnehmer eine neue Einlage gut und schafft damit neues Geld. Die Mechanik beschreibt die Studie Money Creation in the Modern Economy. Für den Sparer heißt das: Seine Einlage ist eine Forderung an die Bank, kein hinterlegter Bestand.

Bankrun: Die strukturelle Fragilität des Systems

Weil nur ein Bruchteil der Einlagen als Reserve vorliegt, kann keine Bank alle Kunden gleichzeitig auszahlen. Verlangen zu viele Sparer auf einmal ihr Geld, entsteht ein Bankrun, und im Insolvenzfall sind ungesicherte Einlagen bedroht. In der Praxis wird dieses Risiko durch staatliche Einlagensicherung, in der EU üblicherweise bis 100.000 Euro je Kunde und Bank, sowie durch die Zentralbank als Kreditgeber letzter Instanz abgefedert. Diese Sicherungssysteme verfügen jedoch über begrenzte Mittel und stoßen bei systemweiten Krisen an ihre Grenzen.

Hier setzt die Kritik der Österreichischen Schule an. Ludwig von Mises sah in der ungedeckten Kreditausweitung eine Ursache wiederkehrender Konjunkturzyklen, Murray Rothbard hielt das Teilreserve-System für strukturell instabil. Wichtig bleibt die Trennung von Theorie und Praxis: Die Fragilität ist real, ein flächendeckender Zusammenbruch aber dank der genannten Sicherungen die Ausnahme.

Bitcoin ist die logische Gegenposition zu dieser Geldschöpfung. Das Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten begrenzt und lässt sich nicht durch Kredit vermehren. Wer Bitcoin selbst verwahrt, hält keinen Anspruch gegen eine Bank, sondern das Gut selbst, sodass auf der Protokollebene kein Bankrun möglich ist. Ob dieses Modell ein kreditbasiertes Bankensystem ersetzen kann, ist offen und bleibt eine Frage der Praxis, nicht allein der Theorie.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über den Gold- und Silber-Standard.