Bitcoin Kurssturz und Bodensuche: Zwischen 35.000 und 78.000 sind sich Analysten uneinig

Bitcoin Kurssturz und Bodensuche: Zwischen 35.000 und 78.000 sind sich Analysten uneinig

Der Bitcoin Kurssturz drückte den Preis am 2. Juni unter 68.000 US-Dollar. Auslöser war Strategys erster Verkauf seit 2022, verstärkt durch die größten ETF-Abflüsse des Jahres.

Der Bitcoin Kurssturz hat den Preis am 2. Juni unter 68.000 US-Dollar gedrückt, rund 45 Prozent unter das Allzeithoch vom Oktober 2025. Auslöser war ein Verkauf des größten Unternehmenshalters, verstärkt durch anhaltende Mittelabflüsse. Wo der Boden liegt, beantworten Analysten höchst unterschiedlich.

Bitcoin Kurssturz: 32 BTC bewegen einen Bestand von 843.706

Strategy, früher MicroStrategy, verkaufte zwischen dem 26. und 31. Mai 32 BTC zu durchschnittlich 77.135 US-Dollar und nahm damit rund 2,5 Mio. US-Dollar ein. Es war der erste offengelegte Verkauf seit 2022.

Das Unternehmen legte den Vorgang am 1. Juni in einer Pflichtmitteilung bei der SEC offen. Gemessen am Bestand von 843.706 BTC entspricht der Verkauf 0,0038 Prozent. Der Erlös dient der Dividende auf die STRC-Vorzugsaktie, nicht einem Rückzug aus Bitcoin.

Saylor hatte einen solchen Schritt bereits im Quartalsbericht angedeutet. Trotzdem reagierte der Markt auf die Schlagzeile, nicht auf die Größe: Der symbolische Bruch mit dem Versprechen, niemals zu verkaufen, wog schwerer als die Zahl.

ETF-Abflüsse verstärken den Bitcoin Kurssturz

Den Verkauf traf ein ohnehin schwaches Umfeld. Die US-amerikanischen Bitcoin-ETFs verzeichneten im Mai Nettoabflüsse von rund 2,4 Mrd. US-Dollar, den größten Monatswert des Jahres. Zeitweise flossen an zehn Handelstagen in Folge Mittel ab.

Als der Preis die Marke von 70.000 US-Dollar verlor, lösten gehebelte Positionen eine Liquidationswelle von über einer Milliarde US-Dollar aus, weit überwiegend auf der Long-Seite. Hinzu kamen makroökonomische Belastungen: eine straffe Geldpolitik der US-Notenbank, ein festerer US-Dollar und geopolitische Risiken rund um den Nahen Osten.

Der Bitcoin Kurssturz war damit weniger ein einzelnes Ereignis als das Zusammentreffen mehrerer Kräfte. Mehrere Analysten werten das hohe Handelsvolumen als Verteilung, nicht als Akkumulation.

Bodensuche nach dem Bitcoin Kurssturz: 35.000 bis 78.000

Bei der Frage nach dem Boden gehen die Einschätzungen weit auseinander:

  • Charttechnisch nennen mehrere Dienste 65.000 US-Dollar als nächste Unterstützung.
  • Eine Rückeroberung der Zone um 76.000 US-Dollar gilt als Voraussetzung für eine Erholung Richtung 78.000 US-Dollar.
  • Am unteren Rand stehen Projektionen von 38.000 oder sogar 35.000 US-Dollar, die ihre Urheber ausdrücklich als Extremfall kennzeichnen.

Diese Spanne zeigt vor allem eines: Ein Preisboden lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, weil er von Stimmung, Hebel und Kapitalströmen abhängt. Entscheidender ist die strukturelle Ebene darunter.

Der Verkauf einer fremdfinanzierten Unternehmensbilanz folgt einer Dividendenpflicht in US-Dollar, also einer Verbindlichkeit in einer Währung mit beliebig ausweitbarem Angebot. Das Angebot von Bitcoin bleibt davon unberührt und bei 21 Mio. Einheiten begrenzt. Wer den Bitcoin Kurssturz allein in US-Dollar misst, misst die schwächere Seite der Gleichung.

Die robustere Frage ist nicht, wo der Boden in einer entwertbaren Währung liegt, sondern wer in dieser Phase Angebot abgibt und wer es dauerhaft in die Selbstverwahrung nimmt.

Mehr dazu: Saylor STRC Änderung: Strategy stellt Dividenden auf halbmonatlich um

Grenznutzen bei Bitcoin: Wie der individuelle Nutzen den Geldwert bestimmt

Grenznutzen bei Bitcoin: Wie der individuelle Nutzen den Geldwert bestimmt

Der Grenznutzen bei Bitcoin zeigt, dass der Wert von Geld nicht im Gegenstand selbst liegt, sondern im individuellen Nutzen, den ihm jeder Einzelne beimisst. Der Beitrag erklärt die subjektive Werttheorie, ordnet Knappheit und Geldwert ein und überträgt das Prinzip auf Bitcoin als elektronisches Geld.

Wert entsteht im Auge des Einzelnen, und jeder Tausch stellt beide Seiten besser

Der Grenznutzen bei Bitcoin erklärt, warum der Wert von Geld nicht im Gegenstand selbst liegt, sondern im Nutzen, den ein Einzelner ihm beimisst. Wer etwas zu einem festen Preis kauft, bewertet das Gut höher als den gezahlten Betrag, sonst käme der Tausch nicht zustande.

Wert ist keine feste Eigenschaft eines Gutes, sondern das Ergebnis einer individuellen Bewertung. Dasselbe Gut besitzt für verschiedene Menschen einen unterschiedlichen Wert, weil jeder es in eine eigene Rangordnung seiner Bedürfnisse einordnet.

Carl Menger zeigte bereits 1871, dass beim freiwilligen Tausch keine gleichwertigen Dinge den Besitzer wechseln. Beide Seiten geben etwas ab, das sie geringer schätzen, und erhalten etwas, das sie höher schätzen. Aus diesem Grund verbessert ein freiwilliger Tausch die Lage beider Beteiligten zugleich.

Der Käufer zahlt einen Preis, der unter seiner eigenen Wertschätzung liegt, während der Verkäufer einen Betrag erhält, der über seiner Wertschätzung liegt. Geld ist in dieser Logik kein neutraler Vermittler, sondern selbst ein Gut, dessen Wert aus der Bewertung der Handelnden hervorgeht.

Subjektiver Wert statt objektiver Preis

Der Preis ist nicht die Ursache des Wertes, sondern dessen sichtbares Ergebnis am Markt. Der Wert eines Gutes ergibt sich nicht aus den Kosten seiner Herstellung, sondern aus seinem Nutzen für den jeweiligen Verwender.

Entscheidend ist dabei nicht der Gesamtnutzen, sondern der Grenznutzen, also der Nutzen der zuletzt eingesetzten Einheit. Mit jeder zusätzlichen Einheit eines Gutes sinkt dieser Grenznutzen, weil zuerst die dringendsten Bedürfnisse befriedigt werden.

Die subjektive Werttheorie, die Carl Menger in seinen Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre entwickelte, erklärt, warum ein Gut umso höher bewertet wird, je knapper es im Verhältnis zu den Bedürfnissen ist. Bitcoin fügt sich in dieselbe Logik ein, denn sein Wert wird nicht von einem Staat festgelegt, sondern von den Menschen bestimmt, die ihn als elektronisches Geld ohne zwischengeschaltete Instanz nutzen wollen.

Knappheit, Grenznutzen und der Geldwert bei Bitcoin

Knappheit ist die Voraussetzung dafür, dass ein Gut überhaupt einen Geldwert tragen kann. Bei Gold beruht diese Knappheit nicht unmittelbar auf den hohen Förderkosten, sondern auf dem geringen jährlichen Zuwachs im Verhältnis zum vorhandenen Bestand.

Die aufwendige Förderung begrenzt diesen Zufluss und hält die Knappheit über lange Zeiträume stabil. Bitcoin überträgt dieses Prinzip in eine programmatische Form, denn das Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten festgelegt und durch Proof-of-Work gesichert. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Knappheit und bloßer Seltenheit, denn die Begrenzung folgt nicht der Natur, sondern einer überprüfbaren Regel.

Der Grenznutzen bei Bitcoin verbindet damit zwei Ebenen: die subjektive Bewertung des Einzelnen und die feste Begrenzung des Angebots. Aus Sicht der Österreichischen Schule entsteht der Wert eines Geldes nicht aus seiner Substanz, sondern aus dem Nutzen, den die Handelnden ihm beimessen, wie es Carl Menger mit der subjektiven Werttheorie begründete.

Weil das Angebot von Bitcoin nicht ausgeweitet werden kann, lässt sich der Grenznutzen einer vorhandenen Einheit nicht durch zusätzliche Ausgabe verwässern.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über den Gold- und Silber-Standard und den Vergleich mit Bitcoin.

Bitcoin Bundesverband reicht Petition für den Erhalt der Haltefrist beim Bundestag ein

Bitcoin Bundesverband reicht Petition für den Erhalt der Haltefrist beim Bundestag ein

Der Bitcoin Bundesverband geht mit einer Bundestagspetition gegen die geplante Streichung der einjährigen Haltefrist vor. Die Eingabe wurde am 30. Mai eingereicht und liegt nun zur Prüfung beim Petitionsausschuss. Erst nach der Freischaltung Mitte Juni beginnt die entscheidende Phase der Mitzeichnung.

Der Bitcoin Bundesverband hat eine Bundestagspetition zum Erhalt der einjährigen Haltefrist eingereicht. Die Vorlage ging am 30. Mai 2026 offiziell beim Deutschen Bundestag ein.

Sie liegt nun zur Prüfung bei der Petitionskommission. Mit dem Schritt reagiert der Verband auf die Reformpläne der Bundesregierung, Krypto-Gewinne unabhängig von der Haltedauer zu besteuern.

Bitcoin Bundesverband fordert den unveränderten Paragraf 23 EStG

Die Petition trägt den Titel „Erhalt der steuerlichen Haltefrist für private Veräußerungsgeschäfte mit Kryptowerten“. Sie fordert den Bundestag auf, die Regelung nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz unverändert zu lassen.

Konkret soll die einjährige Haltefrist erhalten bleiben. Die Steuerfreiheit nach Ablauf der Frist soll nicht entfallen, die Einordnung als andere Wirtschaftsgüter bestehen bleiben. Diese Einordnung stellt Bitcoin steuerlich mit Edelmetallen oder Fremdwährungen gleich.

Damit richtet sich der Vorstoß gegen die Absicht, Veräußerungsgewinne dauerhaft zu besteuern. Den Wortlaut dokumentiert der Bitcoin Bundesverband in einer Mitteilung vom 1. Juni. Formal betrifft die Eingabe alle Kryptowerte, der Schwerpunkt liegt jedoch klar auf Bitcoin.

Hinter der Petition steht die Taskforce des Bitcoin Bundesverbands

Erarbeitet wurde die Petition in der Taskforce Haltefrist, die der Bitcoin Bundesverband im Mai gegründet hat. Mit der Einreichung beginnt die formale Prüfung durch die Petitionskommission des Bundestages.

Diese Prüfung dauert nach Angaben des Verbands rund zwei bis drei Wochen. Eine Entscheidung über die Freischaltung wird für Mitte Juni erwartet.

Erst danach startet die sechswöchige Mitzeichnungsfrist. Als wichtige Schwelle gilt eine Marke von 30.000 Mitzeichnungen, ab der ein Anliegen parlamentarisch sichtbarer wird.

Parallel wurde die Informationsplattform prohaltefrist.de aufgebaut. Sie soll mit der Freischaltung der Petition online gehen.

Bitcoin Bundesverband stellt sich gegen die dauerhafte Steuerpflicht

Eine eingereichte Petition ist kein verabschiedetes Gesetz und keine bereits freigeschaltete öffentliche Eingabe. Über die künftige Besteuerung entscheidet weiterhin der Gesetzgeber im Rahmen des Haushalts 2027.

Die einjährige Frist ist kein zufälliges Schlupfloch, sondern ein Anreiz, Vermögen langfristig zu halten statt kurzfristig zu handeln. Eine dauerhafte Steuerpflicht verschiebt dieses Anreizsystem zugunsten des schnellen Verkaufs.

Dahinter liegt ein strukturelles Muster. Ein Geldsystem mit beliebig vermehrbarer Geldmenge und steigenden Schulden greift mit der Zeit auf jene Werte zu, die sich der Entwertung entziehen.

An der festen Obergrenze von 21 Mio. Bitcoin ändert kein nationaler Steuerrahmen etwas, wohl aber an der Frage, wo geduldiges Sparen noch belohnt wird.

Wir berichteten über die Ablehnung des Grünen-Antrags zur Haltefrist im Finanzausschuss des Bundestages.

PlanB On-Chain Analyse sieht den Bitcoin-Zyklusboden noch nicht bestätigt

PlanB On-Chain Analyse sieht den Bitcoin-Zyklusboden noch nicht bestätigt

Die PlanB On-Chain Analyse hält den Boden des laufenden Bitcoin-Zyklus für noch nicht bestätigt. Nach dem Mai-Schluss um 73.500 US-Dollar sieht der Analyst eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für tiefere Kurse. Was seine Bewertungsbänder messen und wo ihre Grenzen liegen.

Die PlanB On-Chain Analyse kommt zu dem Schluss, dass der Boden des laufenden Bitcoin-Zyklus noch nicht bestätigt ist. Bezugspunkt ist der Mai-Schluss bei rund 73.500 US-Dollar. Im Oktober 2025 hatte Bitcoin sein Allzeithoch bei rund 126.000 US-Dollar erreicht.

Hinter dem Pseudonym PlanB steht ein bekannter Bitcoin-Analyst. Er hält einen Rückgang unter die Marken seiner langfristigen Modelle für wahrscheinlicher als eine bereits abgeschlossene Bodenbildung.

PlanB On-Chain Analyse misst Bitcoin an der 200-Wochen-Linie

Im Zentrum der PlanB On-Chain Analyse steht die 200-Wochen-Linie. Sie ist der gleitende Durchschnitt der wöchentlichen Schlusskurse über die vergangenen 200 Wochen und glättet kurzfristige Ausschläge.

PlanB verortet diese Linie aktuell bei rund 61.000 US-Dollar. In früheren Bärenmärkten diente sie wiederholt als Auffangzone, an der Korrekturen endeten.

Solange Bitcoin darüber notiert, gilt der langfristige Trend in seiner Lesart als intakt. Ein nachhaltiger Bruch darunter wäre in der bisherigen Geschichte die Ausnahme.

Die PlanB On-Chain Analyse liest den Zyklus über Bewertungsbänder

Neben dem Vierjahresdurchschnitt nutzt die PlanB On-Chain Analyse den Realized Price. Dieser Wert bildet den durchschnittlichen Einstandspreis aller Coins ab, bewertet zum Kurs ihrer jeweils letzten Bewegung in der Blockchain.

PlanB verortet ihn bei rund 53.000 US-Dollar. Er markiert grob die Schwelle zwischen kollektivem Buchgewinn und Buchverlust.

Seine Auswertung stellte er nach dem Mai-Schluss auf X vor. Ein drittes Band misst, welcher Anteil der Coins im Gewinn liegt, und dient als Stimmungsmesser.

Aus dem Zusammenspiel dieser Bänder leitet PlanB ab, dass der Bitcoin-Zyklusboden eher unterhalb der aktuellen Kurse zu erwarten ist. Das Februar-Tief bei rund 60.000 US-Dollar wäre damit nicht zwingend der Schlusspunkt.

PlanB On-Chain Analyse trennt Messung von Prognose

An dieser Stelle ist eine Unterscheidung entscheidend. Die Modelle messen vergangene und aktuelle Daten, eine Vorhersage künftiger Kurse leisten sie nicht.

Das ebenfalls von PlanB stammende Stock-to-Flow-Modell zeigt diese Grenze. Seine Projektion eines Durchschnittspreises um 500.000 US-Dollar für die laufende Halving-Periode hat sich klar von der tatsächlichen Entwicklung entfernt.

Belastbarer als jede Kursmarke ist die Logik dahinter. Bitcoins Angebot ist auf 21 Mio. Einheiten begrenzt, das neue Angebot halbiert sich alle vier Jahre durch das Halving.

Diese feste Regel erzeugt wiederkehrende Muster, die ein Fiat-Geld mit politisch steuerbarer Geldmenge nicht abbilden kann. Für langfristig orientierte Halter zählt diese Knappheit, nicht der exakte Boden eines einzelnen Zyklus.

Wir berichteten über die 200-Wochen-Linie und Adam Backs gegenteilige Lesart des Aufwärtstrends.

Gold- und Silber-Standard: Vom Gebrauchswert zum Bitcoin-Vergleich

Gold- und Silber-Standard: Vom Gebrauchswert zum Bitcoin-Vergleich

Der Gold- und Silber-Standard zeigt, dass Geld nicht aus einem einzelnen Metall bestehen muss, sondern aus dem Gut mit der höchsten Marktfähigkeit hervorgeht. Edelmetalle besitzen neben ihrer Geldfunktion einen industriellen Gebrauchswert, weshalb das oft erhobene Argument der Verschwendung zu kurz greift. Gleichzeitig können Gold und Silber als parallele Geldformen nebeneinander bestehen. Dieser Artikel ordnet beide Punkte ein und führt zum Vergleich mit Bitcoin.

Warum Gold als Geld nicht verschwendet wird

Ein häufiger Einwand gegen Edelmetallgeld lautet, dass Förderung und Lagerung von Gold Ressourcen binden, die anderweitig produktiver eingesetzt werden könnten. Dieser Einwand übersieht, dass Gold neben seiner Geldfunktion einen realen industriellen Gebrauchswert besitzt.

Rund 14 Prozent der jährlichen Goldnachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen, etwa in der Elektronik, der Zahnmedizin und der Luft- und Raumfahrt. Gold leitet Strom hervorragend, korrodiert nicht und bleibt über lange Zeiträume verarbeitbar. Aus dieser Perspektive wird Gold nicht verschwendet, sondern erfüllt mehrere Funktionen zugleich.

Die Bewertung als Verschwendung bleibt allerdings eine geldtheoretische Position und kein objektiver Befund, weil sich Opportunitätskosten unterschiedlich gewichten lassen. Festzuhalten ist der Fakt, dass Gold über einen messbaren Gebrauchswert verfügt, der unabhängig von seiner Rolle als Geld existiert.

Der parallele Gold- und Silber-Standard

Der Gold- und Silber-Standard musste historisch nicht auf ein einziges Metall festgelegt sein. Über lange Zeiträume liefen Gold- und Silbermünzen nebeneinander um, in Deutschland gesetzlich sogar bis 1907. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem fixierten und einem parallelen Standard. Beim fixierten Bimetallismus schrieb der Staat ein festes Tauschverhältnis vor, etwa 16 zu 1 in den Vereinigten Staaten.

Sobald dieses amtliche Verhältnis vom Marktpreis abwich, verdrängte das überbewertete Metall das unterbewertete aus dem Umlauf, ein Vorgang, der als Greshamsches Gesetz bekannt ist. Ein funktionierender paralleler Standard verzichtet daher auf eine staatliche Fixierung und lässt das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber frei am Markt schwanken.

Die Geschichte des Edelmetallgeldes zeigt diese Mechanik im Detail. Der Gold- und Silber-Standard belegt damit, dass mehrere Geldformen koexistieren können, solange kein zentraler Eingriff ihr Verhältnis verzerrt.

Der Gold-Silber-Standard und die Lehre der Österreichischen Schule

Der Gold- und Silber-Standard verdeutlicht ein Grundprinzip der Österreichischen Schule: Welches Gut sich als Geld durchsetzt, entscheidet nicht der Staat, sondern die Marktfähigkeit.

Carl Menger bezeichnete diese Eigenschaft als Absatzfähigkeit und beschrieb damit, wie leicht ein Gut über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg wieder veräußert werden kann. Edelmetalle setzten sich durch, weil ihre Absatzfähigkeit die anderer Waren übertraf, nicht weil eine Behörde sie dazu bestimmte.

Carl Menger beschreibt es so:

Das Geld ist kein Product des Uebereinkommens der wirthschaftenden Menschen, oder gar das Product legislativer Acte.

Aus dieser Logik ergibt sich auch der Bitcoin Gold Vergleich. Bitcoin tritt mit denselben Geldeigenschaften an, die Gold im Gold- und Silber-Standard erfüllte, und ergänzt sie um eine programmatisch fixierte Obergrenze von 21 Mio. Einheiten. Anders als Gold besitzt Bitcoin jedoch keinen industriellen Gebrauchswert, sondern beruht ausschließlich auf seiner Geldprämie und der durch Proof-of-Work gesicherten Knappheit.

Das verschiebt die Verschwendungs-Frage, denn Gold wird parallel in der Industrie genutzt, während Bitcoin seinen Wert allein aus Knappheit und Marktfähigkeit ableitet. Theoretisch ist Bitcoin damit das marktfähigere Geld, weil es teilbarer, leichter übertragbar und nicht beliebig vermehrbar ist.

In der Praxis ist diese Einordnung nicht abgeschlossen, denn Bitcoin wird derzeit überwiegend als Wertaufbewahrungsmittel gehalten und hat die Stufe eines allgemein akzeptierten Tauschmittels noch nicht erreicht. Ob sich Bitcoin langfristig gegen etablierte Geldformen durchsetzt, bleibt eine offene Frage, die der Markt und nicht die Theorie beantwortet. Festzuhalten ist, dass derselbe Mechanismus, der einst zwischen Gold und Silber entschied, auch über die Zukunft von Bitcoin entscheiden wird.

Im vorherigen Bildungsartikel haben wir erklärt, wie das Verhältnis von Geldangebot und Kaufkraft funktioniert und welche Antwort Bitcoin darauf gibt.

Geldangebot und Kaufkraft: Wie Bitcoin das Geldsystem neu denkt

Geldangebot und Kaufkraft: Wie Bitcoin das Geldsystem neu denkt

Geldangebot und Kaufkraft stehen in einem direkten Verhältnis: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger kann jede einzelne Einheit kaufen. Im Fiat-System wird die Geldmenge laufend ausgeweitet, was die Kaufkraft schleichend reduziert. Hartes Geld wie Gold und Bitcoin folgt einer anderen Logik: Das Angebot ist begrenzt, die Kaufkraft passt sich am Markt an. Dieser Artikel zeigt, wie das Verhältnis von Geldangebot und Kaufkraft funktioniert und welche Antwort Bitcoin auf dieses Problem gibt.

Fiat-Geld und der Kaufkraftverlust

Fiat-Geld ist staatlich verordnetes Geld ohne dahinterstehende reale Deckung. Zentralbanken und Geschäftsbanken können die Geldmenge beliebig ausweiten, etwa durch Kreditvergabe oder Anleihekäufe. Steigt die Geldmenge schneller als die produzierte Gütermenge, verliert jede Einheit Kaufkraft. Das ist kein theoretisches Detail, sondern lässt sich empirisch belegen.

Der US-Dollar hat seit Gründung der Federal Reserve im Jahr 1913 rund 96 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Auch der Euro verliert seit seiner Einführung kontinuierlich an Wert, gerechnet in Konsumgütern. Diese Entwicklung trifft vor allem Sparer, deren Vermögen in Fiat-Währungen nominal stabil bleibt, real aber jährlich schrumpft. Geldangebot und Kaufkraft entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung.

Geldmengenausweitung als Ursache der Inflation

Die Österreichische Schule setzt hier eine wichtige Unterscheidung. Im Mainstream wird Inflation als Anstieg des Preisniveaus verstanden, also als Symptom. Ludwig von Mises definierte Inflation jedoch bereits als die Ausweitung der Geldmenge selbst, unabhängig davon, ob sich Preise sofort ändern. Eine ausführliche Darstellung dieser Position findet sich in Mises‘ Vorlesung „Inflation„.

Hinzu kommt der Cantillon-Effekt: Neues Geld erreicht die Wirtschaft nicht gleichzeitig, sondern fließt zuerst zu Banken, Staat und Großschuldnern. Diese frühen Empfänger profitieren, bevor die Preise auf breiter Front steigen. Spätere Empfänger und Sparer tragen die Hauptlast, was Inflation als systematische Umverteilung von Kaufkraft sichtbar macht.

Bitcoin Kaufkraft und die Lehre der Österreichischen Schule

Bitcoin tritt in dieser Tradition als programmatisch festes Geld an. Die Obergrenze von 21 Millionen Einheiten ist im Protokoll verankert und kann nicht ohne Konsens aller Netzwerkteilnehmer geändert werden. Die Emissionsrate sinkt durch das Halving alle vier Jahre, sodass die Inflationsrate von Bitcoin im Zeitverlauf gegen Null geht. Damit setzt Bitcoin technisch um, was die Österreichische Schule als richtige Nutzungsweise von Geld beschreibt: ein festes Tauschmittel, dessen Kaufkraft sich am Markt anpasst.

Die historische Bitcoin Kaufkraft gegenüber Fiat-Währungen ist über längere Zeiträume deutlich gestiegen, gerechnet in Bitcoin werden viele Konsumgüter über die Jahre günstiger. Saifedean Ammous beschreibt Bitcoin in „The Bitcoin Standard“ als technisch erweiterte Umsetzung des Hartgeld-Prinzips, das Gold im klassischen Goldstandard erfüllte.

Der zentrale Vorteil aus Sicht der Österreichischen Schule: Die Geldmenge ist nicht politischer Diskretion ausgesetzt, sondern algorithmisch festgelegt. Mises hatte das Konzept eines digitalen Geldes naturgemäß nicht kennen können, doch sein Argument für ein nicht-verwässerbares Tauschmittel trifft auf Bitcoin direkt zu. Theoretisch ist die Bitcoin Kaufkraft damit gegen Geldmengenausweitung immun, weil keine zentrale Stelle das Angebot vergrößern kann.

In der Praxis ist Bitcoin allerdings noch hochvolatil, weil das Netzwerk relativ klein und die Adoption ungleich verteilt ist. Bitcoin wird derzeit überwiegend als Wertspeicher gehalten, nicht als alltägliches Tauschmittel. Die Bitcoin Kaufkraft als stabile Größe wird sich erst zeigen, wenn das Netzwerk hinreichend groß und liquide ist. Geldangebot und Kaufkraft sind damit kein Schicksal, sondern eine Folge der gewählten Geldordnung. Bitcoin liefert eine technische Antwort; ob diese Ordnung sich langfristig durchsetzt, bleibt eine offene Frage.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Gold als Geld und den klassischen Goldstandard.