Wachsende Bitcoin Akzeptanz: 18 Firmen erproben Brücke zwischen Zentralbankgeld und Blockchain

Wachsende Bitcoin Akzeptanz: 18 Firmen erproben Brücke zwischen Zentralbankgeld und Blockchain

Die wachsende Bitcoin Akzeptanz zeigt sich nicht nur an Kursen oder Unternehmensbilanzen, sondern zunehmend an der Infrastruktur des Finanzsystems selbst. Die Bank of England erprobt in einem neuen Testlauf, wie ihr Abwicklungssystem mit externen digitalen Ledgern zusammenarbeiten kann. Achtzehn Firmen sind daran beteiligt.

Notenbank rückt an tokenisierte Abwicklung heran

Im Zentrum steht RT2, das erneuerte Abwicklungssystem der Bank of England, das seit April 2025 in Betrieb ist. Darauf aufbauend entwickelt die Notenbank eine sogenannte Synchronisationsfunktion. Sie soll es erlauben, Zahlungen in Zentralbankgeld nur dann zu vollziehen, wenn zugleich ein Vermögenswert auf einem externen Ledger den Besitzer wechselt.

Diese gekoppelte Abwicklung gilt als zentraler Baustein, um tokenisierte Wertpapiere oder andere digitale Vermögenswerte sicher gegen Zentralbankgeld zu verrechnen. Getestet wird das Verfahren in der sogenannten Synchronisation Lab, einer Simulation, die im Frühjahr 2026 startet und rund sechs Monate läuft.

Die Einzelheiten dazu hat die Bank of England veröffentlicht. Echte Zahlungen fließen dabei nicht.

Wachsende Bitcoin Akzeptanz: Achtzehn Firmen im Notenbank-Testlauf

An dem Testlauf nehmen achtzehn Organisationen teil, darunter der Zahlungsdienstleister Swift, die London Stock Exchange Group sowie Anbieter aus dem Blockchain-Umfeld wie Chainlink und Quant. Dass eine Notenbank dieses Ranges digitale Ledger ernsthaft als Gegenstück zu ihrem eigenen System behandelt, ist ein Beleg für die wachsende Bitcoin Akzeptanz auf institutioneller Ebene, auch wenn Bitcoin selbst nicht Teil des Versuchs ist.

Akzeptiert wird hier zunächst die Technologie und die Vorstellung, dass digitale Vermögenswerte fester Bestandteil des Finanzsystems werden. Wichtig ist die Einordnung: Die Teilnahme bedeutet keine Billigung durch die Bank, und die Notenbank ist nicht verpflichtet, auf die Ergebnisse zu reagieren.

Quant etwa ist einer von achtzehn Teilnehmern, nicht ein eigens ausgewählter Partner. Die institutionelle Bitcoin Akzeptanz wächst damit über das Umfeld, nicht über eine Aussage der Zentralbank zu Bitcoin.

Was die Bank of England an Blockchain übernimmt und was nicht

Aufschlussreich ist, was die Bank of England übernimmt und was nicht. Übernommen werden Konzepte wie Tokenisierung, programmierbare Bedingungen und die gekoppelte, gleichzeitige Abwicklung zweier Vorgänge. Nicht übernommen werden die Eigenschaften, die Bitcoin überhaupt erst auszeichnen: Dezentralität, Erlaubnisfreiheit und ein festes Angebot. Zentralbankgeld bleibt zentral kontrolliert und kann jederzeit ausgeweitet werden.

Für die Einordnung der wachsenden Bitcoin Akzeptanz folgt daraus ein wichtiger Unterschied. Dass Notenbanken und große Institute die Schienen für digitale Vermögenswerte bauen, normalisiert das Umfeld, in dem auch Bitcoin gehandelt und verwahrt wird, und erhöht die Glaubwürdigkeit der gesamten Anlageklasse.

Was diese Institutionen jedoch nicht nachbilden können, ist die Knappheit selbst. Digitales Zentralbankgeld lässt sich beliebig vermehren, die Obergrenze von 21 Mio. Bitcoin dagegen steht fest und hängt an keiner politischen Entscheidung. Die Akzeptanz der Infrastruktur wächst, das Alleinstellungsmerkmal von Bitcoin als knappes, erlaubnisfreies Geld bleibt davon unberührt.

Wir berichteten über den digitalen Euro und Bitcoin als zensurfreies Gegenmodell.

Strategy kauft Anleihen: Erstmals seit Jahren keine Bitcoin in der Wochenmeldung

Strategy kauft Anleihen: Erstmals seit Jahren keine Bitcoin in der Wochenmeldung

Strategy kauft Anleihen statt Bitcoin und meldet damit zum ersten Mal seit Jahren eine Woche ohne Zukauf. Michael Saylor verpackte die Mitteilung in ein Wortspiel, dahinter steht ein konkreter Eingriff in die Bilanz. Die Frage ist, was der Rhythmuswechsel über das Finanzierungsmodell aussagt.

Strategy kauft Anleihen statt Bitcoin und stoppt die wöchentliche Käuferroutine

Jahrelang folgte das Unternehmen einer festen Routine und stockte den Bitcoin-Bestand nahezu wöchentlich auf. Diese Mechanik pausiert nun. Saylor teilte am 24. Mai 2026 mit, dass in dieser Woche Anleihen erworben wurden und kein Bitcoin.

Strategy kauft Anleihen und tilgt damit eigene Schulden, statt neues Bitcoin zu erwerben. Konkret betrifft das eigene Wandelanleihen mit Fälligkeit 2029, die keinen Zinskupon tragen und aus einer Emission von Ende 2024 stammen, deren Erlös seinerzeit vollständig in Bitcoin floss.

Der Schritt ist kein Kurswechsel in der Haltung zu Bitcoin, sondern eine Verschiebung in der Finanzierung. Er fällt in eine Phase, in der die Aktie unter Druck steht und der Bitcoin-Kurs unter dem letzten Einstand des Unternehmens notiert.

1,5 Mrd Nennwert mit 120 Mio Abschlag getilgt, der Bitcoin-Bestand bleibt bei 843.738 BTC

Beim Rückkauf ging es um Wandelanleihen mit einem Nennwert von 1,5 Mrd US-Dollar, für die Strategy rund 1,38 Mrd US-Dollar in bar zahlte. Die Differenz von etwa 120 Mio US-Dollar ist der eigentliche Kern des Vorgangs, denn das Unternehmen tilgt eine Verbindlichkeit unter ihrem Nennwert. Der Bitcoin-Bestand bleibt davon unberührt und liegt weiterhin bei 843.738 BTC.

Erworben wurde diese Position zu durchschnittlich rund 75.701 US-Dollar je Einheit, was einem Gesamteinsatz von etwa 63,88 Mrd US-Dollar entspricht. Wenige Tage zuvor hatte Strategy noch 24.869 BTC für rund 2,01 Mrd US-Dollar gekauft, zu einem Durchschnitt von 80.985 US-Dollar und damit über dem aktuellen Marktpreis.

Das Unternehmen meldet solche Schritte regelmäßig per Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht. Der Rückkauf wurde nicht über einen Verkauf von Bitcoin finanziert, sondern aus anderen Mitteln.

Strategy kauft Anleihen und senkt das Verwässerungsrisiko für MSTR-Aktionäre

Der Rückkauf eigener Anleihen senkt das Verwässerungsrisiko, weil weniger Schulden später in neue Aktien umgewandelt werden können, und erhöht damit rechnerisch den Bitcoin-Anteil je Aktie. Dass Saylor einen Verkauf von Bitcoin vor Ende 2026 zuletzt als nicht unwahrscheinlich bezeichnet hat, ist eine Andeutung von Spielraum und keine Umsetzung, beides sollte man nicht verwechseln.

Strategy kauft Anleihen in einem Moment, in dem der Aufschlag der Aktie gegenüber dem Wert der gehaltenen Bitcoin schrumpft. Solange dieser Aufschlag hoch ist, bringt die Ausgabe neuer Aktien mehr ein, als sie verwässert.

Fällt er, kehrt sich die Rechnung um, und die Tilgung bestehender Schulden wird zur naheliegenden Verwendung von Kapital. Dahinter steht eine einfache Anreizlogik: Wer ein Gut mit fester Obergrenze von 21 Mio. Einheiten hält, gibt es nicht unter Druck ab, solange sich Verbindlichkeiten in einer beliebig vermehrbaren Währung günstiger zurückführen lassen.

Eine niedrige Zeitpräferenz bedeutet, knappes Vermögen zu halten und weiche Schulden abzubauen, statt kurzfristig auf Liquidität zu reagieren. Der Rhythmus hat sich geändert, die zugrundeliegende Geldwahlentscheidung nicht.

Wir berichteten über Strategys Tausch von Fremdkapital gegen Eigenkapital.

Bitcoin als Recheneinheit: Vom Tauschmittel zum Maß ökonomischer Berechnung

Bitcoin als Recheneinheit: Vom Tauschmittel zum Maß ökonomischer Berechnung

Bitcoin als Recheneinheit ist die nächste Stufe seiner Geldfunktion und stellt die Frage, ob ein indirektes Tauschmittel auch zum Maßstab ökonomischer Berechnung werden kann. Geld ist nicht nur ein Mittel des Tauschens, sondern auch das Werkzeug, mit dem Knappheit, Preise und wirtschaftliche Ergebnisse messbar werden. Ohne eine einheitliche Recheneinheit lässt sich der Erfolg unternehmerischen Handelns nicht beurteilen. Genau hier setzt die Theorie der Österreichischen Schule an. Dieser Artikel zeigt, wie Preise aus Knappheit entstehen und welche Rolle Geld dabei spielt.

Knappheit als Ursprung der Preisbildung

Knappheit ist die ökonomische Grundbedingung jeden Wirtschaftens. Wer zwei Güter gegeneinander tauscht, bewertet sie subjektiv unterschiedlich, und die Knappheit beider Seiten bestimmt die Tauschverhältnisse. Ein simples Beispiel: Wenn auf einem Markt zehn Brote gegen ein Huhn getauscht werden, ergibt sich daraus ein implizites Austauschverhältnis.

Diese Verhältnisse sind frühe Vorformen von Preisen, sie entstehen aus dem subjektiven Handeln vieler Marktteilnehmer unter Bedingungen der Güterknappheit. Solange direkter Warentausch dominiert, bleiben diese Verhältnisse jedoch partiell und unübersichtlich, weil jedes Tauschpaar einen eigenen Wechselkurs bildet.

Es fehlt ein gemeinsamer Bezugspunkt, in dem sich alle Werte ausdrücken lassen. Erst ein indirektes Tauschmittel schafft genau diesen Bezugspunkt und verwandelt unzählige Tauschverhältnisse in eindeutige Preise. Damit wird sichtbar, dass Preise nicht willkürlich entstehen, sondern ein Spiegel realer Knappheitsverhältnisse sind.

Bitcoin als Recheneinheit moderner Märkte

Eine Recheneinheit ist mehr als ein bloßes Tauschmittel. Sie ist das Maß, in dem alle anderen Güter ausgedrückt werden. Mit ihr lassen sich heterogene Werte vergleichen, von Maschinen über Arbeitsstunden bis zu Rohstoffen, und damit erst sinnvolle Berechnungen anstellen. Bitcoin verfügt über alle technischen Voraussetzungen einer Recheneinheit: feines Maß der Teilbarkeit, weltweite Übertragbarkeit, fungible Einheiten und ein absolut begrenztes Angebot.

In der Bitcoin-Brille wird Bitcoin als Maßstab gedacht, in dem Preise einer hartgeldbasierten Wirtschaft ausgedrückt werden können. In der Praxis ist Bitcoin allerdings noch nicht zur dominierenden Recheneinheit geworden. Die meisten Preise weltweit werden weiterhin in Fiat-Währungen angegeben, weil Akzeptanz, Kontinuität und regulatorischer Rahmen darauf ausgerichtet sind.

Bitcoin als Recheneinheit bleibt damit eine Funktion in Entwicklung, deren Reichweite vom Adoptionsgrad und der Wertstabilität abhängt.

Preisbildung durch Geld in der Mises-Theorie

Ludwig von Mises hat in seinem Aufsatz „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen“ (1920) den Zusammenhang zwischen Geld und Wirtschaftsrechnung systematisch beschrieben. Eine detaillierte Darstellung des Originalgedankens findet sich auf misesde.org. Mises zeigte, dass ohne einen freien Markt keine Preise und damit keine rationale Wirtschaftsrechnung möglich sind.

Die Preisbildung durch Geld entsteht aus dem freiwilligen Tauschverkehr und verdichtet die subjektiven Bewertungen vieler Akteure zu einer für alle zugänglichen Information. Geld ist dabei der gemeinsame Nenner, der unvergleichliche Güter vergleichbar macht. Ohne diesen Nenner bleibt jede Kalkulation Stückwerk. Gewinn und Verlust eines Unternehmers ergeben sich erst dann, wenn Einnahmen und Kosten in einer einheitlichen Geldeinheit gemessen werden.

Damit wird das indirekte Tauschmittel zur ökonomischen Maßeinheit der Gesellschaft. Die Bitcoin-Brille knüpft genau hier an: Bitcoin als programmatisch knappes, fungibles Geld könnte langfristig die Funktion der Recheneinheit übernehmen, wenn seine Wertstabilität wächst. In einem Bitcoin-Standard würde die Preisbildung unmittelbar an einer harten Geldeinheit erfolgen, was Verzerrungen durch Geldmengenausweitung und Cantillon-Effekt reduzieren würde.

Theoretisch ist diese Einordnung schlüssig, in der Praxis fehlt Bitcoin bislang die Reichweite und Akzeptanz, um diese Funktion vollständig zu übernehmen. Auch Mises selbst hat das Konzept eines digitalen Geldes nicht gekannt, doch seine Argumentation über die Notwendigkeit eines einheitlichen Geldes als Grundlage rationaler Wirtschaft trifft auf Bitcoin sinngemäß zu. Die Frage ist nicht, ob Bitcoin als Recheneinheit theoretisch funktionieren könnte, sondern ob der Markt diese Rolle im Laufe der Zeit annimmt.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir überdie Marktfähigkeit von Geld und warum Bitcoin in diese Tradition gehört.

Marktfähigkeit von Geld: Warum Bitcoin in diese Tradition gehört

Marktfähigkeit von Geld: Warum Bitcoin in diese Tradition gehört

Die Marktfähigkeit von Geld entscheidet darüber, welches Gut sich als Tauschmittel durchsetzt. Wer ein Gut anbietet, wählt jenes Tauschobjekt, von dem er weiß, dass es auch andere akzeptieren werden. Nicht Anordnung, sondern Wiederholung dieser Wahlentscheidung lässt aus einer normalen Ware ein Geld werden. Carl Menger lieferte dafür die theoretische Grundlage. Bitcoin lässt sich genau in diese Logik einordnen.

Marktfähigkeit von Geld als Auswahlkriterium

Marktfähigkeit beschreibt die Leichtigkeit, mit der ein Gut auf dem Markt verkauft oder getauscht werden kann. Sie hängt von mehreren Eigenschaften ab: Haltbarkeit, Teilbarkeit, Transportfähigkeit, Erkennbarkeit, Fungibilität und allgemeine Akzeptanz. Ein verderbliches oder schwer transportierbares Gut hat eine niedrige Marktfähigkeit, ein langlebiges und teilbares Gut eine hohe.

Salz, Muscheln oder Vieh dienten in frühen Tauschsystemen genau deshalb als Geld, weil sie diese Eigenschaften relativ besser erfüllten als andere Waren. Marktteilnehmer wählen das Tauschmittel nicht durch politische Vereinbarung, sondern subjektiv und auf Basis dieser Eigenschaften. Sie nehmen jenes Gut entgegen, von dem sie ausgehen, dass auch andere es im nächsten Schritt akzeptieren werden.

Geld ist damit die Ware, die im Vergleich zu allen anderen Waren überwiegend als Tauschmittel nachgefragt wird. Damit ist die Marktfähigkeit von Geld kein Zufallsergebnis, sondern das Resultat unzähliger einzelner Bewertungen.

Marktfähigkeit von Geld in Mengers Lehre

Carl Menger hat in „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ (1871) und im Aufsatz „Geld“ (1892) gezeigt, wie aus dieser Marktfähigkeit Geld entsteht. Er verwendete dafür den Begriff Absatzfähigkeit und beschrieb damit die Verkäuflichkeit eines Gutes über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg.

Edelmetalle wie Gold und Silber erfüllten diese Kriterien historisch am besten: Sie sind haltbar, teilbar, transportabel, erkennbar und in großen Mengen begrenzt. Daher setzten sie sich über lange Zeiträume und über viele Kulturen hinweg als Geld durch. Entscheidend ist der Selbstverstärkungseffekt: Sobald ein Gut von vielen akzeptiert wird, steigt seine Marktfähigkeit weiter, weil neue Marktteilnehmer es ebenfalls bereitwilliger annehmen.

Mengers These war klar: Geld ist seinem Ursprung nach keine staatliche, sondern eine gesellschaftliche Erscheinung. Diese Sicht bildet bis heute den Kern der Geldtheorie der Österreichischen Schule. Eine ergänzende Darstellung dieses Prinzips bietet Nick Szabo in seinem Aufsatz „Shelling Out: The Origins of Money“, abrufbar.

Bitcoin Marktfähigkeit im historischen Kontext

Bitcoin tritt in dieser Tradition als digitales Tauschmittel an. Seine Eigenschaften sind auf hohe Marktfähigkeit ausgelegt: Bitcoin ist in neun Dezimalstellen teilbar, weltweit übertragbar, programmatisch haltbar, fungibel und absolut knapp. Saifedean Ammous beschreibt diese Kombination als Marktfähigkeit über Raum, Zeit und Skalen, also die Fähigkeit, Werte über Distanzen, über lange Zeiträume und in beliebigen Größeneinheiten zu transportieren.

Damit übersetzt die Bitcoin-Brille Mengers Marktfähigkeitstheorie in das digitale Zeitalter. Edelmetalle erfüllten die Kriterien analog, Bitcoin erfüllt sie digital. Auch der Selbstverstärkungseffekt ist sichtbar: Mit zunehmender Nutzerzahl steigt die Liquidität, die Wechselrate sinkt, und der Tausch wird effizienter.

Theoretisch ist die Einordnung schlüssig, in der Praxis steht Bitcoin allerdings noch am Anfang. Aktuell wird Bitcoin überwiegend als digitaler Wertspeicher genutzt, nicht als alltägliches Tauschmittel. Die Marktfähigkeit als Tauschmittel ist noch in der Entwicklung, weil Akzeptanz, regulatorischer Rahmen und Infrastruktur erst aufgebaut werden.

Aus Sicht der Österreichischen Schule ist genau das aber zu erwarten: Geld entsteht nicht durch Verordnung, sondern in einem langen Prozess subjektiver Marktwahlentscheidungen. Bitcoin als Hard Money mit fixiertem Angebot tritt damit in einen langfristigen Wettbewerb mit Fiat-Währungen, deren Marktfähigkeit durch politische Eingriffe in die Geldmenge geschwächt werden kann.

Wichtig ist die saubere Trennung: Die Marktfähigkeit von Geld ist kein einmaliger Zustand, sondern ein laufender Prozess, der durch viele subjektive Entscheidungen entsteht. Wer Bitcoin in diese Tradition einordnet, sieht es nicht als Bruch, sondern als Verlängerung der Geldgeschichte mit modernen Mitteln. Ob Bitcoin seine Marktfähigkeit langfristig auf alle Geldfunktionen ausweitet, wird sich erst über Jahrzehnte erweisen.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Indirektes Tauschmittel und den Bitcoin-Ansatz zur Geldordnung.

Marktfähigkeit von Geld: Warum Bitcoin in diese Tradition gehört

Indirektes Tauschmittel: Der Bitcoin-Ansatz zur Geldordnung

Ein indirektes Tauschmittel entsteht nicht durch politische Entscheidung, sondern aus dem subjektiven Handeln der Menschen am Markt. Wer tauscht, bewertet das Gut des Anderen höher als das eigene. Diese Asymmetrie ist die Wurzel jeder Geldordnung. Bitcoin knüpft an dieses Prinzip an, weil Menschen ihm subjektiv einen Wert beimessen, der über bestehenden Alternativen liegt.

Subjektive Bewertung als Auslöser jedes Tausches

Jeder Tausch beruht auf einer Ungleichheit der Wertschätzung. Person A gibt ein Gut nur dann ab, wenn sie das Gut von Person B für sich selbst höher bewertet. Umgekehrt gilt dasselbe. Es geht nicht um objektive Gleichwertigkeit, sondern um divergierende subjektive Bewertungen.

Ein Glas Wasser hat in der Wüste eine andere Bedeutung als am Brunnen, eine Stunde Unterricht eine andere als ein Korb Eier. Aus diesen Unterschieden entsteht überhaupt erst der Anreiz, Güter gegeneinander zu tauschen.

Die Spezialisierung verstärkt diese Asymmetrie zusätzlich: Jeder Mensch und jede Region entwickelt eigene Stärken, sodass die Verfügbarkeit von Gütern stark variiert. Damit ist der subjektive Tauschvorgang die Grundlage allen Wirtschaftens, lange bevor Geld als Begriff überhaupt auftritt.

Vom Naturaltausch zum indirekten Tauschmittel

In einer arbeitsteiligen Gesellschaft stößt der direkte Warenaustausch schnell an seine Grenzen. Damit ein Tausch zustande kommt, müssen sich zwei Parteien zur gleichen Zeit am gleichen Ort treffen, die jeweils genau das anzubieten haben, was die andere Seite sucht.

Der Ökonom William Stanley Jevons nannte dieses Problem 1875 die doppelte Koinzidenz der Bedürfnisse. Ein Bauer mit Eiern findet selten direkt einen Lehrer, der Eier braucht, und umgekehrt.

Aus diesem praktischen Mangel entsteht die Notwendigkeit, ein Gut zu wählen, das nicht aus Eigenbedarf, sondern wegen seiner Tauschfähigkeit nachgefragt wird. Damit wird es zum indirekten Tauschmittel.

Carl Menger zeigte in seinem Werk „Vom Ursprung des Geldes“, dass dieses Tauschmittel nicht angeordnet, sondern aus dem subjektiven Verhalten der Marktteilnehmer hervorgeht. Eine ausführliche Darstellung dieser Theorie findet sich im englischen Originaltext.

Bitcoin als Konsequenz subjektiver Wertbewertung

Bitcoin lässt sich konsequent in diese Linie einordnen. Niemand hat verordnet, dass Bitcoin Geld sein soll. Menschen bewerten es subjektiv als nützlich, weil es Eigenschaften besitzt, die für ein indirektes Tauschmittel relevant sind: Knappheit, Teilbarkeit, Übertragbarkeit und Unabhängigkeit von zentralen Stellen.

Genau hier setzt die Bitcoin-Brille auf das alte Problem an. Das Konzept selbst, also der Übergang vom direkten zum indirekten Tausch, bleibt unverändert. Verändert hat sich allein die monetäre Ware, die der Markt wählt. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie liefert dafür den passenden Rahmen.

Subjektive Werttheorie, spontane Ordnung und freie Geldwahl bilden den Kern dieses Denkens. Carl Menger machte deutlich, dass Geld keine Erfindung des Staates ist, sondern das marktfähigste aller Güter, ein Ergebnis vieler einzelner subjektiver Entscheidungen. In dieser Lesart steht Bitcoin nicht außerhalb der Geldgeschichte, sondern in ihrer Verlängerung. Es ist ein digitales, programmatisch knappes Gut, dessen Marktfähigkeit durch dezentrale Konsensregeln gesichert wird.

Theoretisch ist diese Einordnung schlüssig, in der Praxis steht Bitcoin als monetäres Gut noch am Anfang: Tauschmittelfunktion und Wertstabilität sind noch nicht abschließend etabliert. Auch die historische Annahme, Geld sei zwingend aus einer reinen Tauschwirtschaft entstanden, ist umstritten, weil Anthropologen wie David Graeber auch frühe Kreditbeziehungen als Ursprungsformen sehen. Das ändert jedoch nichts an der Grundeinsicht: Ein indirektes Tauschmittel entsteht aus subjektiver Bewertung, nicht aus Anordnung.

Im vorherigen Bildungsartikel berichteten wir über Bitcoin Klimaneutralität und wie Mining überschüssige Energie nutzbar macht.

Verus Bridge Hack: 103,6 tokenisierte Bitcoin unter den entwendeten Mitteln

Verus Bridge Hack: 103,6 tokenisierte Bitcoin unter den entwendeten Mitteln

Der Verus Bridge Hack hat eine Cross-Chain-Brücke zwischen dem Verus-Netzwerk und Ethereum getroffen und Mittel im Wert von rund 11,58 Mio. US-Dollar abfließen lassen. Unter dem Diebesgut befanden sich 103,6 tokenisierte Bitcoin, dazu 1.625 ETH und etwa 147.000 USDC. Einen Teil der Summe gab der Angreifer inzwischen zurück.

Verus Bridge Hack: 103,6 tokenisierte Bitcoin unter den Verlusten

Der Angreifer tauschte die entwendeten Vermögenswerte zunächst in rund 5.402 ETH und bündelte sie in einer Wallet. Wenige Tage später überwies er 4.052 ETH zurück, etwa 75 Prozent der Summe. Das meldete die Sicherheitsfirma PeckShield.

Vorausgegangen war ein Angebot des Verus-Teams: Bei Rückgabe binnen 24 Stunden werde man die Untersuchung einstellen, auf Strafverfolgung verzichten und die verbleibenden 1.350 ETH, rund 2,8 Mio. US-Dollar, öffentlich als Belohnung anerkennen. Die Bezeichnung als Bug Bounty ist dabei eine Umdeutung.

Funktional behielt der Angreifer ein Viertel der gestohlenen Mittel, das Projekt verzichtete auf Verfolgung. Solche Absprachen sind im DeFi-Sektor inzwischen ein verbreitetes Kriseninstrument.

Verus Bridge Hack: Kein Schlüsseldiebstahl, sondern eine Validierungslücke

Der Verus Bridge Hack beruhte nicht auf einem Schlüsseldiebstahl und auch nicht auf einem gebrochenen Signaturverfahren. Nach Analysen prüfte der Vertragscode auf Ethereum die notarisierte Zustandswurzel des Verus-Netzwerks korrekt, ebenso den kryptografischen Nachweis und die Integrität der Transaktionsdaten.

Was fehlte, war eine Prüfung, ob der auf der Quellkette ausgewiesene Betrag dem auf Ethereum ausgezahlten Betrag entsprach. Genau diese Bridge-Schwachstelle in einer Funktion namens checkCCEValues nutzte der Angreifer, indem er eine Transaktion mit leeren quellseitigen Beträgen einreichte.

Kryptografische Gültigkeit und wirtschaftliche Gültigkeit sind eben nicht dasselbe. Dieselbe Klasse von Fehler hatte 2022 bereits die Brücken Wormhole und Nomad getroffen. Laut der untersuchenden Firma hätten rund zehn Zeilen zusätzlicher Programmcode den Abfluss verhindert.

Acht von fünfzehn Notaren signierten: Verus Bridge Hack im Detail

Acht von fünfzehn Notaren signierten den Zustand, auf den sich die gefälschte Auszahlung stützte. Die Signaturen waren gültig, nur die zugrunde liegende Wertbindung fehlte. Damit reiht sich der Verus Bridge Hack in ein Rekordjahr ein: Allein bis Mitte Mai zählte PeckShield acht Bridge-Angriffe mit zusammen 328,6 Mio. US-Dollar.

Für Bitcoin-Halter liegt die eigentliche Lehre in der Natur des betroffenen Vermögens. Bei den 103,6 entwendeten Einheiten handelte es sich um tokenisiertes Bitcoin, also um eine auf Ethereum nachgebildete Forderung, deren Sicherheit von der fremden Brücke abhängt. Natives Bitcoin auf der eigenen Basisschicht kennt diese Konstruktion nicht: kein Smart Contract, der Reserven verwaltet, kein Notarensatz, der kompromittiert werden kann, keine zweite Kette, die zwischengeschaltet ist.

Je mehr Brücken, Verträge und Mittelsmänner ein System einbaut, desto größer wird die Angriffsfläche und desto mehr Vertrauen muss vorausgesetzt werden. Wer Bitcoin in Selbstverwahrung hält, trägt dieses zusätzliche Risiko schlicht nicht.

Die Knappheit des Geldes bleibt davon unberührt, verlagert wird allein die Frage, wem man die Verwahrung anvertraut.

Wir berichteten über die zunehmende Abkehr von zentraler Verwahrung.