Open USD Stablecoin: 140 Konzerne greifen Circles Milliardengeschäft an

Open USD Stablecoin: 140 Konzerne greifen Circles Milliardengeschäft an

Über 140 Konzerne wie Visa, Mastercard und Coinbase haben mit Open USD einen Stablecoin angekündigt, der Circles Geschäftsmodell direkt angreift. Die Circle-Aktie brach daraufhin zweistellig ein.

 

Warum 140 Konzerne plötzlich an einem Tisch sitzen

Ein Konsortium aus mehr als 140 Unternehmen hat am 30. Juni 2026 den Open USD Stablecoin vorgestellt, kurz OUSD. Getragen wird das Projekt von der neuen Organisation Open Standard, an der sich Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Google, Samsung, Coinbase und Ripple beteiligen.

Das bisherige Stablecoin-Modell folgt einer einfachen Logik: Ein Emittent wie Circle nimmt Dollar entgegen, gibt dafür USDC aus, kauft davon US-Staatsanleihen und behält die Zinserträge. Bei rund 73 Mrd. US-Dollar USDC im Umlauf ist das ein Milliardengeschäft für einen einzigen Emittenten.

Open USD dreht dieses Prinzip um: Fast alle Reserve-Erträge sollen nach kleiner Verwaltungsgebühr an die Partnerfirmen fließen statt an einen zentralen Emittenten. Gründungs-CEO Zach Abrams erklärte, Unternehmen benötigten für den Einsatz im großen Maßstab ein offenes, kostengünstiges System.

Wer bei Open USD wirklich die Kontrolle behält

Open USD wird ohne Gebühren für Ausgabe und Rücknahme angeboten, zusätzlich entfallen Volumenlimits. Ein Vorstand aus Partnervertretern trifft strategische Entscheidungen statt eines einzelnen Unternehmens. Das unterscheidet das Modell fundamental von USDC und USDT, wo ein Emittent allein über Reserven und Rücknahme bestimmt.

Bemerkenswert ist die Rückkehr von Coinbase in ein Konsortialmodell: 2018 Mitgründer des inzwischen aufgelösten Centre Consortium mit Circle, jetzt Partner bei Open USD. Auch Ripple ist dabei, obwohl RLUSD in denselben Zahlungsmärkten konkurriert.

Ein Investmentanalyst von Dragonfly bezeichnete die Partnerliste als echte Bedrohung für Circles Geschäft, warnte jedoch, dass Konsortien schwierig zu steuern seien und leicht zerbrechen, weil sich die Anreize von 140 Firmen selten vollständig decken.

Visa, Mastercard und Google als neue Stablecoin-Architekten

Die Marktreaktion war unmittelbar: Die Circle-Aktie brach am Ankündigungstag um über 17 Prozent ein, da mehrere neue Partner wie BlackRock zugleich zu Circles Kernpartnern zählen. Open USD ist bislang nur angekündigt, nicht implementiert. Ein festes Startdatum über 2026 hinaus gibt es nicht, der Start erfolgt zunächst nativ auf Solana.

Circle, Tether und PayPal, die drei größten Dollar-Stablecoin-Emittenten, sind nicht Teil des Konsortiums. Zur Einordnung: Paxos startete 2024 mit dem Global Dollar Network ein ähnliches Modell, das bislang nur auf rund 3 Mrd. US-Dollar Marktvolumen kam, verglichen mit Circles 73 Mrd.

Ein Stablecoin bleibt an den US-Dollar gekoppelt und unterliegt dessen Geldpolitik, unabhängig von seiner Governance. Auch ein geteiltes Reserve-Modell ändert nichts an der Anreizstruktur: Mehr Token-Menge bedeutet mehr Erträge für die Konzerne, unabhängig vom Nutzen für Endnutzer. Bitcoin kennt dagegen keinen Emittenten und keine Behörde, die Ausgabe oder Reserven kontrolliert. Die Obergrenze von 21 Mio. Einheiten lässt sich von keinem Konsortium verändern.

Wir berichteten darüber, wie die FDIC mit dem GENIUS Act bereits den regulatorischen Rahmen für Bank-Stablecoins in den USA festgezurrt hat.

 

Bank of Japan Zinserhöhung: Das Ende der Nullzins-Ära trifft auch Europas Schuldenlast

Bank of Japan Zinserhöhung: Das Ende der Nullzins-Ära trifft auch Europas Schuldenlast

Die Bank of Japan hebt den Leitzins auf den höchsten Stand seit 1995. Die globale Zinswende trifft auf eine weiter wachsende Schuldenlast im Euroraum.

Die Bank of Japan Zinserhöhung vom 16. Juni markiert das vorläufige Ende einer fast zwei Jahrzehnte langen Nullzins-Politik. Die Notenbank hob den Leitzins auf 1,0 Prozent an, den höchsten Stand seit 1995. Der Schritt reiht sich in eine internationale Straffung ein und trifft auf eine im Euroraum weiter wachsende Schuldenlast.

Bank of Japan Zinserhöhung auf höchsten Stand seit 1995

Die Bank of Japan Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent war die erste seit Dezember und fiel mit 7 zu 1 Stimmen. Auslöser ist eine Inflation, die durch den Energiepreisschock des Iran-Kriegs angetrieben wurde.

Die Notenbank signalisierte weitere Schritte, weil die Teuerung über ihr Zwei-Prozent-Ziel abzuweichen droht. Damit verlässt das Land die jahrelange Politik extrem niedriger Zinsen, mit der die Schuldenlast des Staates tragbar gehalten wurde.

Notenbanken straffen weltweit gegen importierte Inflation

Japan steht nicht allein. Die Europäische Zentralbank hat in der Vorwoche ebenfalls erhöht, auch in den USA wächst der Druck auf die Federal Reserve. Gemeinsamer Auslöser ist eine importierte Inflation, die über Energiepreise in die Volkswirtschaften gelangt.

Die offizielle Schuldenstatistik dokumentiert die Bundesbank in ihrer Pressemitteilung zur Staatsverschuldung. Steigende Zinsen verteuern die Refinanzierung dieser Schulden, ohne dass die Defizite kleiner werden. Die Straffung bekämpft das Symptom, nicht die Ursache.

Euro Schuldenquote steigt trotz steigender Zinsen weiter

Die Euro Schuldenquote lag Ende 2025 bei 87,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die EU-Kommission erwartet bis Ende 2027 vier Mitgliedstaaten über der Marke von 100 Prozent. Deutschland verzeichnete 2025 einen Anstieg um 144 Mrd. Euro auf 2,8 Bio. Euro, die Quote steigt von 63,5 in Richtung 68 Prozent bis 2027.

Diese Entwicklung verläuft seit der Finanzkrise von 2008 in eine Richtung. Steigende Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben treffen auf strukturelle Defizite, die Quote wächst trotz höherer Zinsen weiter. Das beschreibt ein Anreizsystem, in dem kurzfristige Ausgaben politisch nützen und die Kosten breit über die Zeit anfallen. Wo Defizite langfristig über die Geldmenge finanziert werden, verliert jede gehaltene Einheit schleichend an Kaufkraft.

Bitcoin ist kein Krypto-Sammelbegriff, sondern ein eigenes System mit einer fest definierten Obergrenze von 21 Mio. Einheiten. Diese Grenze steht programmatisch fest und lässt sich durch keine Notenbank und keine Haushaltsentscheidung ausweiten. In einer Geldordnung, deren Schuldenstand strukturell steigt, gewinnt ein Maßstab an Bedeutung, der nicht beliebig vermehrbar ist. Für einen Sparer zählt damit weniger der einzelne Zinsschritt als die Frage, ob das gehaltene Geld vermehrbar ist oder nicht.

Wir berichteten über den Kaufkraftverlust von Euro und US-Dollar und die Rolle der Geldmengenausweitung.

Bitcoin Stablecoin Rotation: Kapital fließt erstmals seit dem Bärenmarkt zurück in BTC

Bitcoin Stablecoin Rotation: Kapital fließt erstmals seit dem Bärenmarkt zurück in BTC

Die Bitcoin Stablecoin Rotation hat sich im April erstmals seit dem letzten Bärenmarkt umgekehrt. On-Chain-Analyst Darkfost zeigt anhand der Checkonchain-Daten, dass Kapital nach wochenlangem Abfluss aus Bitcoin zurück in den Markt fließt und das mitten in einem geopolitischen Konflikt.

28,7 Mrd. US-Dollar Abfluss markiert historisches Tief der Realized Cap

Ende Februar fiel die Nettoveränderung der Bitcoin Realized Cap auf minus 28,7 Mrd. US-Dollar. Die Realized Cap misst den Gesamtwert aller Bitcoin zum Zeitpunkt ihrer letzten Bewegung auf der Blockchain.

Ein negativer Wert bedeutet, dass Investoren ihre Bestände überwiegend mit Verlust oder nahe dem Einstandspreis bewegt haben – ein Zeichen für Kapitulation. Dieser Wert war der tiefste seit dem Bärenmarkt 2022. Der Rückgang fiel zeitlich mit dem Beginn des Iran-Konflikts am 28. Februar zusammen.

Capital Rotation Net Position Change

Quelle: Checkonchain

Bitcoin verlor in dieser Phase über 44 % gegenüber dem Allzeithoch von 126.198 US-Dollar im Oktober 2025 und fiel zwischenzeitlich unter 60.000 US-Dollar. Das zeigt der Capital Rotation Net Position Change Chart von Checkonchain. Die Bitcoin Stablecoin Rotation war zu diesem Zeitpunkt eindeutig defensiv.

Stablecoin-Kapitalisierung steigt auf 6 Mrd. während Bitcoin fällt

Gleichzeitig stieg die Nettoveränderung der Stablecoin-Marktkapitalisierung auf über 6 Mrd. US-Dollar. Das bedeutet: Investoren haben ihr Kapital nicht in Fiat zurückgezogen, sondern innerhalb des Systems in Stablecoins geparkt. Sie blieben on-chain, aber ohne direktes Preisrisiko.

Dieses Muster trat zum letzten Mal im Bärenmarkt 2022 auf. Die Bitcoin Kapitalrotation verlief damit nicht als Flucht aus dem Markt, sondern als bewusste Umschichtung innerhalb der Blockchain. Inzwischen hat sich die Lage verschoben.

Die Realized Cap hat sich auf minus 3 Mrd. US-Dollar erholt. Die Stablecoin-Kapitalisierung ist auf minus 1 Mrd. gefallen. Kapital fließt also langsam aus den Stablecoins zurück in Bitcoin.

Der BTC-Kurs hat sich parallel von unter 60.000 auf aktuell rund 73.000 US-Dollar erholt. Darkfost weist darauf hin, dass diese Umkehr genau dann einsetzte, als die geopolitischen Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt ihren Höhepunkt erreichten.

Kapitalrotation statt Kapitalflucht: Investoren bleiben on-chain

Die Daten zeigen einen Richtungswechsel, aber noch keinen Trend. Der Rückfluss ist moderat. Ein positiver Nettowert bei der Realized Cap ist noch nicht erreicht. Es handelt sich um eine vorsichtige Repositionierung, nicht um aggressive Rückkehr. Trotzdem ist die Struktur bemerkenswert.

Im traditionellen Finanzsystem wären solche Kapitalflüsse unsichtbar. On-Chain-Daten machen sie in Echtzeit nachvollziehbar: jede Transaktion, jeder Zeitpunkt, jede Richtung. Die Bitcoin Stablecoin Rotation zeigt damit eine Eigenschaft, die kein anderes monetäres Netzwerk bietet: vollständige Transparenz über Kapitalentscheidungen.

Dass Investoren Bitcoin gerade in einer Phase geopolitischer Eskalation als Zielwährung für Rückflüsse wählen, widerspricht dem Narrativ eines reinen Risikovermögenswerts. Es deutet stattdessen darauf hin, dass ein Teil der Marktteilnehmer Bitcoin zunehmend als Absicherung gegen inflationäre und wirtschaftliche Risiken behandelt. Ob sich das bestätigt, hängt davon ab, ob die Rotation an Stärke gewinnt oder auf dem aktuellen Niveau verharrt.

Wir berichteten über On-Chain-Metriken und ihre Rolle bei der Erkennung von Bärenmarktböden.

US Stablecoin Gesetz nimmt Form an: Reserven, Rücknahme und Kapitalregeln stehen fest

US Stablecoin Gesetz nimmt Form an: Reserven, Rücknahme und Kapitalregeln stehen fest

Das US Stablecoin Gesetz GENIUS Act bekommt seinen zweiten Aufsichtsrahmen. Die FDIC hat am 7. April 2026 einen Regelvorschlag verabschiedet, der festlegt wie Banken Stablecoins ausgeben dürfen, welche Reserven sie halten müssen und was für Nutzer nicht gilt: die Einlagensicherung.

US Stablecoin Gesetz: FDIC verabschiedet zweites Regelwerk zum GENIUS Act am 7. April

Die US-Einlagensicherungsbehörde FDIC hat einstimmig einen Regelvorschlag beschlossen, der zentrale Teile des GENIUS Act in konkrete Aufsichtsregeln überführt. Der GENIUS Act wurde 2025 mit breiter Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verabschiedet und ist das erste US-Bundesgesetz, das Stablecoins reguliert. Die neue Stablecoin Regulierung betrifft Banken unter FDIC-Aufsicht, die über Tochtergesellschaften eigene Stablecoins herausgeben wollen.

Es ist der zweite Regelvorschlag der FDIC zum GENIUS Act. Der erste vom Dezember 2025 legte den Antragsprozess fest. Der aktuelle Entwurf geht weiter und definiert die laufenden Anforderungen an Reserven, Kapital, Risikomanagement und Rücknahme.

FDIC-Chairman Travis Hill betonte, der Vorschlag enthalte 144 offene Fragen, zu denen die Öffentlichkeit 60 Tage lang Stellung nehmen kann. Die finale Regelung wird frühestens Ende 2026 erwartet.

Was das US Stablecoin Gesetz für Banken und ihre Kunden konkret vorschreibt

Die Regeln sind klar: Jeder ausgegebene Stablecoin muss durch erkennbare und sichere Reserven gedeckt sein. Die Rücknahme muss innerhalb von zwei Geschäftstagen erfolgen. Herausgeber müssen Kapitalanforderungen erfüllen, die an ihre Größe und ihr Risiko angepasst sind. Dazu kommt ein operativer Puffer, der sich an den Betriebskosten des Vorjahres orientiert.

Der Entwurf lehnt sich eng an den Vorschlag der Bankenaufsicht OCC vom Februar an. Beide Behörden bauen damit parallel den Aufsichtsrahmen für Bank-Stablecoins auf. Für Nutzer ist eine Unterscheidung zentral: Tokenisierte Einlagen, also klassische Bankguthaben auf einer Blockchain, bleiben versichert, solange sie die gesetzliche Definition einer Einlage erfüllen.

Die Technologie ändert daran nichts. Die FDIC stellt klar, dass die Art der Buchführung, ob auf Papier oder auf einer Blockchain, keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz hat.

US Stablecoin Gesetz schließt Einlagensicherung für Stablecoin-Halter ausdrücklich aus

Der entscheidende Punkt für Nutzer: Stablecoins selbst sind keine Einlagen. Wer einen Bank-Stablecoin hält, hat keinen Anspruch auf die Einlagensicherung der FDIC. Die Reserven, die den Stablecoin decken, sind zwar bei einer Bank hinterlegt, aber der Schutz gilt nicht für den Endnutzer.

Das unterscheidet einen regulierten Stablecoin grundlegend von einem Bankkonto. Travis Hill hatte diese Linie bereits im März angekündigt und argumentiert, dass eine Einlagensicherung für Stablecoins im Widerspruch zum GENIUS Act stünde, der das Bewerben von Stablecoins als staatlich versichert ausdrücklich verbietet.

Das US Stablecoin Gesetz formalisiert damit den digitalen Dollar als staatlich beaufsichtigtes Zahlungsmittel. Banken bekommen Zugang, Nutzer bekommen Geschwindigkeit, aber die Kontrolle bleibt bei den Aufsichtsbehörden. Wer einen Stablecoin nutzt, bewegt Dollar auf schnelleren Schienen, aber unter denselben Regeln wie im bestehenden Finanzsystem.

Bitcoin funktioniert anders: kein Herausgeber, keine Rücknahmefrist, keine Behörde die Reserven prüft, und ein festes Angebot von 21 Mio. Einheiten das niemand ändern kann. Das US Stablecoin Gesetz modernisiert die Dollar-Infrastruktur. Es ersetzt sie nicht.

Wir berichteten darüber, dass Stablecoins mit 7,2 Bio. US-Dollar erstmals mehr Volumen verarbeitet haben als das US-Bankensystem.

Stablecoin Rekord: 7,2 Billionen Dollar übertreffen erstmals das US-Bankensystem

Stablecoin Rekord: 7,2 Billionen Dollar übertreffen erstmals das US-Bankensystem

Der Stablecoin Rekord ist offiziell: Im Februar 2026 haben Stablecoins mit 7,2 Bio. US-Dollar erstmals mehr Transaktionsvolumen verarbeitet als das ACH-Netzwerk der USA mit 6,8 Bio. Der Meilenstein verschiebt die Debatte über digitale Zahlungsinfrastruktur, erfordert aber eine genaue Einordnung

Artemis-Daten bestätigen erstmalige Überholung des ACH-Netzwerks

Die Zahlen stammen von der Analyseplattform Artemis, die das bereinigte 30-Tage-Volumen berechnet. MEV-Aktivitäten und interne Transfers zwischen zentralisierten Börsen wurden dabei herausgerechnet. Das berichtet Artemis auf seinem Stablecoin-Dashboard.

Stablecoin Volumen

Das ACH-System wickelt rund 93 % aller Gehaltszahlungen in den USA ab und gilt als Rückgrat des elektronischen Zahlungsverkehrs. Im März stieg das Stablecoin Volumen weiter auf 7,5 Bio. und lag damit auf ACH-Niveau. Die Überholung im reinen Volumenvergleich bedeutet jedoch nicht, dass Stablecoins das Bankensystem in seiner Funktion ersetzen.

7,2 Billionen Dollar auf Blockchain-Rails in nur 30 Tagen

Der Stablecoin Rekord wird vor allem durch institutionelle Nutzung getrieben. B2B-Settlements und grenzüberschreitende Zahlungen machen den Großteil des Volumens aus, nicht Einzelhandelstransaktionen. Der GENIUS Act, der seit 2025 als regulatorisches Rahmenwerk für Stablecoins in den USA gilt, hat die institutionelle Adoption beschleunigt.

Das gesamte Stablecoin-Supply erreichte im ersten Quartal 2026 rund 315 Mrd. US-Dollar. Seit Oktober 2025 stagniert das Supply allerdings bei etwa 305 Mrd., was darauf hindeutet, dass das Volumenwachstum durch höhere Umlaufgeschwindigkeit entsteht, nicht durch neue Ausgabe. Tether und Circle kontrollieren zusammen über 90 % des Marktes. Galaxy Research hatte bereits Ende 2025 prognostiziert, dass Stablecoins das ACH-Volumen 2026 übertreffen würden.

Dezentrale Schienen, zentrales Geld: Das Stablecoin-Paradox

Die Infrastruktur, auf der Stablecoins laufen, ist (mehr oder weniger) dezentral: Ethereum, Tron und Solana ermöglichen Abwicklung rund um die Uhr ohne Banken als Zwischeninstanz. Doch die Stablecoins selbst bleiben zentralisierte Produkte, deren Herausgeber Guthaben einfrieren, Wallets sperren und regulatorischen Anweisungen folgen können.

Der Stablecoin Rekord zeigt einen Infrastrukturwechsel, keinen Geldwechsel. Stablecoins sind digitale Kopien des US-Dollars und unterliegen derselben Geldpolitik wie ihr Basiswert. Wer 7,2 Bio. US-Dollar in USDT oder USDC bewegt, bewegt Dollar – auf schnelleren Schienen, aber unter gleicher geldpolitischer Kontrolle.

Bitcoin unterscheidet sich davon grundlegend: ein fixes Angebot von 21 Mio. Einheiten, keine zentrale Herausgabe, keine Möglichkeit des Einfrierens. Stablecoins optimieren die Infrastruktur des bestehenden Geldsystems – Bitcoin stellt das Geldsystem selbst in Frage.

Wir berichteten über die Zentralisierungsrisiken bei Stablecoins am Beispiel des Circle Aktie Crashs.

Binance Datenleck 2026: Nicht Binance wurde gehackt, sondern die Geräte der Nutzer

Binance Datenleck 2026: Nicht Binance wurde gehackt, sondern die Geräte der Nutzer

Im Januar 2026 entdeckte Sicherheitsforscher Jeremiah Fowler eine öffentlich zugängliche Datenbank mit 149 Mio. gestohlenen Login-Credentials, darunter rund 420.000 Binance-bezogene Logins. Die Schlagzeile suggeriert einen Börsen-Hack, die Realität ist eine andere: Binance-Server wurden nicht kompromittiert. Die Daten stammen von Infostealer-Malware, die Logins direkt von infizierten Nutzergeräten abgegriffen hat.

Wie 96 GB gestohlene Daten wochenlang offen im Netz lagen

Die Datenbank enthielt rund 96 GB an unverschlüsselten Daten, war ohne Passwort zugänglich und lag mehrere Wochen offen im Netz, bevor sie vom Hosting-Provider nach mehrfacher Meldung durch Fowler offline genommen wurde. Die Datensätze umfassten E-Mail-Adressen, Benutzernamen, Passwörter und direkte Login-URLs für Hunderte von Diensten.

Neben den 420.000 Binance-Logins fanden sich 48 Mio. Gmail-Accounts, 17 Mio. Facebook-Accounts, 6,5 Mio. Instagram-Accounts und Credentials von Banken, Regierungsdomains und Streaming-Diensten. Binance-CSO Jimmy Su stellte in einem offiziellen Blog-Post klar, dass die internen Systeme der Börse nicht betroffen waren und erklärte, die Credentials seien von einem bekannten Akteur gesammelt worden, der über Dark-Web-Marktplätze operiert und Infostealer-Malware einsetzt.

Die Daten wurden nicht durch einen Einbruch bei Binance gesammelt, sondern von Millionen infizierter Geräte weltweit. Jedes kompromittierte Gerät liefert dutzende Logins gleichzeitig: E-Mail, Social Media, Banking und Krypto-Börsen in einem Paket.

Was Nutzer jetzt konkret tun sollten: 2FA, Passwörter, Malware-Scan

Binance empfiehlt drei Sofortmaßnahmen: Erstens ein vollständiger Malware-Scan auf allen Geräten, denn solange ein Gerät infiziert ist, wird jedes neue Passwort sofort wieder abgegriffen. Zweitens das Aktivieren von Hardware-basierter Zwei-Faktor-Authentifizierung, nicht SMS-basiert, da SIM-Swap-Angriffe nach einem Binance Nutzerdaten Leak wahrscheinlicher werden.

Drittens das Ersetzen aller Passwörter durch einzigartige, komplexe Kombinationen über einen Passwort-Manager, da Credential-Reuse der Hauptgrund ist, warum ein einziger kompromittierter Login dutzende Accounts gefährdet. Kaspersky identifizierte im November 2025 eine neue Infostealer-Variante namens Stealka, die sich als Game-Cheats und Mods tarnt und neben Browser-Passwörtern auch Krypto-Wallet-Extensions ausliest.

Die Malware zielt auf über 100 Browser ab, darunter Chrome, Firefox, Brave und Edge, und betrifft mindestens 80 Krypto-Börsen. Binance hat nach eigener Aussage in den letzten Monaten einen deutlichen Anstieg kompromittierter Nutzer-Credentials festgestellt und reagiert mit automatischen Passwort-Resets, Session-Revocations und direkter Benachrichtigung betroffener Accounts.

Wie das Binance Datenleck 2026 den Trend zu Self-Custody beschleunigt

Das Binance Datenleck 2026 illustriert ein strukturelles Problem zentraler Plattformen: Auch wenn die Server sicher sind, bleibt der Nutzer als Angriffsfläche bestehen. Solange Logins auf Geräten gespeichert werden, die mit dem Internet verbunden sind, existiert ein Angriffsvektor, den keine Börse vollständig eliminieren kann. Bei Self-Custody, also der Verwahrung von Bitcoin auf einer eigenen Hardware-Wallet mit privatem Schlüssel, entfällt dieser Vektor.

Es gibt kein Passwort das ein Infostealer abgreifen kann, keinen Login der in einer Datenbank landen kann, und keinen zentralen Account den ein Angreifer übernehmen kann. Die 420.000 kompromittierten Binance-Logins betrafen Nutzer, deren Geräte infiziert waren. Auf einer Hardware-Wallet wären dieselben Nutzer nicht betroffen gewesen, weil der private Schlüssel das infizierte Gerät nie verlässt.

Wer versteht, dass die Sicherheit eines dezentralen Geldsystems nicht von der Verteidigungsfähigkeit einer Plattform abhängt, sondern von der Kontrolle des Einzelnen über seinen privaten Schlüssel, erkennt in diesem Vorfall keine Schwäche von Bitcoin, sondern eine Bestätigung des Grundprinzips: Nicht deine Schlüssel, nicht deine Coins.

Not your keys, not your coins.

Wir berichteten über Self-Custody-Wallets und warum die eigene Verwahrung unverzichtbar ist.